Margin Call für Donald Trump
Margin Call für Donald Trump
Von Björn Godenrath, FrankfurtDie in der “Trump Organization” gebündelten Geschäfte des US-Präsidenten Donald Trump sind in schweres Fahrwasser geraten. Das Closing einer Immobilien-Transaktion für ein Objekt in Washington D.C. musste verschoben werden, da der Markt aufgrund der Coronakrise eingefroren ist. Der mit der Abwicklung der Transaktion beauftragte Dienstleister JLL hat den Stopp gegenüber der “Washington Post” bestätigt.Der Verkaufsprozess für die Immobilie wurde im Oktober aufgesetzt, indikative Gebote mussten bis Ende Januar eingehen. Experten gehen davon aus, dass der US-Immobilienmarkt frühestens im zweiten Halbjahr anspringt, was das Real-Estate-lastige Trump-Portfolio vor Probleme stellt. Denn schon jetzt sind die Top-Immobilien der Holding geschlossen oder nur zu 10 % belegt. Berechnungen der “Post” zeigen, dass Trump damit wöchentlich Einnahmen von 680 000 Dollar verloren gehen. Basis der Berechnung sind 16 Objekte, die für jährliche Einnahmen von 250 Mill. Dollar stehen. Das Anwesen Mar-A-Lago befindet sich auf Rang 4 der umsatzstärksten Immobilien des Portfolios.Bei einzelnen Liegenschaften in New York City und Washington wurden Teile der Belegschaft entlassen. Einnahmen aus Gewerbeimmobilien dürften noch dazu beitragen, das Portfolio über Wasser zu halten. Aber auch diese Mieter dürften bald wegen Mietstundungen vorstellig werden. Und da der Präsident weiterhin wirtschaftlicher Eigentümer der von seinen Söhnen Donald Jr. und Eric geführten “Trump Organization” ist, könnte er bald mit Nachschusspflichten (“Margin Call”) der kreditgebenden Banken für einige Objekte konfrontiert werden – mit sinkenden Beleihungswerten müssen die Banken Verhandlungen über zusätzliche Sicherheiten aufnehmen.Zu den Kreditgebern von Trump zählt auch die Deutsche Bank, die vor Jahren drei Hotels in Washington, Chicago und Miami mit 300 Mill. Dollar finanzierte. Ob dieses Volumen noch besteht, ist unklar, da sich die Bank naturgemäß nicht zu einzelnen Kreditkunden äußert und Bestrebungen der Demokraten zur Öffnung der Kreditakte Trump bislang scheiterten. In Marktkreisen wird spekuliert, die Deutsche Bank könnte Tranchen des Trump-Exposures weiterveräußert haben – üblich wäre eine solche Transaktion. Da Donald Trump aber viele Feinde hat, wäre das ein sensibler Vorgang, könnte der neue Eigentümer der Forderung doch geneigt sein, einfach Kredite fällig zu stellen.Die Deutsche Bank muss auf Arbeitsebene auf die “Trump Organization” zugehen, wenn der Cash-flow der Objekte leistungsgestört ist. Dafür müssen dann nicht sofort Kredite fällig gestellt werden, es können nach dem Motto “extend and pretend” auch Laufzeiten gestreckt werden, was die Tilgungslast drückt – außerdem gibt es für beide Seiten Hedging-Möglichkeiten, um eventuelle Ausfallrisiken abzumildern. Eventuell muss Trump einzelne Immobilien veräußern, um Ansprüche der Banken zu befriedigen – aber in der derzeitigen Marktlage wäre das gar nicht möglich, da null Visibilität herrscht.Der Zugriff des Trump-Imperiums auf Hilfsprogramme des (von ihm geführten) Bundes ist jedenfalls eingeschränkt. Denn die Demokraten hatten in den Verhandlungen über das in der vergangenen Woche verabschiedete Rettungspaket durchgesetzt, dass Trumps Gesellschaften keinen Anspruch auf Hilfen aus einem Kreditpool über 450 Mrd. Dollar haben, der Pandemiefolgen für Unternehmen unbürokratisch lindern soll. Profitieren kann Trump dann nur von möglichen Steuererleichterungen oder Hilfen, die Mieter der Objekte erhalten.David Enrich, Autor des Buches “Dark Towers: Deutsche Bank, Donald Trump and an Epic Trail of Destruction”, weiß jedenfalls zu berichten, dass die Deutsche Bank bei den jüngeren Krediten und Prolongationen per Klausel Zugriff habe auf Besitztümer von Trump wegen seiner “tendency to default”. Sollte der Shutdown über Ende April hinaus andauern, könnte die Deutsche Bank wohl gar nicht anders, als den Margin Call zu aktivieren. Als Krisenmanager versagtDabei haben einzelne Trump-Unternehmungen alles versucht, um trotz gegenteiliger Vorschriften im Geschäft zu bleiben. Das endete erst, als der (demokratische) Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo, Ende vergangener Woche den kompletten Shutdown in der Region verkündete – bis dahin hatte der Golfplatz von Trump in der Bronx noch damit geworben, dass man auf den Grüns des Clubs beim Spiel mit dem kleinen harten Ball “Stress abbauen könne unter Wahrung des Social Distancing”. Cuomo wird von breiten Teilen der Bevölkerung für sein energisches Krisenmanagement gelobt und musste schon klarstellen, dass er nicht das Amt eines US-Präsidenten anstrebt. Da Trump als Coronaleugner lange irrlichterte und erst kürzlich schärfere Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung unterstützte, haben sich viele Wähler von ihm abgewandt. Und die Bilder von großen weißen Sanitärzelten im Central Park werden vielen in Erinnerung bleiben – und sie wissen, wen sie dafür verantwortlich machen müssen, dass es die USA so schlimm getroffen hat.