Goldman Sachs spielt Expertise aus

Wertpapierhandel und Emissionssparte dominieren das zweite Quartal

Goldman Sachs spielt Expertise aus

nok New York – Die amerikanische Großbank Goldman Sachs hat aufgrund robusten Geschäfts im Wertpapierhandel sowie bei Anleihe- und Aktienemissionen überraschend starke Ergebnisse für das zweite Quartal ausgewiesen. Im Gegensatz zu Universalbanken wie J.P. Morgan Chase, die aufgrund erhöhter Risikovorsorge für faule Kredite deutliche Gewinneinbußen hinnehmen mussten, erzielte Goldman in dem von der Coronakrise dominierten zweiten Quartal wie im Vorjahreszeitraum ein Konzernergebnis von 2,4 Mrd. Dollar. Das entsprach einem Gewinn je Aktie von 6,26 Dollar und lag deutlich über den Erwartungen der Analysten, die zuletzt mit 3,90 Dollar je Anteilschein gerechnet hatten. Die Nettoerträge stiegen um 41 % auf 13,3 Mrd. Dollar. Nach Angaben von Goldman war das das zweithöchste Quartalsergebnis in der Geschichte der Bank.Der Aktienkurs von Goldman reagierte im frühen Handel an der New Yorker Börse mit Aufschlägen von mehr als 1 %. Der Goldman-Kurs liegt in diesem Jahr um knapp 6 % im Minus, hat sich damit aber deutlich besser entwickelt als die Aktien von Banken, die stärker im Kreditgeschäft aktiv sind. “Unsere starke finanzielle Leistung in allen unseren Kundenbereichen zeigt die inhärenten Vorteile unseres diversifizierten Geschäftsmodells”, sagte Goldman-Sachs-Vorstandschef David Solomon. Goldman Sachs baut seit einigen Jahren ein Verbraucherkreditgeschäft auf, ist im Kern aber weiterhin eine Investmentbank. Im vergangenen Quartal kamen mehr als die Hälfte der Einnahmen aus dem Wertpapierhandel. Ein weiteres Fünftel trägt das Investment Banking bei, also das Emissionsgeschäft und die Beratung bei Fusionen und Übernahmen. Auf das Einlagen- und Kreditgeschäft mit Verbrauchern entfielen trotz eines Wachstums von 19 % auf 258 Mill. Dollar nur 2 % der Gesamterträge.Das klassische Wall-Street-Geschäft lief im zweiten Quartal auch bei Konkurrenten wie J.P. Morgan und der Citigroup rund. Angesichts der von der Coronakrise ausgelösten Turbulenzen stieg das Handelsvolumen an den Finanzmärkten deutlich. Unternehmen nutzten das gefallene Zinsniveau und die Erholung an den Aktienmärkten, um Anleihen und Aktien zu emittieren.Die Goldman-Handelssparte für Anleihen, Devisen und Rohstoffe erzielte im zweiten Quartal mit 4,2 Mrd. Dollar zweieinhalb Mal so hohe Nettoeinnahmen wie im Vorjahr. Das war nach Angaben der Bank das beste Ergebnis seit neun Jahren. Im Aktienhandel stiegen die Einnahmen um 46 % auf 2,9 Mrd. Dollar – das beste Ergebnis seit 11 Jahren. Einen Rekord meldete Goldman im Investment Banking, wo die Erträge um 36 % auf 2,7 Mrd. Dollar anschwollen. Das resultierte vor allem aus dem Emissionsgeschäft mit Aktien und Anleihen, dessen Erträge sich im Berichtszeitraum mehr als verdoppelten. Goldman war im zweiten Quartal an Wertpapieremissionen der Kreuzfahrtgesellschaft Carnival und der Fluglinie United beteiligt, die stark unter den krisenbedingten Reiseeinschränkungen litten.Goldmans Einnahmen aus der Fusionsberatung gingen indes um 11 % zurück, da es insgesamt weniger Zusammenschlüsse von Unternehmen gab.Angesichts des von der Corona-Pandemie bedingten Wirtschaftsabschwungs hat auch Goldman Sachs die Risikovorsorge für notleidende Kredite im zweiten Quartal auf 1,6 Mrd. Dollar angehoben, mehr als sieben Mal so hoch wie im Vorjahr. Die Rückstellungen begründete die Bank vor allem mit der erwarteten Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds. Die Rückstellungen beträfen vor allem Darlehen an institutionelle Kunden und weniger Verbraucherkredite.J.P. Morgan Chase, die Citigroup und Wells Fargo hatten im zweiten Quartal insgesamt 28 Mrd. Dollar für notleidende Kredite zurückgestellt. J.P. Morgan und Citi hatten wegen ihres robusten Wertpapiergeschäfts aber dennoch positiv überrascht. Wells Fargo, die nicht so stark im Investment Banking vertreten ist wie ihre New Yorker Konkurrenten, hatte im zweiten Quartal allerdings einen überraschend hohen Verlust verbucht.