Krabbelgruppe für Versicherer und Start-ups
Krabbelgruppe für Versicherer und Start-ups
Von Antje Kullrich, KölnDas Industrieloft auf dem ehemaligen Werksgelände einer Kabelfabrik hat Stil. Der Blick von der Dachterasse über Köln ist herrlich, auch wenn im Pflanzkasten derzeit neben ein paar Kippen noch das Unkraut wuchert. Noch sieht alles ein bisschen provisorisch aus. Die Lampen hängen schon, ein paar Büromöbel fehlen noch. Und mittendrin, voller Elan, Torsten Oletzky: Nach einem Jahr Auszeit in New York ist der ehemalige Vorstandschef des drittgrößten deutschen Erstversicherers Ergo in seine Heimatstadt Köln zurückgekehrt. Jetzt hat der 51-Jährige einen Teilzeitvertrag, keine Sekretärin und kein Millionengehalt mehr – und wirkt ziemlich zufrieden. Frei von Konzernzwängen treibt er den Aufbau des Insurlab Germany voran. Im schicken Start-up-Ambiente in Köln-Mülheim sollen Jungunternehmer mit Ideen für die Assekuranz eine temporäre Heimat finden und mit den Etablierten der Versicherungsbranche Kontakte knüpfen. Köln kämpft um GründerZu seinem aktuellen Job ist Oletzky eher zufällig gekommen. Rudolf van Megen, Gründer des Kölner Software-Testers SQS, hat ihn zum Insurlab geholt. Die Domstadt will sich als Gründer-Hotspot etablieren. Doch dass das neben Berlin keine einfache Sache sein würde, dämmerte den Verantwortlichen bald. Nur ein branchenspezifischer Ansatz ziehe. Und in Köln hat die Versicherungswirtschaft eine starke Basis. In keiner anderen deutschen Stadt arbeiten mehr Beschäftigte in der Branche als in der rheinischen Metropole.Die Assekuranz umarmt ihre Start-ups. Während die Fintechs bei den Banken viel stärker auf Konfrontation gingen, zeichnete sich bei der später gestarteten Gattung der Insurtechs von Beginn an ein größerer Wille zu Kooperationen ab. Er trifft in der Branche auf Resonanz. In der eher konservativ geprägten Industrie ist vielen Managern bewusst, dass sie die Digitalisierung aus den eigenen Häusern heraus wohl kaum optimal bewältigen können. Frische Ideen von außen sind gefragt.Mit Oletzky, das bescheinigen Mitglieder der Initiative, hat das Insurlab in Köln an Schwung gewonnen. Der ehemalige Spitzenmanager nutzt sein riesiges Netzwerk, wirbt um neue Mitglieder und macht die Idee bekannt. Am 13. November wird das Insurlab feierlich eröffnet. Um den Jahreswechsel herum, so lautet der Plan, sollen die ersten Start-ups einziehen. Drei Etagen mit Arbeitsplätzen stehen für die Gründer bereit.In München ist im Sommer mit dem Insurtech Hub eine ähnliche Initiative an den Start gegangen. Dort engagieren sich ein Dutzend Versicherer, darunter die Branchenführer Allianz, Munich Re und Generali Deutschland. In Köln sind eher mittelgroße Versicherer am Start, davon jedoch eine ganze Menge. Das Interesse der Branche ist groß. Dem Insurlab gehören als Mitglieder mittlerweile 20 Versicherer an. Dazu kommen noch einige Berater wie Boston Consulting, Bain, Willis Towers Watson oder die Kanzlei Bach Langheid Dallmayr. Gerade sind Roland und Örag neu hinzugekommen, weitere Unternehmen haben laut Oletzky bereits feste Zusagen gegeben. Arag fährt zweigleisigDie Arag, die ziemlich agil in den neuen Online-Welten unterwegs ist, gehört sogar beiden Insurtech-Vereinen an. Ein stark wachsender Teil der Kunden schätze die schon existierenden digitalen Services, sagt ein Sprecher. “Da ist aber noch mehr drin, und wir nutzen jede Chance, um besser zu werden. Deshalb sind wir in beiden deutschen Branchen-Hubs aktiv. In Köln mit dem Fokus auf Themen der Sach-, in München auf Themen der Krankenversicherung.” Zugang zu EntscheidernIm Insurlab in Köln geht es in erster Linie nicht um Geld, sondern um Kontakte. “Gute Start-ups haben ihren Engpass nicht beim Kapital, sondern wenn es um Kooperationspartner geht”, führt Oletzky aus. Über das Insurlab sollen die jungen Unternehmer Kontakte zu Entscheidern in den Mitgliedsunternehmen erhalten, die bereit sind, neu entwickelte Geschäftsmodelle anzuwenden. Ein Vorkaufsrecht für Beteiligungen an den betreuten Start-ups gibt es nicht. Wohl aber werden zu Pitch Days des Insurlab nur Mitgliedsunternehmen aus der Branche eingeladen. Branchenunabhängige Venture-Capital-Gesellschaften sind aber auch willkommen. Das Insurlab will zudem eine Reihe weiterer Veranstaltungen organisieren – von Hackathons bis hin zu kleineren Workshop-Serien.Als großen Erfolg bezeichnet Oletzky, dass die Finanzierung des Insurlab selbst schon weitgehend gesichert sei. Die Mitgliedsunternehmen zahlen 30 000 Euro im Jahr, 35 Mitglieder insgesamt hat der Verein bereits. Für Start-ups reduziert sich der Beitrag auf 1 000 bis 2 000 Euro, assoziierte Mitglieder aus dem Hochschulbereich – sie sind ausdrücklich erwünscht – zahlen gar nichts. Aufbauhelfer gehtEiner jedoch steht schon wieder kurz vor dem Absprung: Aufbauhelfer Torsten Oletzky wird die Krabbelgruppe für Versicherer und Start-ups nicht länger leiten. So ganz ausgelastet fühlt sich ein ehemaliger Konzernchef mit nur noch einer Handvoll Mitarbeiter auf Dauer dann doch nicht. Anfang nächsten Jahres wird ein neuer Geschäftsführer erwartet. Die Verhandlungen sollen schon weit fortschritten sein. ——–Insurlab Germany will etablierte Branche und Jungunternehmer vernetzen.——-