Hessens WIBank reicht Notkredite aus

Förderinstitut schafft Liquiditätshilfen für Unternehmen - Flut an Anfragen

Hessens WIBank reicht Notkredite aus

jsc Frankfurt – Das Land Hessen stemmt sich mit neuen Förderkrediten an Kleinunternehmen gegen die Coronakrise: Ab Freitag stellt die zugehörige Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WIBank) ein neues Mikrodarlehen bereit, mit dem Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten und Selbständige Liquiditätslücken schließen können, wie Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwoch in einer Telefonkonferenz erklärte. Das Programm lehnt sich dabei an die bisher wenig genutzten Mikro-Darlehen an und soll nun mit geringem Zinssatz in ähnlicher Form als Liquiditätshilfe eingeführt werden.Das Programm ergänzt die neuen Darlehen, die das Land erst vor einer Woche auf den Weg gebracht hatte und die bereits über gewöhnliche Banken und Sparkassen beantragt werden können. Noch vor drei Wochen, unmittelbar vor Zuspitzung der aktuellen Krise, sei der verordnete Stillstand von weiten Teilen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft nicht absehbar gewesen, sagte Al-Wazir. Bank und Land stünden nun unter Druck. “Wir arbeiten so schnell wie noch nie.”War die Bank, die als “Anstalt in der Anstalt” der Landesbank Helaba zugeordnet ist, in der Finanzierung von Unternehmen mit einem Neugeschäft von 639 Mill. Euro im zurückliegenden Jahr bisher ein unauffälliges Institut, steht es nun im Rampenlicht, wie Geschäftsführungsmitglied Michael Reckhard deutlich machte. Noch am 10. März, einem gewöhnlichen Werktag vor Zuspitzung der Coronakrise, hatte die Bank lediglich 61 Zugriffe im Internet und 14 Anrufe verzeichnet. An einem Tag gut zwei Wochen später, am 25. März, waren es knapp 48 000 Seitenaufrufe und 714 Anrufe. Die Not der Selbständigen und Unternehmen sei groß, so dass der Eindruck entstehe, die Bank arbeite nicht schnell genug, sagte Al-Wazir – dabei sei das Tempo enorm. Die per Jahresende 435 Mitarbeiter zählende Bank ziehe viele Beschäftigte aus anderen Abteilungen zur Bearbeitung der Antragsflut ab, sagte Gottfried Milde, Sprecher der Geschäftsleitung. Viele Mitarbeiter hätten sich freiwillig gemeldet.Die Mittel für die neuen Darlehen stammen vom Land: Bisher sind für beide Programme jeweils 30 Mill. Euro vorgesehen. Das reguläre Förderneugeschäft soll aber ohne Coronaeffekt das Niveau des Vorjahres erreichen, als die Bank insgesamt 2 Mrd. Euro für Wirtschaft, Wohnvorhaben, Kommunen und weitere Projekte zusagte. Einen starken Effekt auf den Jahresüberschuss, der 2019 rund 14 Mill. Euro erreichte und vor allem der Förderung zugutekommt, erwartet die Bank nicht.Der plötzliche Tod des bisherigen hessischen Finanzministers Thomas Schäfer (CDU) habe die Verantwortlichen der Bank tief getroffen, wie Milde, Al-Wazir und der ebenfalls zugeschaltete Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker erklärten. Schäfer hat sich am Samstag mutmaßlich das Leben genommen. Eines seiner wesentlichen politischen Vorhaben sei die Hessenkasse gewesen, ein Entschuldungsprogramm für Kommunen, das bei der WIBank aufgehängt war und 2018 das Neugeschäft um 4,9 Mrd. Euro nach oben schnellen ließ. Wie schwer die Corona-Hilfen einmal wiegen werden, wollte am Mittwoch niemand beziffern.