HSH richtet den Blick ins Ausland

Bank will nach Eigentümerwechsel leichter expandieren - Energie-Bereich hofft auf Beratungsmandate

HSH richtet den Blick ins Ausland

Die HSH Nordbank würde im Geschäft mit Kunden im Bereich der erneuerbaren Energien künftig gern leichter in neue Märkte expandieren. Bei der Konsolidierung in dem Sektor wünscht sich das Institut zudem mehr M & A-Beratungsmandate. Für frischen Wind soll der Verkauf der Landesbank sorgen.Von Carsten Steevens, HamburgNoch ist unklar, ob der von der EU-Kommission bis Ende Februar geforderte Verkauf der HSH Nordbank durch die Ländereigner Hamburg und Schleswig-Holstein gelingen wird. Das Bieterverfahren befindet sich auf der Zielgeraden, als Favoriten gelten die Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers, die im Konsortium auftreten. Über die Bedingungen wird noch verhandelt. Bei einem Scheitern müsste die Landesbank, die 2009 nur dank Kapital- und Garantiehilfen der Länder von insgesamt 13 Mrd. Euro überlebte, abgewickelt werden. Doch die Zuversicht in dem Institut ist in den vergangenen Monaten gewachsen.Dass das Neugeschäft in Kürze eingestellt werden könnte, ist ein Szenario, das offenbar weit in den Hintergrund gerückt ist. In den Unternehmensbereichen geht der Blick schon weit über den Termin am 28. Februar hinaus – auch wenn noch offen ist, welche Ideen der künftige Eigentümer mitbringt. So legte die Bank gestern offen, dass sie in ihrem Geschäftsfeld Energie & Versorger 2018 aus heutiger Sicht mit rund 1,1 Mrd. Euro ein Neugeschäftsvolumen auf dem Niveau des vergangenen Jahres erwartet. Lars Quandel, Leiter Energie & Infrastruktur bei der HSH, verwies auf eine gut gefüllte Deal-Pipeline. In der Geschäftsanbahnung befänden sich aktuell mehr als 60 Projekte mit einem Volumen von mehr als 2 Mrd. Euro. Die HSH habe in dem Geschäftsfeld, das in der Kernbank zum Segment Unternehmenskunden gehört, eine gute Ausgangsbasis für dieses Jahr. “Handlungs- und lieferfähig”Von der Diskussion über die Zukunft der Landesbank im Zuge des Verkaufsverfahrens habe man sich “ein Stück weit abkoppeln” können, erklärte Quandel. “Wir sind handlungs- und lieferfähig.” 2017 wurden mit knapp 50 Transaktionen im Geschäftsfeld Energie & Versorger so viele Geschäftsabschlüsse wie noch nie finanziert. Das Neugeschäft mit einem im Vorjahresvergleich nahezu unveränderten Gesamtvolumen von gut 1,1 Mrd. Euro entfällt zu 950 Mill. Euro auf rund 40 Projektfinanzierungen und zu 162 Mill. Euro auf zehn Unternehmensfinanzierungen für Hersteller, Projektentwickler, Stadtwerke und Versorger.Die HSH, die im Geschäft mit Kunden im Bereich Erneuerbare Energien Deutschland, Finnland, Frankreich und Irland als Stammmärkte bezeichnet, gewann 2017 zehn Neukunden – ein Vertrauensbeweis für die Bank, die sich in Europa zu den fünf führenden Finanzierern in dem Bereich zählt. Das Bestandskreditvolumen im Segment Energie & Versorger beläuft sich nach Institutsangaben derzeit inklusive Firmenkundenkredite auf gut 5 Mrd. Euro und umfasst rund 240 Projekte.Deutschland, im vergangenen Jahr mit einem Zubauvolumen inklusive Anlagen auf See (Offshore) von über 5 Gigawatt nach wie vor der Leitmarkt in Europa, war für die HSH mit 300 Mill. Euro Neugeschäft in der Projektfinanzierung erneut der stärkste Einzelmarkt – gefolgt von Irland mit 160 Mill. Euro. Doch richtet die Bank ihren Blick mehr und mehr über den deutschen Markt hinaus, wo Teilnehmer durch das politische Umfeld nach der dritten Ausschreibungsauktion für das Windgeschäft an Land (Onshore) weiterhin verunsichert seien. Für einen Schlüssel zu weiterem Wachstum hält die Bank die Begleitung deutscher Kunden ins Ausland, auch mit exportkreditversicherten Finanzierungen.”Wachstumsmärkte bleiben für uns Skandinavien und Irland”, sagte Quandel. Zu den bedeutendsten Abschlüssen 2017 gehörte die Finanzierung des bis dato größten europäischen Windparks “North Pole” in Nordschweden mit einer Gesamtkapazität von 650 Megawatt – die HSH war hier Teil eines Konsortiums. 2018 stehe der weitere Ausbau der Geschäfte in den neu erschlossenen Märkten Portugal und den Niederlanden auf der Agenda. In Kanada und den USA sollen erste Projekte umgesetzt werden.Mit Blick auf den Eigentümerwechsel sagte Quandel, es wäre wünschenswert, wenn sich der Schritt in neue Märkte für die bislang im Wesentlichen auf Deutschland beschränkte Bank künftig leichter umsetzen ließe. Intensivieren würde das Institut das Beratungsgeschäft im M & A-Bereich. Die zunehmende Konsolidierung im Bereich der erneuerbaren Energien wolle man gern begleiten, so Quandel. 2017 war die HSH an keinem Deal beteiligt.