KPMG löst mit Tadel Kurssturz bei Wirecard aus
KPMG löst mit Tadel Kurssturz bei Wirecard aus
sck München – Die von Wirecard veranlasste Sonderuntersuchung ihrer Bilanzen 2016 bis 2018 durch Wirtschaftsprüfer von KPMG hat nach Darstellung des Zahlungsabwicklers den Vorwurf der Manipulation widerlegt. Trotz einer Schelte von KPMG sieht sich der Dax-Konzern weiter entlastet. Es habe nach wie vor keine substanziellen Feststellungen gegeben, die Korrekturen erfordert hätten. Mit Vorlage des Abschlussprüfberichts teilte der Dax-Konzern ad hoc mit, dass “belastende Belege” für die Behauptungen der “Financial Times” (FT) nicht gefunden worden seien.Wirecard räumte aber Mängel in der Organisation und in der Dokumentation von Geschäftsabläufen vor allem bei Aktivitäten mit Drittlizenznehmern ein. “Nach den gesteigerten (. . .) Anforderungen der Untersuchung durch KPMG konnten (. . .) nicht alle angeforderten Daten beschafft werden, die einen Nachweis der Umsatzerlöse in diesen Jahren erfüllt hätten, da sich diese Unterlagen überwiegend im Zugriffsbereich der Drittpartner befinden.” Dabei hätten sich jedoch “keine Anhaltspunkte für Abweichungen zwischen den ausgewiesenen Umsätzen und den Kontensalden” ergeben, so Wirecard. Die von KPMG festgestellten Schwächen seien zuvor bereits vom Unternehmen selbst identifiziert worden. Diese würden seit 2019 durch den Aufbau einer Compliance-Organisation mit Hilfe externer Berater behoben, versicherte Wirecard.Die Aussagen über die von KPMG ermittelten Problembereiche verunsicherten die Anleger deutlich. Die Aktie von Wirecard stürzte um bis zu 28,5 % ab. In einem insgesamt positiv gestimmten Markt konnten die Titel die Kursverluste im weiteren Tagesverlauf etwas eingrenzen und gingen mit 97,60 Euro (- 26,1 %) aus dem Xetra-Handel. Wirecard war damit schwächster Wert im Dax. Die Kursgewinne der vergangenen Tage verflogen. Das Papier hatte sich zuletzt von Kurseinbrüchen im März erholt, da das Unternehmen signalisiert hatte, dass das Resultat der Sonderprüfung im Kern gut ausfallen dürfte (vgl. BZ vom 24. April). Klarheit “in wenigen Wochen”Aufgrund von Verzögerungen bei der Prüfung muss Wirecard den auf den 30. April verlegten Termin für die Bilanzvorlage 2019 abermals verschieben. Der Abschlussprüfer EY wird die Ergebnisse in sein Testat einfügen. Das nimmt Zeit in Anspruch. Laut Vorstandschef Markus Braun soll “in wenigen Wochen” mit EY geklärt werden, wann der Abschluss vorgelegt werden könne. Für den 12. Mai plant Wirecard bislang, die Zahlen für das erste Quartal vorzulegen. Für die Verwaltung von Wirecard bleibt derweil das erhoffte Gütesiegel von KPMG aus. Im besonders von der britischen Finanzzeitung kritisierten Drittpartnergeschäft, welches Wirecard über ihre Standorte Dublin und Dubai via sogenannte Treuhandkonten abwickelt, konnten sich die KPMG-Prüfer nicht zu einem Urteil darüber durchringen, ob die bezweifelten Umsätze existieren und in ihrem angegebenen Umfang nachvollziehbar sind. “Untersuchungshemmnis”In ihrem auf der Internetseite von Wirecard veröffentlichten Bericht schreibt KPMG dazu, dass ein “Untersuchungshemmnis” vorliege. “Ursächlich sind neben Mängeln in der internen Organisation insbesondere die fehlende Bereitschaft der Third Party Acquirer, umfassend und transparent (. . .) mitzuwirken”, kritisierten die Wirtschaftsprüfer. Es hätten für die Untersuchung notwendige Nachweise nicht vorgelegen, um die “Existenz der Transaktionsvolumina (. . .) nachzuvollziehen”. Wirecard habe daraufhin Datensätze für den Monat Dezember 2019 nachgereicht. Diese würden derzeit noch analysiert, so KPMG.Mangels Datensätzen konnten die Prüfer nach eigenen Angaben zudem die Existenz bestimmter Kundenbeziehungen nicht verifizieren. Nachgereichte Listen über Kunden hätten ergeben, dass “32 der insgesamt 33 angegebenen Unternehmen in den Unternehmensregistern der entsprechenden Länder recherchiert werden konnten”. Die Bruttobilanzierung der mit den Partnern erzielten Umsätze sei “mangels ausreichender Nachweise (. . .) nicht vollständig” nachvollziehbar. KPMG kommt nach eigener Aussage zu dem “Ergebnis, dass Argumente gegen die von Wirecard vorgenommene Bilanzierung (Anmerkung der Redaktion: dieser Treuhandkonten) als Zahlungsmittel bzw. Zahlungsmitteläquivalente (. . .) sprechen.”KPMG weist aber darauf hin, dass es gemäß Rechnungslegungsstandard IFRS “Ermessensspielräume” gebe, die Wirecard nutze. In ihrem Bericht erwähnen die Prüfer eine gutachterliche Stellungnahme, welche die Argumente von Wirecard auf diesem Gebiet stütze. KPMG weist aber darauf hin, dass die dem Urteil der Gutachter zugrunde liegenden Annahmen von denen der Sonderprüfer abwichen. Nach einer Folge von Berichten der FT über Bilanzierungsfehler hatte der Aufsichtsrat von Wirecard KPMG im Oktober 2019 damit beauftragt, die Bilanzen gesondert zu durchleuchten. EY testierte die zurückliegenden drei Jahresabschlüsse ohne nennenswerte Beanstandungen. Die FT sorgte mit ihren Artikeln für Kursturbulenzen. – Wertberichtigt Seite 8