Hyundai greift nach Sixt Leasing

Großaktionär Sixt verhandelt über Anteilsverkauf - Bieter bewertet das Unternehmen mit 370 Mill. Euro

Hyundai greift nach Sixt Leasing

Der südkoreanische Autohersteller Hyundai will über ein Joint Venture mit der spanischen Großbank Banco Santander den Flottenleasing-Anbieter Sixt Leasing mehrheitlich übernehmen. Dazu muss der Bieter den Großaktionär Sixt herauskaufen. Dem Autovermieter winkt ein Erlös von mindestens 156 Mill. Euro. sck München – Fast fünf Jahre nach ihrem Börsengang steht Sixt Leasing vor einer umfassenden Änderung ihrer Eigentümerstruktur. Das Unternehmen teilte ad hoc mit, dass der Großaktionär Sixt über einen Verkauf seiner Anteile mit der Hyundai Capital Bank Europe verhandelt. Das Institut ist ein Gemeinschaftsunternehmen einer Tochter des gleichnamigen südkoreanischen Autoherstellers (Hyundai Capital Services) und der Santander Consumer Bank AG.”Der vorgesehene Veräußerungspreis beträgt 18 Euro je Aktie an der Sixt Leasing SE zuzüglich der Dividende (. . .) für das Geschäftsjahr 2019″, schreibt das Unternehmen. Der Autovermieter hält noch 41,9 % des Grundkapitals. Auf Basis des Angebots würde Sixt 156 Mill. Euro (ohne Dividende) für ihre Beteiligung erlösen. Das Grundkapital von Sixt Leasing ist eingeteilt in 20,6 Millionen Anteilscheine. Der Bieter bewertet das gesamte Unternehmen auf Basis der geplanten Offerte mit 370 Mill. Euro.Einigen sich beide Seiten auf das Geschäft, steht die Hyundai-Allianz vor der mehrheitlichen Übernahme der einstigen Leasingtochter von Sixt. “Nach Kenntnis des Vorstandes (. . .) erwägt die Hyundai Capital Bank Europe (. . .) ebenfalls, ein begleitendes freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die übrigen Aktien (. . .) abzugeben”, ergänzte Sixt Leasing. Eine abschließende Entscheidung über einen Verkauf der Beteiligung sei aber noch nicht getroffen worden. Aktie springtDie Anleger reagierten auf die Nachricht euphorisch. Die Aktie von Sixt Leasing sprang in der Spitze um 27 % und beendete den Xetra-Handel bei 17,88 Euro (+24,2 %). Der Streubesitzanteil beträgt über 39 %. Zu Sixt gesellen sich einige Investmenthäuser als Großaktionäre mit einer Beteiligung von jeweils über 5 %.Ein Branchenkenner zeigte sich von der Entwicklung überrascht, denn Sixt Leasing könne sich mit diesem Schritt zu stark von Hyundai abhängig machen und damit bislang vorteilhafte Bedingungen beim Einkauf preisgeben.Allerdings standen die Zeichen zwischen Sixt – die das SDax-Mitglied in ihrer Bilanz konsolidiert – und dieser Beteiligung auf Trennung. Im Sommer 2018 hatte Sixt Leasing die letzte Rate für einen Kredit des früheren Mutterkonzerns mit Sitz in Pullach bei München getilgt. Zum Börsengang im Mai 2015 hatte Sixt ihrer Leasingeinheit ein Darlehen von insgesamt 750 Mill. Euro gewährt. Doch die mit dem Börsengang verbundene Hoffnung von Sixt-Vorstandschef und Großaktionär Erich Sixt, dass Sixt Leasing erfolgreich durchstartet, erfüllte sich nicht. NiedergangDas Papier fiel rasch unter seinen Ausgabepreis von 20 Euro. Von Mitte 2018 bis zum Spätsommer 2019 verzeichnete der Titel einen Kurseinbruch. Im September stürzte die Aktie auf bis zu 9,36 Euro ab. Das markierte einen Tiefpunkt.Die Gründe für diesen Niedergang sind vielfältig. Eine Serie von Gewinnwarnungen, gesenkte mittelfristige Ziele und mehrere Wechsel an der Unternehmensspitze sorgten dafür, dass Anleger dem Unternehmen den Rücken kehrten. Im Oktober kürzte der seit Anfang 2019 amtierende Vorstandschef Michael Martin Ruhl seine Jahresprognose (vgl. BZ vom 24.10.2019). Das Unternehmen begründete dies damit, dass die Erlöse aus der Vermarktung von Fahrzeugrückkäufen “schwächer als erwartet” ausfielen.