Hohe Altlasten werfen Lloyds zurück
Hohe Altlasten werfen Lloyds zurück
bet London – Seit Jahren wird die Lloyds Banking Group von den Sünden ihrer Vergangenheit gejagt. Zum Abschluss hat es sie noch einmal richtig erwischt. Eine Rückstellung für Schadenersatzzahlungen verhagelte Großbritanniens größter inländisch orientierter Bank das Ergebnis für 2019 und ließ den Vorsteuergewinn auf 4,4 Mrd. Pfund (5,3 Mrd. Euro) und damit um 26 % im Vergleich zum Jahr 2018 sinken.Hauptverantwortlich war eine Rückstellung für Kompensationen wegen unnötig verkaufter Restschuldversicherungen, die mit fast 2,5 Mrd. Pfund zu Buche schlug. Die Höhe fiel allerdings nicht überraschend aus, weshalb das Jahresergebnis nur knapp unter den Konsenserwartungen gelandet ist. Britische Banken hatten die berüchtigten Payment Protection Insurances (PPI), mit denen Kunden sich gegen einen Zahlungsausfall absichern konnten, über Jahrzehnte im großen Stil vertrieben, obgleich sie oftmals keinen Sinn ergaben. Als größter Kreditgeber an Privatklienten muss Lloyds auch die höchsten Kompensationen leisten – insgesamt legte das Institut über die Jahre rund 22 Mrd. Pfund zurück. Weil die Meldefrist im vergangenen August ablief, machten im vergangenen Jahr besonders viele Kunden Ansprüche geltend. Im Jahr 2018 hatte Lloyds nur 750 Mill. Pfund zurückstellen müssen. Der Strom an Schadenersatzzahlungen dürfte nun abebben.Vor diesem Hintergrund stellt Lloyds-Chef Antonio Horta-Osorio in Aussicht, die materielle Eigenkapitalrendite (Rote) im laufenden Jahr wieder auf 12 % bis 13 % steigern zu können, nachdem sie im Jahr 2019 durch die PPI-Belastung auf unter 8 % gesunken ist.Allerdings bleiben die ungewissen britischen Konjunkturaussichten nicht ohne Folgen: Ursprünglich hatte Lloyds ein Renditeziel von bis zu 15 % angepeilt. Bereits die Royal Bank of Scotland (RBS) sah sich in der vergangenen Woche gezwungen, ihre Renditeziele zurückzunehmen. Die Kombination aus Niedrigzinsumfeld, hohem Wettbewerb am Hypothekenmarkt und Unsicherheit mit Blick auf das künftige Handelsverhältnis zur EU gibt für Euphorie wenig Anlass.Horta-Osorio sieht allerdings Grund für zumindest vorsichtigen Optimismus. Beim Brexit gebe es zumindest ein besseres Gefühl, in welche Richtung sich die Lage entwickele. Zwar blieb im vierten Quartal 2019, als die britische Wirtschaftsleistung stagnierte, auch Lloyds Vorsteuergewinn mit 1,5 Mrd. Pfund unter den Erwartungen. Doch der Ausblick etwa zur Zinsmarge und zur Kostenentwicklung bestärkte Analysten darin, dass die Bank recht widerstandsfähig aufgestellt ist. Horta-Osorio muss derweil wegen der hohen PPI-Rechnung auf seinen Bonus verzichten.