Italiens Banken sind besonders gefährdet
Italiens Banken sind besonders gefährdet
bl Mailand – Italiens Banken gehören zu den am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Instituten. Ihr Börsenwert ist in den letzten drei Wochen um 40 % gefallen. Die EZB befürchtet Kreditausfälle von bis zu 250 Mrd. Euro. Andrea Enria, Chef des europäischen Bankenaufsichtsmechanismus SSM hat sich bereit erklärt, bei der Umsetzung von Vorschriften flexibel zu sein.Nach Ansicht der Ratingagentur Moody’s könnten die Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo, sowie Institute mit qualitativ guten Assets wie Mediobanca auch hohe Kreditausfälle verdauen. Probleme könnten mittelgroße Banken wie die Mailänder BPM und Bper bekommen. Das gilt auch für die Monte dei Paschi di Siena (MPS), die sich zuletzt auf dem Weg der Besserung befand und privatisiert werden sollte. Das dürfte kaum noch realistisch sein.Italiens Banken haben ihre ausfallgefährdeten Kredite seit 2015 von 197 auf unter 80 Mrd. Euro reduziert. Der weitere Abbau dürfte nun gestoppt sein. Noch immer haben die Institute des Landes aber im Durchschnitt 7,3 % ausfallgefährdete Kredite in den Bilanzen stehen. Der Anteil ist mehr als doppelt so hoch wie im Rest der Eurozone.Zur Fragilität des Bankensystems tragen auch die in den letzten Monaten mit Hilfe des Einlagensicherungsfonds Fitd der Privatbanken und des Staates geretteten Banken Carige und Volksbank von Bari bei. Vor allem bei letzterer ist die Rettungsaktion noch längst nicht in trockenen Tüchern.Außerdem haben die italienischen Banken Staatsanleihen von 400 Mrd. Euro in ihren Bilanzen stehen. Durch den starken Spread-Anstieg gerät ihre Eigenkapitalquote deutlich unter Druck.