Kolumbianische Sura expandiert in Lateinamerika
Kolumbianische Sura expandiert in Lateinamerika
af Buenos Aires – Lateinamerika war stets ein komplexes Terrain für Versicherungen. Diese Branche, die auf wirtschaftliche Vorausschaubarkeit ebenso angewiesen ist wie auf Rechtssicherheit, hatte es in dem jungen und oftmals turbulenten Kontinent nicht einfach. Weitere Herausforderungen stellten den Versicherern die extrem ungleiche Einkommensverteilung. Auch wenn die Durchschnittseinkommen wesentlich höher sind als in anderen Schwellenländern, ist die Mehrheit der Bevölkerung nicht in der Lage, Geld zurückzulegen. Hinzu kommt die hohe Anfälligkeit für Naturkatastrophen, verbunden mit massiven Mängeln in Stadtplanung und Gebäudesicherheit. Enormes PotenzialDiesen Schwierigkeiten stehen aber erhebliche Chancen gegenüber: Der Gesamtanteil an Versicherungsprämien am Bruttoinlandsprodukt liegt in lateinamerikanischen Ländern noch immer bei lediglich 2,4 %. Gleichzeitig wächst die Mittelklasse und deren Bedürfnis, den erarbeiteten Wohlstand abzusichern. “Hier gibt es enorme Möglichkeiten”, versichert Gonzalo Pérez, der Präsident von Suramericana, der Versicherungsabteilung der Holding Sura. Und die Gruppe, beheimatet in Medellín, neben dem Versicherungssektor auch im Assetmanagement aktiv, wächst stetig. Der Sura-Vermögensverwalter legte im ersten Quartal 2017 um 8,7 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zu. Quell des Wachstums war die größte internationale Akquise, die ein kolumbianischer Konzern bislang tätigte: Im September 2015 übernahm Sura für 614 Mill. Dollar die lateinamerikanischen Aktivitäten der britischen RSA Insurance Group.Dieser Deal, der Ende 2008 bereits auf die Schiene gesetzt wurde, machte Suramericana, an der die MunichRe seit 2001 mit derzeit knapp 19 % beteiligt ist, zum fünftgrößten Versicherer in der Region mit 15,6 Millionen Versicherten. In Kolumbien ist Suramericana Marktführer mit mehr als 25 % Marktanteil. Und auf dem Kontinent ist der Konzern inzwischen in zehn Ländern vertreten, darunter in den drei wichtigsten Märkten Brasilien, Mexiko und Argentinien. “Die Sura-Philosophie ist es, den Kunden das ganze Leben lang zu begleiten”, sagt CEO David Bojanini.Die Expansion zu einer “Multilatina” ist die Fortsetzung einer Entwicklung, die 1944 im Hochtal des Aburrá ihren Start hatte. Suras internationale Expansion begann in den 1990ern, zunächst mit Minderheitsbeteiligungen. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts wurden daraus 100 %-Töchter in Panama, El Salvador und der Dominikanischen Republik. Und nun versichert Sura auch in Chile, Peru und Uruguay.