CITI INNOVATION LAB TEL AVIV

Jeder Zehnte arbeitet im Technologiebereich

Tel Aviv positioniert sich als "globales Innovationszentrum" - Militäreinheit "Unit 8 200" als Nukleus kreativer Ideen

Jeder Zehnte arbeitet im Technologiebereich

kb Tel Aviv – Tel Aviv vibriert vor Innovationskraft. Auf jeden 290. der insgesamt 438 000 Einwohner der israelischen Stadt am Mittelmeer kommt ein Start-up. Es ist damit weltweit die Stadt mit den meisten Start-ups je Einwohner.”Allein Tel Aviv verzeichnet derzeit 1 700 Start-ups, im Einzugsbereich sind es schon 3 700 und in ganz Israel 5 850″, sagt Eytan Schwartz, der als Leiter der städtischen Initiative Tel Aviv Global die Stadt als “globales Zentrum für Business, Technologie und Innovation” positioniert. Jung und viel SonneUnd die Stadt ist jung: 28 % der Einwohner sind zwischen 18 und 34 Jahre alt. Diese werden nicht nur durch die 318 Tage Sonne im Jahr (San Francisco 160, New York 107 Tage) und die 1 750 Bars angelockt, in denen Cocktails und Champagner in Strömen fließen, sondern insbesondere durch die Hightech-Industrie, sagt Schwartz, der als gebürtiger New Yorker Parallelen zur “City that never sleeps”, der rastlosen Metropole, zieht.Jeder zehnte Einwohner Tel Avivs arbeite im Technologiebereich. Inzwischen beklagt Schwartz sogar eine Knappheit an Hightech-Talenten, denn Nichtisraeli erhalten in der Regel keine Arbeitserlaubnis in Bereichen wie diesem. Multinationale KonzerneAber der Bedarf ist offenbar hoch, wie nicht nur die zahlreichen aus dem Boden schießenden neuen Bürohochhäuser, sondern auch die Vielzahl der Forschungs- und Entwicklungszentren (Research & Development, R & D) multinationaler Konzerne belegen. Die großen Internet- und Tech-Giganten wie Google, Facebook, Apple bis hin zu Paypal, Ebay und Amazon, Samsung und LG sind ebenso mit R & D in Tel Aviv vertreten wie Siemens und die Deutsche Telekom, wie Finanzinstitute (Visa, Barclays) oder Autokonzerne (Renault). Die Anzahl der ausländischen Forschungs- und Entwicklungszentren hat sich laut Schwartz in den vergangenen vier Jahren auf 73 verdoppelt. Ehemalige SoldatenDieses kreative Umfeld erweist sich als ein Nährboden, um neue Unternehmen zu gründen. Der Nukleus der kreativen Ideen, die zu vielen Start-ups führen, liegt aber woanders. Es ist die “Unit 8 200”, die “Einheit Acht Zweihundert” für Nachrichtendienst und elektronische Aufklärung der israelischen Streitkräfte. Die hoch spezialisierte Einheit, die als einer der weltweit effizientesten Nachrichtendienste gilt, rekrutiert ausgewählte junge Schulabsolventen, die sich meist schon während ihrer Schulzeit dezidiertes Computerwissen bis hin zu Hackerkenntnissen angeeignet haben. Diese jungen Menschen werden zudem aufgrund ihrer Fähigkeiten, sich selbst etwas beizubringen, sowie ihrer extrem schnellen Auffassungsgabe ausgewählt. Medienberichten zufolge soll die Einheit den Computerwurm Stuxnet entwickelt haben, der 2010 Industrieanlagen, darunter die Steuerungseinheiten der Zentrifugen der Uran-Anreicherung des iranischen Atomprogramms, lahmgelegt hat.Ehemalige Soldaten der Spezialeinheit haben bereits mehr als zwei Dutzend Unternehmen gegründet, darunter die auf IT-Sicherheit, also die Abwehr von Cyber Crime und Hackerangriffen spezialisierte Check Point Software Technologies. Das vor 24 Jahren in Israel gegründete, an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq notierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 17 Mrd. Dollar und fast 4 000 Mitarbeitern weist per Ende September 2017 bei einer Bilanzsumme von 5,3 Mrd. Dollar Umsatzerlöse für die ersten neun Monate dieses Jahres von 1,3 Mrd. Dollar und einen Gewinn von 563 Mill. Dollar aus.Schwartz von Tel Aviv Global weist aber noch auf einen “geheimen Erfolgsfaktor” für den Tech-Aufschwung in Israel hin. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hätten viele Menschen das Land verlassen und sich in Israel angesiedelt.Inzwischen seien eine Million der rund fünf Millionen Israelis ehemalige sowjetische Staatsbürger, die bestens ausgebildet und hoch motiviert seien.Eine wichtige Voraussetzung für die Ansiedlung von Start-ups sei aber durch ein spezielles staatliches Programm mit Steuererleichterungen geschaffen worden, wonach junge Unternehmen nur die Hälfte des üblichen Steuersatzes entrichten müssen. Das Programm sei leider gerade ausgelaufen, bedauert Schwartz, der offen auch einige Probleme durch den ganzen Hype anspricht. Knappheit an TalentenAngefangen bei der Knappheit an Talenten gepaart mit der strikten Immigrations- und Arbeitspolitik, hohen Gehältern und hohen Lebenskosten reichten die Herausforderungen bis hin zum dadurch entstehenden sozialen Gefälle oder zu der Abwanderung der Leistungsträger (Brain Drain). Darunter dürften auch etliche zum Millionär gewordene ehemalige Start-up-Gründer sein.