PERSONEN

Hans-Walter Peters 65

Von Carsten Steevens, Hamburg Börsen-Zeitung, 3.4.2020 Am 22. April soll Martin Zielke (57) den Posten des Bankenpräsidenten antreten. Wie es seit vergangenem Sommer im Raum steht (vgl. BZ vom 29.8.2019), wird der seit Mai 2016 amtierende...

Hans-Walter Peters 65

Von Carsten Steevens, HamburgAm 22. April soll Martin Zielke (57) den Posten des Bankenpräsidenten antreten. Wie es seit vergangenem Sommer im Raum steht (vgl. BZ vom 29.8.2019), wird der seit Mai 2016 amtierende Commerzbank-Chef als “Wunschkandidat” Nachfolger von Hans-Walter Peters, der das Amt des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) im April 2016 vom damaligen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen übernommen hatte. Darauf, dass es beim Übergang zum 17. Bankenpräsidenten seit 1951 anders kommen könnte, deutet derzeit nichts hin – wobei die Coronakrise zur Absage des Bankentags in knapp drei Wochen führte und BdB-Vorstand und Delegierte nun wohl per Telefon konferieren werden.Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie führen dazu, dass sich Berenberg-Chef Peters kurz vor dem Ende seiner Amtszeit wesentlich stärker als Bankenpräsident gefordert sieht. “Die Gewichte haben sich in den vergangenen beiden Monaten deutlich verschoben”, sagt er im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Es gehe jetzt vor allem darum, den Schaden für die Wirtschaft zu begrenzen und vor allem die kleinen Unternehmen schnell und unbürokratisch über die Förderprogramme mit Krediten zu unterstützen. Hier sieht er die maßgeblichen Akteure auf einem guten Weg: “Ich finde es sehr positiv, wie Regierung, Verbände, Europäische Zentralbank und Finanzaufsicht in dieser Krise zusammenarbeiten.” Es gebe hervorragende Ideen und Konzepte. “Das zeigt, dass wir in dieser Krise sehr handlungsfähig sind.”Peters äußert sich zuversichtlich, dass die Virus-Pandemie und ihre Folgen bewältigt würden. Zugleich kritisiert er in diesem Zusammenhang die Belastungen für die Kreditwirtschaft infolge der Geldpolitik der EZB. “Dass die Banken seit 2014 jedes Jahr Milliarden an die EZB als Strafzins zahlen, ist für mich unerträglich.” Seit Einführung der Negativzinsen hätten die Institute 26,5 Mrd. Euro zahlen müssen, im laufenden Jahr dürften es 4,2 Mrd. Euro werden. “Genau dieses Geld fehlt den Banken in der gegenwärtigen Krise.” Er fordert die Zentralbank zur sofortigen Aussetzung der Negativzinsen für Banken auf. Diese könnten so ihr Eigenkapital für eine leichtere Kreditvergabe stärken. Um die Wirtschaft zu stützen, müsse die Aufsicht zudem die seit 2011 erhobene jährliche Bankenabgabe aussetzen. Diese habe sich in Deutschland zuletzt auf 2 Mrd. Euro belaufen.Derzeit könne man aufgrund der dynamischen Entwicklung der Coronakrise nur von Tag zu Tag schauen, sagt Peters, mahnt aber die Diskussion über eine Exit-Strategie an. Wichtig sei es jetzt auch, “über Wege nachzudenken, wie wir aus dieser Situation wieder herauskommen”. Es gebe ein “großes Verständnis bei allen Institutionen”, die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Die aufsichtsrechtliche Seite der EZB etwa arbeite “zurzeit sehr eng mit den Banken zusammen, um die Probleme zu lösen”.Verglichen mit der Coronakrise, so Peters weiter, sei die Situation für die Banken während der Finanzmarktkrise vor gut einer Dekade aber “deutlich schwieriger” gewesen. Damals sei es um den Erhalt des Finanzsystems gegangen. “Das war Stress bis unter die Haarspitzen.” Die Coronakrise sei auch eine große Belastung. Sie betreffe aber vor allem die Politik, die dafür sorgen müsse, die Ausbreitung des Virus zu begrenzen und Liquidität für stark betroffene Branchen zu organisieren.Mitten in der Finanzkrise, Anfang 2009, war der aus Soltau stammende Diplom-Volkswirt, Diplom-Statistiker und promovierte Staatswissenschaftler als Partner bei Berenberg Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter geworden. Diese Funktion wird er Ende 2020 aus Altersgründen abgeben. Die Bank wird Peters, zu der er nach Stationen bei Dresdner Bank, DG Bank und Frankfurter Volksbank 1994 kam, aber nicht loslassen. Zum einen hält er gemeinsam mit Hendrik Riehmer, dem zweiten persönlich haftenden Gesellschafter, gut 26 % der Stimmrechte. Zum anderen will sich Peters auch als Verwaltungsratschef vom kommenden Jahr an um Kunden kümmern. Am heutigen Freitag vollendet er sein 65. Lebensjahr.