Buy-out für 13,6 Milliarden Dollar

HSBC will Hang Seng Bank von der Börse nehmen

HSBC will die Hongkong-Tochter Hang Seng Bank für 13,6 Mrd. Dollar von der Börse nehmen. Anleger sind nicht begeistert.

HSBC will Hang Seng Bank von der Börse nehmen

HSBC nimmt Hang Seng Bank von der Börse

Großbank kündigt neunmonatige Pause bei Aktienrückkäufen an – Negative Kursreaktion in Hongkong und London

hip London

HSBC will die gut 36% an der Hongkonger Hang Seng Bank erwerben, die der britischen Großbank noch nicht gehören. Die 13,6 Mrd. Dollar schwere Transaktion soll sich positiv auf das Ergebnis von HSBC auswirken. Die Aktionäre werden drei Quartale ohne Aktienrückkäufe verschmerzen müssen, um die Kernkapitalquote zu schonen.

HSBC bietet den Minderheitsaktionären der Hang Seng Bank 155 Hongkong-Dollar in bar, um sich das Institut komplett einzuverleiben. Zudem erhalten sie noch die Dividende für das dritte Quartal. Bislang liegen 63,3% bei der britischen Großbank, die den Großteil ihres Geschäfts in Schwellenländern macht. Das mit dem Delisting von Hang Seng verbundene Vorhaben würde mit 13,6 Mrd. Dollar zu Buche schlagen.

Das Management rechnet mit einem positiven Effekt auf das Ergebnis pro Aktie. Schließlich müsste kein Gewinn mehr an die Minderheitsaktionäre abgeführt werden. Weitere finanzielle Einzelheiten dazu wurden nicht genannt. Der UBS-Bankenanalyst Jason Napier nannte das HSBC-Angebot dennoch einen „positiven strategischen Schritt“.

Es sei richtig, sich mehr Zugang zum hochrentablen Geschäft auf dem Hongkonger Markt zu verschaffen und die Komplexität der Gruppe zu verringern. Die Anteilseigner müssen sich allerdings darauf einstellen, dass HSBC die Aktienrückkäufe für drei Quartale aussetzen wird, um die Kernkapitalquote zu reparieren. Denn das Institut rechnet mit einer Belastung von 125 Basispunkten. Danach soll sich die Kernkapitalquote wieder innerhalb der Zielspanne von 14,0% bis 14,5% bewegen.

Investoren fürchten Gewinnverwässerung

Die Nachricht belastete die HSBC-Aktie bereits im Hongkonger Handel. Auch die Kursreaktion in London war am Morgen negativ. Weil den Hang-Seng-Aktionären eine Prämie von fast 30% auf den bisherigen Börsenwert winkt, fürchteten einige Investoren eine Verwässerung des Gewinns, sagte Steve Clayton, Head of Equity Funds bei Hargreaves Lansdown.

Zweifel an der Transaktion

Der Bankenanalyst Edward Firth von Keefe, Bruyette & Woods hält die Auswirkungen der Transaktion auf den bereinigten Gewinn pro Aktie von HSBC für vergleichsweise moderat. „Uns fällt schwer, zu erkennen, wie der Herauskauf von Minderheitsaktien zu einem für 2027 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von mindestens 15 ohne offensichtliche Synergien im Vergleich zum Rückkauf eigener Aktien zu einem KGV von 9,1 positiv sein soll“, schrieb er in einer ersten Einschätzung.

Der gebotene Preis entspreche etwa 8% des Börsenwerts der HSBC für einen positiven Gewinnbeitrag von lediglich rund 4%. „Wir stellen die Logik der Transaktion deshalb in Frage“, schrieb Firth. Allerdings lägen etwa 50% des 32 Mrd. Dollar schweren Hongkonger Gewerbeimmobilien-Exposures der Gruppe bei Hang Seng. Der Buy-out könne dem Institut die Kontrolle über den Umgang damit sichern. In der chinesischen Sonderwirtschaftszone werden nach schmerzhaften Bewertungsverlusten erste Anzeichen einer Erholung des Markts ausgemacht.

Hongkong als „Super-Konnektor“

„Unser Angebot stellt ein wesentliche Investition in die Hongkonger Wirtschaft dar, die unser Vertrauen in diesen Markt und unser Engagement für seine Zukunft als weltweites globales Finanzzentrum unterstreicht“, sagte HSBC-Chef Georges Elhedery. Er bezeichnete die ehemalige Kronkolonie dabei als „Super-Konnektor“ zwischen den internationalen Märkten und der Volksrepublik. Die Dividendenpolitik der Bank bleibt von der Transaktion unberührt. Sie will 2025 auch weiterhin 50% des bereinigten Ergebnisses ausschütten.

„Wir nehmen an, dass HSBC gute Gründe dafür hat, keine wesentlichen regulatorischen Hindernisse zu erwarten“, schrieb der UBS-Analyst Napier. „HSBC kennt das Unternehmen und den Markt, und es gibt wesentliche Überlappungen.“ Die kurzfristig anstehenden Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen auf Problemkredite würden zwar nicht näher spezifiziert. Der Schritt erlaube dem Institut aber, Effizienz und Wettbewerbsposition von Hang Seng zu verbessern.

HSBC lässt sich bei der Transaktion von Bank of America und Goldman Sachs beraten. Hang Seng Bank steht Morgan Stanley zur Seite.