Hoffnungswert Pflege, Wachstumstreiber Zähne
Hoffnungswert Pflege, Wachstumstreiber Zähne
jsc Frankfurt – Die Deutsche Familienversicherung (DFV) stimmt nach dem zweiten Verlustjahr in Folge auf einen weiteren Turnus mit einem Fehlbetrag ein: Im laufenden Jahr werde die Gesellschaft ein Minus von 9 Mill. bis 11 Mill. Euro vor Steuern erzielen, sagte Firmenchef und Gründer Stefan Knoll am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Bereits für 2019 hatte der Versicherer einen Verlust in dieser Höhe erwartet, mit einem Vorsteuer-Fehlbetrag von 5,2 Mill. Euro aber besser abgeschnitten. Wegen Steuervorteilen blieb unterm Strich ein Verlust von 2,1 Mill. Euro.In die Gewinnzone kehrt der Versicherer laut Knoll voraussichtlich erst 2021 mit geplant 12 Mill. Euro: Denn ab Juli 2021 startet das Angebot einer Pflegeversicherung für die rund 400 000 Tarifbeschäftigten in der Chemie- und Pharmaindustrie und für einige außertarifliche Mitarbeiter. Die Verträge, auf die sich die Tarifparteien im November 2019 geeinigt hatten, sehen einen Kollektiv-Beitrag von 33,65 Euro vor und dürften der bisher kleinen Frankfurter Gesellschaft mit einem Schlag einen hohen Bestand bescheren.Die Aktie der DFV hatte daraufhin deutlich zugelegt, selbst das Corona-Debakel hat den Kursgewinn bisher nicht aufgelöst. Möglich wurde das Geschäft, weil die Gesellschaft im Januar 2019 eine ähnliche Vereinbarung mit dem Henkel-Konzern getroffen hatte, wie Knoll ausführte. Allerdings stemmt die DFV die Verträge für die Chemie- und Pharmabranche nicht allein, sondern ist nur zu 35 % daran beteiligt. Weitere Partner sind die R+V mit 45 % und die Barmenia mit 20 %. Für das Geschäft seien 2020 “erhebliche” Investitionen notwendig, denen vorerst keine Erträge gegenüberstünden, heißt es im Geschäftsbericht. “Schamlos kopiert”Weiterer Kostentreiber ist der Vertrieb. Der Versicherer hat das Geschäft so ausgesteuert, dass die Zielwerte von 100 000 neuen Verträgen und eines Neugeschäftsbeitrags von 30 Mill. Euro nahezu exakt getroffen wurden. Im laufenden Jahr sind “erneut bis zu 100 000 Neuabschlüsse” geplant. Mit zunehmendem Bestand rechne sich das Geschäft, sagte Knoll. Weil zugleich aber auch Kunden absprangen, stieg der Bestand 2019 netto nur um 59 140.Das Geschäft wird von der Krankenversicherung und dabei vor allem von Zahnzusatzverträgen getragen. Die Stiftung Warentest habe die Zahnzusatzversicherung des Anbieters zum Testsieger gekürt. Andere Konkurrenten hätten das Produkt bereits “schamlos kopiert”, sagte Knoll. Weitere Verträge wie die Haftpflicht und die neue Tierkrankenversicherung trugen nur geringfügig zum Neugeschäft bei. Die Wohngebäudeversicherung wurde bereits abgestoßen, aus der Sparte Elektronik zieht sich das Unternehmen zurück. Insgesamt weist der Versicherer per Jahresende 514 104 Verträge aus. Das Bruttobeitragsvolumen erreichte 2019 rund 90,9 Mill. Euro nach zuvor 66,5 Mill. Euro.Über die Folgen der Coronakrise für Wirtschaft und Gesellschaft zeigte sich Knoll besorgt, das Geschäft der Familienversicherung sei bisher jedoch kaum betroffen. Der Vertrieb zeige “keinerlei Eintrübungen”, der Fokus auf den Online-Kanal bewähre sich. Die Kapitalanlage sackte jedoch seit Jahresbeginn von 122 Mill. auf 111 Mill. Euro ab. Die Barmittel hat die Firma seither drastisch von knapp 4 Mill. auf 27 Mill. Euro erhöht.