PERSONEN

Im Haifischbecken der HSBC

Von Andreas Hippin, London Börsen-Zeitung, 25.2.2020 Noel Quinn wird sich nicht erst seit gestern fragen, welche Rolle ihm HSBC-Chairman Mark Tucker zugedacht hat. Eigentlich würde der Übergangschef das Institut gerne auf Dauer führen. Allerdings...

Im Haifischbecken der HSBC

Von Andreas Hippin, LondonNoel Quinn wird sich nicht erst seit gestern fragen, welche Rolle ihm HSBC-Chairman Mark Tucker zugedacht hat. Eigentlich würde der Übergangschef das Institut gerne auf Dauer führen. Allerdings hat den ehemaligen Chef der Sparte Global Commercial Banking bislang niemand darum gebeten.Ob Jean Pierre Mustier, der Chef von Unicredit, gefragt worden ist, ist nicht bekannt. Er wurde jedoch als heißer externer Kandidat für die Nachfolge von John Flint genannt, der im Sommer vergangenen Jahres abrupt verabschiedet worden war. Die italienische Bank sah sich gestern zu der Mitteilung genötigt, dass Mustier bleiben wolle. Man könnte fast glauben, dass Mustier schon bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen vergangene Woche als neuer Chef präsentiert werden sollte, aber in letzter Minute absprang.Die HSBC-Chefetage hat sich in ein Haifischbecken verwandelt. Wer weiß, wer noch alles im Rennen ist? Als es um die Nachfolge von Flints Vorgänger Stuart Gulliver ging, wurde António Horta-Osório, der Chef der Lloyds Banking Group, schon als möglicher HSBC-Chef gehandelt. Auch Tidjane Thiam und Stephen Hester vom britischen Versicherer RSA galten schon als Kandidaten.Doch wer von den Superstars wollte sich das schon antun? Der britische EU-Austritt und die Auswirkungen der Covid-19-Epidemie in China gehören noch zu den kleineren Problemen, mit denen HSBC zu kämpfen hat. Dem Institut stehen tiefe Einschnitte ins Haus. Weder das Niedrigzinsumfeld noch die schwächelnde Weltwirtschaft werden dazu beitragen, die Schmerzen zu lindern.Die Bank tut sich schwer mit dem Abschied von der Weltbühne. Quinn hat die nötigen Schritte eingeleitet. In der Zentrale im Londoner Finanzviertel Canary Wharf mag das nicht gut ankommen. Doch Quinn hat nun die Chance, nicht lediglich als Vollstrecker unpopulärer Maßnahmen in die Geschichte einzugehen. Würde er Tucker glaubhaft mit seinem Rücktritt drohen, könnte er den Chefposten nach dem Mustier-Debakel recht schnell übertragen bekommen.