J.P. Morgan Chase kündigt offensive Zukäufe an
J.P. Morgan Chase kündigt offensive Zukäufe an
lee Frankfurt – Nach einem Jahr der Rekorde bei J.P. Morgan Chase versucht Bankchef Jamie Dimon, die Anleger für seine Sicht der Zukunft zu gewinnen. Auf dem Investorentag in New York kündigte er an, die größte US-Bank noch größer zu machen. Wegen der zunehmenden Konkurrenz aus dem Technologiesektor schaue er sich in allen Geschäftsbereichen offensiv nach Übernahmezielen um, so Dimon. Das Geldhaus könnte so ungefähr alles kaufen, “bis auf eine andere US-Bank”.”Die Konkurrenz von Apple, Amazon, Facebook, Google, Wechat, Alipay wird in irgendeiner Form kommen”, so Dimon. Das könne über den Zahlungsverkehr, über White-Label-Lösungen oder durch die Etablierung neuer Marken und Marktplätze geschehen. Um sich dieser Welt zu stellen, sollte J.P. Morgan Chase mit Blick auf Übernahmen und Fusionen “sehr, sehr kreativ” sein.Unterstützt sieht Dimon sich dabei von den US-Aufsichtsbehörden, denen er eine veränderte Haltung attestiert: “Jetzt geben sie eher grünes Licht.” Das eröffne die Möglichkeit, etwas ehrgeiziger und aggressiver mit dem Einsatz von Kapital bei Akquisitionen umzugehen.Zugleich versucht Dimon, bei den Anlegern in Sachen Nachhaltigkeit zu punkten. Anfang der Woche wurde bereits bekannt, dass der Finanzkonzern Kohlekraftwerke künftig nur noch finanzieren wird, wenn diese mit klimafreundlicher Technologie zur Abscheidung und Speicherung von CO2 ausgestattet sind. Neue Öl- und Gasförderprojekte in der Arktis schließt die Bank als Finanzierungsvorhaben künftig ganz aus. UN-Ziele als MaßstabDas kommt durchaus einer Kehrtwende gleich, denn seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens hat J.P. Morgan Chase laut Medienberichten insgesamt rund 75 Mrd. Dollar für die Finanzierung von Öl- und Gasförderprojekten in der Arktis und nicht minder umstrittene Frackingvorhaben bereitgestellt.Zugleich wächst aber auch das Volumen ökologischer Finanzierungsvorhaben. Das 2017 in Aussicht gestellte Ziel, kumuliert 200 Mrd. Dollar für “grüne” Finanzierungen bereitzustellen, wird J.P. Morgan Chase den Angaben zufolge bis Jahresende erreichen. Auf dem Investorentag legte Dimon für die wachsende Zahl nachhaltig orientierter Investoren noch eine Schippe nach: Im laufenden Jahr werde J.P. Morgan Chase 200 Mrd. Dollar für nachhaltige Finanzierungsvorhaben bereitstellen. 2019 waren es noch rund 175 Mrd. Dollar gewesen.Dabei orientiert sich das Institut an den Zielen der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung. Das Geld soll demnach nicht nur in ökologisch vorteilhafte Projekte fließen, sondern auch in Vorhaben, die sozialen Kriterien gerecht werden, indem sie die Bildung, das Wohnungswesen und die Gesundheitssysteme sowie die wirtschaftliche Entwicklung fördern.Die Anleger reagierten wenig euphorisch auf die Ankündigungen. Der Abschlag von mehr als 4 % am Investorentag mag der durch Pandemieängste getrübten Marktstimmung geschuldet sein oder der Tatsache, dass Dimon sein Bestes gab, um die Renditeerwartungen zu dämpfen. Das abgelaufene Jahr sei wegen der ungewöhnlich niedrigen Finanzierungskosten ein besonderes gewesen. 2020 dürfte schwieriger werden.