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Londons Börse holt den nächsten Dealmaker

Von Andreas Hippin, London Börsen-Zeitung, 14.4.2018 David Schwimmer (49) wird im August der nächste Chief Executive der London Stock Exchange Group, des Betreibers der Börsen in der britischen Metropole und Mailand. Der Goldman-Sachs-Veteran hat...

Londons Börse holt den nächsten Dealmaker

Von Andreas Hippin, LondonDavid Schwimmer (49) wird im August der nächste Chief Executive der London Stock Exchange Group, des Betreibers der Börsen in der britischen Metropole und Mailand. Der Goldman-Sachs-Veteran hat mit seinem Vorgänger Xavier Rolet eines gemein: Er ist ein klassischer Dealmaker. Zuletzt fungierte er bei der US-Investmentbank als Global Head of Market Structure. Der Absolvent von Yale, Harvard Law School und Tufts University gehörte zu den Architekten des Zusammenschlusses von New York Stock Exchange und Archipelago Group. Nach dem Platzen der Übernahme durch die Deutsche Börse wurde immer wieder spekuliert, dass entweder die CME Group, der die Chicago Mercantile Exchange gehört, oder die Intercontinental Exchange (ICE) eine Offerte für die Gruppe oder Teile ihres Geschäfts vorlegen wird. Aramco-IPO soll kommenEine Reihe von Punkten, mit denen sich Schwimmer in seinem neuen Amt beschäftigen muss, zeichnen sich bereits klarer ab: Der Börsengang der staatlichen saudischen Ölgesellschaft Aramco soll nach Möglichkeit in London stattfinden. Die Position der City im Clearing-Geschäft muss verteidigt werden. LCH Clearnet dominiert das sogenannte Euro-Clearing. Zudem gilt es, Brexit-Ängste in der britischen Finanzbranche zu beschwichtigen. Lloyd Blankfein, der CEO von Goldman Sachs, nannte Schwimmer Medienberichten zufolge einen “sagenhaften Partner und Freund”. Sein Einsatz für herausragende Qualität, für die Kunden und für die Firmenkultur machten ihn zum Vorbild, schrieben Marc Nachmann, John Waldron und Gregg Lemkau, die drei Co-Chefs des Investment Banking, in einem internen Memo der Bank, aus dem “Business Insider” zitiert. Donald Brydon, der Chairman des Londoner Börsenbetreibers, merkte süffisant an, Schwimmer sei bekannt für seinen unverwüstlichen Intellekt und für “einen partnerschaftlichen Umgang mit Kunden wie Kollegen” – ein unverkennbarer Seitenhieb auf seinen Vorgänger Rolet, der das Unternehmen erst nach einer längeren Schlammschlacht verlassen hatte. Man darf gespannt sein, wie Schwimmer mit dem Shareholder-Aktivisten Christopher Hohn klarkommt. Der Manager des Hedgefonds The Children’s Investment Fund (TCI) hätte Brydon gerne davongejagt. Die Aktionäre des Marktinfrastrukturbetreibers stellten sich auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember jedoch hinter ihren Chairman. Rolet wurde zuletzt vom russischen Düngemittelproduzenten Phosagro als unabhängiges Boardmitglied nominiert (vgl. BZ vom 10. April). Die Wahl Schwimmers lässt sich als Votum für Kontinuität deuten. Zu den Kandidaten, die für die Rolet-Nachfolge gehandelt wurden, gehörten auch schillernde Persönlichkeiten wie Blythe Masters, die Chefin des Blockchain-Experten Digital Asset Holding. “Eine interessante Wahl”, kommentierte Patrick L. Young, Executive Director von DV Advisors, der Anleger berät, die in Marktinfrastruktur investieren wollen. August sei zu spät für eine Gegenofferte für den Post-Trade-Spezialisten Nex Group, für den die CME Group 5,5 Mrd. Dollar geboten hat. Dafür könne sich Schwimmer ein paar Monate einlesen, bevor er das von Rolet zusammengekaufte Konglomerat zu einem zusammenhängenderen Laden macht.Schwimmers Karriere begann bei der Kanzlei Davis Polk & Wardwell. Zu Goldman Sachs kam er vor 20 Jahren. Er begann bei der Financial Institutions Group, wo er sich auf die Themen Marktstruktur, Brokerage und Trading konzentrierte. Von 2005 bis 2006 war er als Chief of Staff für Blankfein tätig, der damals als President und Chief Operating Officer fungierte. Danach war er bis 2009 Co-Head von Goldman Sachs Russia und Head of Russia/CIS Investment Banking in Moskau. Drei Jahre später machte ihn die Bank zum Partner.