WERTPAPIERHANDEL

Kräftebündelung

Inmitten der Corona-Pandemie könnte so manches bemerkenswerte Ereignis leicht untergehen, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit betrifft. Ein solches Ereignis ist die Übernahme einer Mehrheit an der Frankfurter ICF Bank, einer der führenden...

Kräftebündelung

Inmitten der Corona-Pandemie könnte so manches bemerkenswerte Ereignis leicht untergehen, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit betrifft. Ein solches Ereignis ist die Übernahme einer Mehrheit an der Frankfurter ICF Bank, einer der führenden deutschen Wertpapierhandelsbanken, durch die Börsenträgergesellschaft BÖAG Börsen AG.Einzuordnen ist die Transaktion allerdings in den seit Jahren anhaltenden Konsolidierungstrend im deutschen Wertpapierhandel, bei dem nicht nur Börsen bzw. Börsenträger auf der einen und Wertpapierhandelsfirmen bzw. Marketmaker auf der anderen Seite durch Übernahmen, Beteiligungen, Kooperationen und dergleichen zusammenrücken. Auch Kombinationen von Börsen und Wertpapierfirmen haben eine lange Historie, wie die Beispiele Börse Stuttgart/Euwax oder Deutsche Börse/Tradegate/Berliner Börse zeigen. Auch ist die ICF Bank nicht die erste Beteiligung der BÖAG an einem Wertpapierunternehmen. Sie hält bereits 25 % an der MWB Fairtrade.Ein Treiber des Trends ist das für die Akteure im deutschen Wertpapierhandel in den zurückliegenden Jahren immer schwieriger gewordene Umfeld. Der Kuchen ist insgesamt kleiner geworden, der Kampf um Marktanteile heftiger. Hinzu kommen zunehmende regulatorische sowie IT-Anforderungen, in deren Folge die Kosten in die Höhe schnellen. Vor diesem Hintergrund ist in der Branche Kräftebündelung angesagt.Das andere Gebot ist Diversifizierung bzw. die Erschließung von neuen Geschäftsfeldern. So sind die früheren amtlichen Kursmakler seit der Durchsetzung des elektronischen Börsenhandels in neue Aktivitäten wie etwa die Betreuung von Unternehmen bei Kapitalmarkttransaktionen eingestiegen. Auch die BÖAG verschafft sich mit der Mehrheitsbeteiligung an der ICF Bank Zugang zu neuen Geschäftsfeldern. Das Frankfurter Unternehmen ist unter anderem im Kapitalmarktgeschäft unterwegs und, anders als die auf den Retailbereich fokussierte BÖAG, auch im institutionellen Bereich aktiv.Hinzu kommen seine IT-Aktivitäten, die der BÖAG Möglichkeiten eröffnen, ihren Kunden neue Dienstleistungen anzubieten. Interessant ist die ICF Bank für den Börsenträger auch durch ihr im Aufbau befindliches Indexgeschäft. Das bietet Synergiepotenziale für das Indexgeschäft der BÖAG, das durchaus beachtliche Erfolge zeigt. So belaufen sich die Assets under Management ihres Global-Challenges-Index mittlerweile auf rund 700 Mill. Euro.