L-Bank muss einen Corona-Kraftakt bewältigen

Überlebenssicherung für Unternehmen prägt zurzeit die Fördertätigkeit - Geldpolitik drückt Ergebnis 2019

L-Bank muss einen Corona-Kraftakt bewältigen

ski Frankfurt – Seit 121 Tagen ist Edith Weymayr als Vorstandsvorsitzende der L-Bank im Amt, doch eine Einarbeitungszeit stellt man sich gemeinhin anders vor. Mit den gut 1 300 Beschäftigten des baden-württembergischen Förderinstituts muss die vormalige Bereichsvorständin der Commerzbank mit der Abwicklung der Corona-Soforthilfe im Auftrag von Land und Bund gleich zu Beginn ihres Mandats einen ungeahnten, wie sie selbst sagt, “enormen Kraftakt” bewältigen. Die Rede ist vom größten Förderprogramm in der Geschichte Baden-Württembergs. In der Spitze hätten mehr als 1 000 Angestellte zeitgleich am Bewilligungs- und Auszahlprozess mitgewirkt, so Weymayr in der telefonischen Bilanzpressekonferenz. Stand Dienstag seien mehr als 163 000 Anträge genehmigt und rund 1,6 Mrd. Euro an die Unternehmen ausgezahlt worden. Etwa 20 000 Anträge seien abgelehnt worden.Mit Zuschüssen bis zu 30 000 Euro als “Überlebenssicherung” für Soloselbständige, Freiberufler und Kleinunternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten hätten akute Liquiditätsengpässe abgefangen werden können. Zudem arbeite die viertgrößte deutsche Förderbank (nach KfW, NRW.Bank und Rentenbank) an einer breiten Angebotspalette von zinsgünstigen Krediten, weiteren (Tilgungs-)Zuschüssen, Bürgschaften und Beteiligungskapital. Dabei habe sie stets im Blick, wie die Angebote der KfW sinnvoll ergänzt werden könnten, um möglichst vielen Unternehmen im Land zu helfen. Im Rahmen der reaktivierten Liquiditätshilfe seien bereits mehr als 300 Kreditanträge über 63 Mill. Euro bewilligt worden. An einer weiteren Optimierung des Programms werde gearbeitet. Bürgschaften darf die L-Bank dank der Zustimmung des Landtags jetzt bis zu 20 (bisher 5) Mill. Euro übernehmen. Ein weiteres Instrument in der Krise sind Tilgungsaussetzungen bei bestehenden Förderdarlehen. Mehr als 6 200 Anfragen lägen dazu bisher vor.Weymayr ermutigte den Mittelstand, wichtige Investitionen trotz Corona-Pandemie nicht allzu weit zurückzustellen. Gerade in der Krise sei es wichtig, die Weichen für die Zukunft zu stellen, und das komplette Förderangebot der L-Bank stehe dafür weiter offen. Ein weiterer TechnologieparkKraft für die Krise will die Staatsbank aus dem “starken Förderjahr 2019” schöpfen, in dem das Kreditvolumen in den Bereichen Wirtschaft und Wohnen mit 4,8 Mrd. Euro den Vorjahreswert nochmals übertraf. Breiten Raum widmet das Institut im Geschäftsbericht den über Immobilientöchter betriebenen Technologieparks in Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen-Reutlingen und Mannheim, mit denen Standorte für innovative Unternehmen entwickelt werden – ein “Erfolgsmodell mit Perspektive”, so Weymayr auf Basis einer Evaluation durch Prognos und ZEW. In den Technologieparks seien Ende 2019 rund 250 Unternehmen mit 11 000 Mitarbeitern, 500 mehr als ein Jahr zuvor, angesiedelt gewesen. Auch beim geplanten Innovationszentrum Freiburg gehe es voran, ein Grundstück stehe zur Verfügung. “Unsere Technologieparkfamilie bekommt damit weiteren Zuwachs.”Das Zahlenwerk des abgelaufenen Jahres ist von einem spürbaren Ergebnisrückgang gekennzeichnet, der vor allem aus einem Minus von rund 9 % beim Zinsüberschuss, um gut 7 % gestiegenen Kosten und einer deutlichen Verschlechterung der Position Sonstige Erträge und Aufwendungen resultiert (vgl. Tabelle).Mit Blick auf den Zinsüberschuss verwies der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Ulrich Theileis auf die expansive Geldpolitik und das Niedrigzinsniveau – mit der Folge eines geringeren Ergebnisbeitrags aus dem Kapitalmarktgeschäft. Im Aufwand schlugen sich unter anderem IT-Investitionen und Bewertungsanpassungen bei der betrieblichen Altersvorsorge nieder. Das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge, in der Corona-Effekte noch nicht verarbeitet seien, sank um 28 %. Stolz zeigte sich Theileis darauf, dass bei der harten Kernkapitalquote (CET-1) die als Ziel gesetzte Marke von 20 % geknackt werden konnte.