Helaba sieht sich für Coronakrise gewappnet

Grüntker gelingt zum Abschied ein Gewinnsprung - Kundengeschäft nochmals ausgeweitet - Keine Prognose für 2020

Helaba sieht sich für Coronakrise gewappnet

Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker übergibt seinem Nachfolger Thomas Groß Ende Mai ein gut bestelltes Haus. Die weitere Entwicklung steht wie überall, nicht nur in der Kreditwirtschaft, unter Corona-Vorbehalt. Aber auf dem in der Vergangenheit gelegten Fundament wird die Landesbank so schnell nichts umwerfen.ski Frankfurt – Nach einem ebenso ereignisreichen wie erfolgreichen Geschäftsjahr 2019 geht die Helaba “aus einer starken Position in die nun vor uns allen liegende schwierige Zeit”. Die Folgen des Coronavirus seien nicht abschätzbar, eine Prognose für das laufende Jahr daher nicht möglich, sagte der Ende Mai, dann 65-jährig, ausscheidende Vorstandsvorsitzende Herbert Hans Grüntker in der telefonischen Bilanzpressekonferenz. Mit Blick auf die in der Krise Rat und gegebenenfalls Unterstützung in Form von Liquidität beziehungsweise Kredit suchenden Kunden, auch jene der Tochter Frankfurter Sparkasse, betonte Grüntker, dass die Landesbank gerade in schwierigen Zeiten für langfristige und vertrauensvolle Kundenbeziehungen stehe. Dies habe die Helaba schon in den Jahren der Finanzkrise 2008/09 eindrucksvoll gezeigt.Grüntkers Vize und designierter Nachfolger Thomas Groß sagte, vom Exposure der Helaba seien 5 bis 10 % in hohem Maße von Corona betroffen, zum Beispiel in den Branchen Reisen, Luftfahrt oder Automobile, aber auch Teile des Immobiliengeschäfts, in dem der Retailanteil 10 bis 15 % ausmache. Das Gesamtkreditvolumen der drittgrößten deutschen Landesbank betrug am Jahresende konzernweit rund 208 Mrd. Euro, die Kundenforderungen beliefen sich auf 114 Mrd. Euro. Zur Verdeutlichung der vergleichsweise komfortablen Risikosituation verwies Groß auf die auf 0,4 (i. V. 0,7) % gesunkene und damit “fast nicht mehr existente” Quote des Non-Performing Exposures. Kreditklauseln (Covenants) seien bisher nur vereinzelt verletzt worden, das dürfte sich aber in Zukunft häufen. Auswirkungen auf die Risikovorsorge habe es bisher nicht gegeben. Geldmarkt funktioniertDen unter dem Planwert gebliebenen Vorsorgeaufwand von 86 Mill. Euro 2019, nach Auflösungen im Vorjahr (vgl. Tabelle), bezeichnete Finanzvorstand Detlef Hosemann als einen “Schritt in Richtung Normalisierung”. Nur 30 Mill. Euro entfielen auf konkret erwartete Ausfälle. Grüntker erinnerte grundsätzlich an “die bei uns übliche konservative Sichtweise” in der Bilanzierung.Das unter anderem für Capital Markets und Treasury verantwortliche Vorstandsmitglied Hans-Dieter Kemler sagte auf die Frage nach der Lage an den Märkten: “Der Geldmarkt an sich funktioniert”, allerdings vor allem bei Laufzeiten bis zu einem Monat. Bei längerfristigen unbesicherten Geschäften sei die Situation eher schwierig, jedoch nicht vergleichbar mit den Jahren 2008/09. Die Helaba jedenfalls sei solide aufgestellt und im Stande, ihre Kunden wie gewünscht zu begleiten.Das Jahr 2019 hat die Helaba mit einem um 20 % erhöhten Vorsteuergewinn von 533 Mill. Euro abgeschlossen, wobei im Zinsergebnis nach Jahren des Rückgangs die Trendwende zum Positiven gelang. Bereinigt um Sondereffekte wäre der Gewinnsprung Grüntker zufolge etwa halb so stark ausgefallen. Positiv wirkte sich mit 125 Mill. Euro die Erstkonsolidierung der unterhalb des Buchwerts des Eigenkapitals übernommenen und inzwischen voll integrierten vormaligen Dexia Kommunalbank Deutschland aus. Das weitgehend steuerfreie Anwachsungsergebnis dieser Transaktion erklärt auch, neben Entlastungen aus überhöhtem Steueraufwand früherer Jahre, die auffallend niedrige Steuerposition, wie Hosemann erläuterte. Negativ schlugen derweil mit 71 Mill. Euro Restrukturierungsrückstellungen im Zusammenhang mit dem Effizienz- und Wachstumsprogramm “Scope” zu Buche, das unter anderem den Abbau von 380 bis 400 derzeit besetzten Stellen bis Ende 2022 vorsieht. Diese Aktion sei im Abschluss 2019 bilanziell komplett verarbeitet, sagte Grüntker, laufende Projektkosten fielen aber auch in den nächsten Jahren an. “Wir können Thesaurierung”Auf Mahnungen von Aufsichtsseite, Dividenden zu überdenken, verteidigte der Helaba-Chef die geplante unveränderte Zahlung von 90 Mill. Euro an die Träger (überwiegend Sparkassen), die einer Ausschüttungsquote von weniger als 20 % entspreche, als “sorgfältigen Umgang mit unseren Kapitalressourcen”. Die Helaba habe ihre harte Kernkapitalquote (CET-1) in den vergangenen zehn Jahren von 9,6 auf 14,2 % hochgeschraubt und damit gezeigt: “Wir können Thesaurierung.”Erkennbar stolz ist der Helaba-Vorstand darauf, dass es im vorigen Jahr trotz einer Reihe besonderer Herausforderungen – Übernahme von Dexia und des Land-Transport-Finance-Portfolios der DVB Bank, Stützung der Nord/LB, Diskussion über ein Sparkassen-Zentralinstitut und ein Zusammenrücken mit der Deka sowie Start des “Scope”-Programms – gelang, auch im Kundengeschäft zu reüssieren. Das Volumen des mittel- und langfristigen Kreditneugeschäfts übertraf mit 21,5 Mrd. Euro nochmals das schon hohe Vorjahresniveau (19 Mrd. Euro). Davon entfielen 10 (9,8) Mrd. Euro auf das Segment Immobilien und 8,2 (6,1) Mrd. Euro auf Corporate Finance.Grüntker kündigte an, dass die Helaba von diesem Jahr an nur noch halbjährlich über ihre Zahlen berichten werde. Dieser Leistungsverzicht sei auch eine Folge von “Scope”.