Gedanken aus dem Home-Office
Gedanken aus dem Home-Office
Wollen Sie noch mal ins Büro, liebe Leserinnen und Leser? Ich meine: in Ihr Büro in der Firma? Oder haben Sie das Home-Office so schätzen gelernt, dass Sie auch nach Corona nicht mehr an den alten Arbeitsplatz zurückwollen? Also ganz ehrlich: Heimarbeit hat was. Zugegeben, hier gibt es kein Team, in dem man auf Zuruf zusammenarbeitet und mit dem man mittags gemütlich zum Inder um die Ecke geht. Auch den Flurfunk und überhaupt das gemeinsame Ablästern über Kollegen und Vorgesetzte vermisse ich sehr. Aber, um mal ein Betriebsgeheimnis zu verraten: Ich sitze hier unrasiert, in Jogginghose, T-Shirt und Kultschlappen vor dem Notebook, höre mir die Telefonkonferenz der Frankfurter Sparkasse an und stelle Herrn Restani (ob er wohl auch Adiletten trägt?, denke ich mir) ein paar fiese Fragen. Das ist schon angenehm. Zur Präsenzpressekonferenz, die pandemiebedingt abgesagt wurde, wäre ich sicher nicht in diesem Aufzug gegangen. Technisch klappt auch alles prima, die Internetverbindung läuft störungsfrei – einen Moment bitte . . .”Die Verbindung mit dem Computer wurde beendet.” Vielen Dank, das verschafft mir die willkommene Gelegenheit, zwischendurch mal einen Kaffee zu trinken.So, es geht wieder. Wo war ich stehengeblieben? Richtig, beim Home-Office. So ein gefährliches Virus ist schon auch gut für die Umwelt. Wer zu Hause arbeitet, um nicht infiziert zu werden, der fährt kein Auto. “Weniger Stickoxid dank Corona”, titelt am Freitag die Lokalpresse. Auch die wenigen, die noch fahren, haben was davon. “Eine Viertelstunde von Offenbach in die Frankfurter City, das gab es noch nie”, ist ein Bankmanager begeistert. Und der Kollege, der bis vor kurzem als einer der letzten Mohikaner in der Redaktion gearbeitet hat und mit der Bahn zwischen Hochtaunus und Frankfurt pendelte, erzählt von gähnender Leere in den Zügen. Klar: Die früheren Mitfahrer sitzen alle im Home. . .”Hostname konnte nicht aufgelöst werden.” Ach ja, ich hatte schon lange keinen Kaffee.Zurück am Notebook. Also ich glaube – oder soll ich sagen: fürchte? -, dass Heimarbeit und Telefonkonferenzen oder Webcasts die Krise überdauern werden. Auch die Unternehmen, die früher nichts von Home-Office wissen wollten (“keine Kontrolle!”), finden diese Option jetzt toll, lassen sich doch perspektivisch enorme Immobilienbewirtschaftungskosten einsparen. Deshalb werden viele Bürogebäude das gleiche Schicksal erleiden wie die Bankfilialen. Die Krise führt dazu, dass in dem über die Jahre schon dezimierten Bestand viele weitere Standorte “vorübergehend” dichtgemacht werden. Man wird sehen: Es geht auch ohne. Nebenbei: auch ohne das angeblich virusanfällige Bargeld. Corona ist ein Förderprogramm für Kontaktloszahlungen.Gerade will ich mein Home-Office für heute schließen, da fällt der Blick auf einen Bericht der FAZ: Bewegungsmangel durch Heimarbeit werde ganz klar zu Todesfällen führen, warnen Sportmediziner. Haben wir also nur noch die Wahl, durch das Virus oder durch Übergewicht zu sterben?Passen Sie bitte gut auf sich auf und bleiben Sie gesund!