Hannover Rück schlägt sich besser als erwartet

Gewinnrückgang trotz rekordhoher Großschadenslast geringer als prognostiziert - Ratenerhöhungen schaffen bessere Basis für 2018

Hannover Rück schlägt sich besser als erwartet

ste Hamburg – Der Rückversicherer Hannover Rück hat die letztjährige Hurrikan-Serie in den USA und in der Karibik sowie die Erdbeben in Mexiko besser verkraftet als nach dem dritten Quartal angenommen. Wie der weltweit drittgrößte Rückversicherer mitteilte, wird für das Geschäftsjahr 2017 inzwischen mit einem Nettogewinn von rund 950 Mill. Euro gerechnet.Das ist zwar weniger als ursprünglich für 2017 mit mehr als 1 (2016: 1,17) Mrd. Euro in Aussicht gestellt, liegt aber deutlich über der im November prognostizierten Marke von rund 800 Mill. Euro. Das im Vorjahresvergleich um 15 % verringerte Ergebnis sei vor dem Hintergrund, dass im vorigen Jahr weltweit versicherte Schäden von mehr als 100 Mrd. Dollar anfielen, zufriedenstellend, erklärte Hannover-Rück-Vorstandschef Ulrich Wallin. Der Rückversicherer sei im vergangenen Jahr auf die bislang höchste Großschadenbelastung von netto 1,1 Mrd. Euro gekommen. Diese habe man aber gut verkraften können. Relativ glimpflichDie drei Hurrikans “Harvey”, “Irma” und “Maria”, zwei Erdbeben in Mexiko sowie weitere Großschäden schlugen bei dem MDax-Unternehmen weniger stark ins Kontor als beim Branchenführer Munich Re. Dieser hatte am Dienstag über einen um 85 % auf 392 Mill. (2,6 Mrd.) Euro zusammengeschmolzenen Überschuss berichtet und die Gesamtbelastung aus Großschäden mit 4,3 (1,5) Mrd. Euro beziffert.Dass die Hannover Rück vergleichsweise glimpflich durch die Hurrikansaison kam, lag auch am Verkauf des Bestandes an börsennotierten Aktien in Höhe von 953 Mill. Euro im dritten Quartal (vgl. BZ vom 9.11.2017). Der Rückversicherer verbuchte Sondererträge von 223 Mill. Euro, die das Kapitalanlageergebnis aus selbstverwalteten Anlagen erhöhten. Die Hannover Rück teilte in ihrer aktualisierten Prognose gestern mit, dass bei der Kapitalanlagerendite 2017 nun 3,8 % statt bislang mehr als 3,0 % erwartet würden. Die Hannover Rück, die bei den Bruttoprämien einen Anstieg um 9 % erreichte, will ihren Aktionären, zu denen als Mehrheitseigner der Versicherer Talanx gehört, einschließlich einer Sonderausschüttung von 1,50 Euro je Titel erneut eine Dividende von 5 Euro je Aktie zahlen.Für 2018 sieht sich der Rückversicherer nach der Vertragserneuerungsrunde in der Schadenrückversicherung zum 1. Januar und den erreichten Ratenerhöhungen in einer komfortableren Situation. Neben einem Wachstum der Bruttoprämie im einstelligen Prozentbereich wurde der im Herbst angekündigte Nettogewinn von mehr als 1 Mrd. Euro bekräftigt. Die Prognose gilt unter der Annahme, dass die Großschadenbelastung 2018 die Marke von 825 Mill. Euro nicht übersteigt.Bei den Verhandlungen in der Erneuerungsrunde habe die Hannover Rück notwendige Preiserhöhungen durchsetzen, strategische Kooperationen ausbauen und eigene Anteile erhöhen können. Im Schnitt habe man die Preise um 1,4 % angehoben. Dass viel Bewegung im Markt sei, habe dem Unternehmen aufgrund seiner langjährigen Kundenbeziehungen in die Hände gespielt, erklärte Vorstandschef Wallin. Besonders deutlich seien die Steigerungen in Asien und Australien (+35 %) sowie in Großbritannien ausgefallen.Vom Vorjahresprämienvolumen in der traditionellen Schaden-Rückversicherung (ohne fakultatives Geschäft und strukturierte Rückversicherung) in Höhe von 7,1 Mrd. Euro standen zum 1. Januar Verträge mit einem Volumen von 4,7 Mrd. Euro zur Erneuerung an. Von diesen seien Verträge über knapp 4,3 Mrd. Euro verlängert worden. Inklusive der Zuwächse von 711 Mill. Euro aus neuen Verträgen sowie veränderten Preisen und Anteilen belief sich das erneuerte Prämienvolumen den Angaben zufolge auf gut 5,2 Mrd. Euro – eine Steigerung bei gleichen Wechselkursen um 12,7 %. Inklusive des Geschäfts der strukturierten Rückversicherung betrug der Zuwachs zum 1. Januar knapp 22 %. Auch Talanx erfreut AnlegerDie Aktie der Hannover Rück – der Rückversicherer legt seine Jahresbilanz am 13. März vor – zog um 2,5 % auf 108,90 Euro an. Die ebenfalls im MDax gelistete Talanx-Aktie kletterte sogar noch stärker, um 3,5 %, auf 35,96 Euro. Neben der besseren Entwicklung in der Rückversicherung hätten das deutsche und das internationale Privat- und Firmenkundengeschäft dazu beigetragen, dass die Ergebniserwartungen übertroffen worden seien, teilte der Versicherer aus Hannover, der mit 50,2 % an der Hannover Rück beteiligt ist, separat mit. Der Konzern berichtete auf Basis vorläufiger Zahlen über einen 2017 verbuchten Konzerngewinn von rund 670 (907) Mill. Euro – 20 Mill. Euro mehr, als nach dem dritten Quartal in Aussicht gestellt. Die konzernweite Großschadenbelastung bezifferte die Talanx mit 1,6 (0,9) Mrd. Euro. Der Mehrmarkenversicherer, dessen Bruttoprämien 2017 um rund 6 % auf 33,1 Mrd. Euro stiegen, will trotz des Gewinnrückgangs eine Dividende “mindestens auf Vorjahreshöhe” von 1,35 Euro je Aktie zahlen.