Immobilienmarkt im Rückwärtsgang

Pfandbriefbank prognostiziert Einbruch der Bewertungen - Neugeschäft stabil

Immobilienmarkt im Rückwärtsgang

mic München – Die Deutsche Pfandbriefbank prognostiziert einen deutlichen Einbruch der Bewertungen in dem Portfolio ihrer gewerblichen Immobilienfinanzierungen. “Wir erwarten über alle Märkte bis zum Jahresende 2020 einen Rückgang der Immobilienwerte von bis zu 20 %”, sagte Vorstandsvorsitzender Andreas Arndt bei Vorlage der Quartalszahlen (siehe Grafik).Je nach Szenario und Immobilientyp können die Preise aus Sicht der Pfandbriefbank infolge der Covid-19-Pandemie auch im Jahr 2021 sinken. Demnach wird im besten Fall im Jahr 2023 das Bewertungsniveau des Jahres 2019 nahezu erreicht. Bei einem schlechteren Verlauf könnten die Gewerbeimmobilien jedoch auf einem Niveau von 83 % des Niveaus von 2019 verharren. “Pipeline relativ gut gefüllt”Die Pfandbriefbank sieht sich für diese Marktphase jedoch gut gerüstet. “Eher unerwarteterweise ist die Pipeline immer noch relativ gut gefüllt”, sagte Arndt. Man sehe zwar ein Abschmelzen der verfügbaren Transaktionen im April. Es gebe aber genügend Interessenten, die versuchten, ihr Geld anzulegen.Die Pfandbriefbank meldete im ersten Quartal einen Rückgang des Neugeschäfts von 2,0 Mrd. Euro auf 1,7 Mrd. Euro. Dies sei das erwartete Niveau und nicht spürbar durch die Pandemie beeinflusst, sagte Arndt. Künftig werde die Pfandbriefbank allerdings Hotelentwicklungen, wenn überhaupt, nur noch unter verschärften Auflagen finanzieren. Einzelhandelsimmobilien, die seit Jahren unter Druck stehen, sind ebenfalls betroffen: “Die Viruspandemie wirkt wie ein Katalysator.”Arndt erklärte zudem, dass der Wettbewerb in der Krise zurückgehe: “Es gibt weniger Spieler im Markt.” Im Gegensatz zu anderen Häusern verfüge die Pfandbriefbank über signifikante Kapitalpolster. Ende März betrug die harte Kernkapitalquote (CET 1) 16,3 % nach 15,9 % Ende Dezember.Auch die Liquiditätsposition bleibe sehr robust, betonte Arndt. Mit einem neuen Refinanzierungsvolumen von 1,9 (i.V. 2,7) Mrd. Euro sei die Pfandbriefbank bis weit ins zweite Halbjahr hinein abgedeckt. Die Emissionen seien hauptsächlich im Januar und Februar und somit vor höheren Ausgabeaufschlägen getätigt worden. Marge steigt starkDer Vorstandschef geht davon aus, dass die Margen der Pfandbriefbank in der Krise höher als zuletzt sein werden. Bereits im ersten Quartal legten sie von 130 Basispunkten im Vorjahresquartal auf mehr als 170 Basispunkte zu. Er gehe davon aus, dass sie im Gesamtjahr über 170 Basispunkten liegen werden, sagte Arndt: “Alles andere wäre unnormal und nicht mehr akzeptabel.” Denn in einer Krise seien Transaktionen mit höheren Risiken behaftet. Im Vorjahr hatte die Bank 155 Punkte erreicht.Eine neue Prognose legte die Pfandbriefbank, die ihr Jahresziel Anfang Mai gestrichen hatte (vgl. BZ vom 5. Mai), nicht vor. Arndt betonte jedoch, die Bank traue sich “auch für 2020 insgesamt eine gute operative Entwicklung zu”. Die Volkswirte erwarteten in Europa eine starke Erholung im zweiten Halbjahr. Obwohl die Pfandbriefbank ebenfalls einen V-förmigen Konjunkturverlauf unterstelle, gehe man von einer weiteren Anpassung der Risikovorsorge im zweiten Quartal aus. Mehr RisikovorsorgeIm ersten Quartal sank der Gewinn vor Steuern von 48 Mill. auf 2 Mill. Euro, weil die Kreditrisikovorsorge von 1 Mill. auf 34 Mill. Euro stieg (siehe Tabelle). Davon seien 32 Mill. Euro pauschale Wertberichtigungen, die nicht konkret auf einen notleidenden Immobilienkredit bezogen sind, erklärte die Pfandbriefbank. Diese seien unmittelbar auf Effekte durch die Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Da bereits vor zwölf Monaten mit dem Aufbau pauschaler Risikovorsorge begonnen worden sei, betrage der Bestand nun weit mehr als 100 Mill. Euro, erläuterte der Vorstandsvorsitzende.