Jugend strebt nach Jobsicherheit
Jugend strebt nach Jobsicherheit
Weder Gehaltshöhe noch Standort oder Art des Berufs spielen für die Studenten der Mailänder Cattolica-Universität die erste Rolle. Der allgemeine Wunsch geht nach einem “unbefristeten” Arbeitsvertrag. Zeitverträge oder gar unbezahlte Praktika werden abgelehnt. Dies geht aus einer Umfrage in dem Seminar “Deutsch als Kommunikationssprache” hervor. Die Berufsvorstellungen der 20 Seminarteilnehmer waren einheitlich: Ein sicherer Arbeitsplatz hat für 86 % der Studenten Priorität. Ob der neue Job nun bei Banken oder im Staatsdienst, in der Industrie, im Tourismus oder etwa im Modebereich liegt, ist gleichgültig. Wichtig ist einzig die Sicherheit. Während vor einem Jahr bei demselben Seminar noch die Gründung von Start-ups Priorität bei den Mailänder Studenten mit fließenden Deutschkenntnissen hatte, sind nun unbefristete Arbeitsverträge der primäre Wunsch.Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Institut Toniolo bei einer Befragung von 6 000 Jugendlichen zwischen 18 und 32 Jahren. Ein sicherer Arbeitsplatz hat Priorität. Soziologen werten dies nicht nur als Konsequenz der übermäßig hohen Jugendarbeitslosigkeit von knapp 40 %, sondern auch der allgemeinen Verunsicherung, die derzeit das Arbeitsklima beherrscht.Selbst der Standort spielt eine untergeordnete Rolle. Und dies, obwohl die Durchschnittslöhne in Italien je nach Provinz stark differieren. Die Provinz Bozen steht mit einem Durchschnittslohn der Festangestellten von 1 476 Euro monatlich an der Spitze des regionalen Gefälles. In einer vom Verband der Arbeitsberater veröffentlichten Rangliste befinden sich die zehn Provinzen mit den höchsten Durchschnittsgehältern in Norditalien, die untersten zehn mit Gehältern von 1 070 Euro monatlich im Mezzogiorno. *Banken und Versicherungen, von Allianz, über Generali bis zu Monte Paschi di Siena, betreiben Weingüter in Italien. So hat etwa Ex-Banker Alessandro Profumo (ehemals Unicredit-Chef und MPS-Präsident) in ein Weingut in Piacenza investiert. Neu ist, dass der ehemalige Schweizer Zentralbankchef und derzeitige Vizepräsident des US-Finanzinvestors BlackRock, Philipp Hildebrand, in italienischen Wein investierte. Laut Winenews hat der 53-Jährige 20 ha Anbaufläche in der Toskana, in Bibbona (Livorno), erworben. Er will dort ein neues Weinimperium inklusive Weinkellerei aufbauen. Der Önologe Riccardo Cotarella berät ihn.Hildebrand verließ 2012 die Schweizer Nationalbank, nachdem seine damalige Gattin Kashya Mahmood des Insiderhandels verdächtigt wurde. Angeblich hat sie beim Wechselkurs des Schweizer Franken zum Dollar spekuliert. Hildebrand hatte immer dementiert, dass seine Ex-Gemahlin von Insiderinformationen profitierte. Inzwischen ist der Schweizer Banker mit der russisch-schweizerischen Milliardärin Margarita Louis-Dreyfus liiert, die vor knapp einem Jahr ihre Mehrheitsanteile an dem Fußballverein Olympique de Marseille verkaufte und dafür angeblich 40 Mill. Euro kassierte. *Der neue Eigentümer des Mailänder Fußballvereins AC Milan, der chinesische Broker Yonghong Li, will kurz nach der 740 Mill. Euro schweren Übernahme des Traditionsvereins eine Anleihe begeben. Der Bond über 123 Mill. Euro soll an der Börse in Wien notieren und zur Gänze vom US-Fonds Elliott gezeichnet werden. Dieser hat mit einem Darlehen von 303 Mill. Euro dem chinesischen Investor die Übernahme des Fußballklubs ermöglicht. Yonghong Li ist zurzeit dabei, mit Milans Geschäftsführer Marco Fassone die künftige finanzielle Strategie des Fußballklubs zu bestimmen. Mitte Mai ist eine Hauptversammlung geplant, die eine Kapitalerhöhung von circa 100 Mill. Euro absegnen soll.Nicht ausgeschlossen wird der Börsengang des Klubs innerhalb der nächsten 18 Monate. Der ehemalige Regierungschef Silvio Berlusconi hatte Milan 31 Jahre lang als Präsident geführt und sich am 14. April vom Klub getrennt. Milan befindet sich mit 200 Mill. Euro Schulden nicht nur in einem finanziellen, sondern auch in einem sportlichen Tief. Der langjährige Meister der Nationalliga rangiert derzeit nur an sechster Stelle.