IM GESPRÄCH: TOBIAS KLEIN UND RICHARD ZELLMANN

"Markt der erneuerbaren Energien ist überhitzt"

First Private: Preise bei Wind- und Solarparks erreichen unrealistische Höhen - Renditeaussichten trüben sich ein - Erfolgreich bei Aktien

"Markt der erneuerbaren Energien ist überhitzt"

In einer bislang mit üppigen Renditen ausgestatteten Nische wird es langsam eng: Der Markt für Investments in Infrastruktur zur Erzeugung erneuerbarer Energie läuft nach Ansicht von First Private langsam heiß. Viele Investoren kauften zu überhöhten Preisen.Von Silke Stoltenberg, FrankfurtNach Ansicht von First Private Investment Management sind die Preise im Markt für Infrastruktur für die Erzeugung von erneuerbarer Energie häufig zu hoch. “Es werden zu viele Wind- und Solarparks gekauft, deren Verhältnis zwischen Preis und Renditeaussichten für Investoren keinen Sinn macht, der Markt befindet sich in einer überhitzten Phase”, sagt Richard Zellmann, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing sowie Partner der Investmentboutique, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Hintergrund ist das stark anziehende Interesse der Investoren im Niedrigzinsumfeld an renditeträchtigen Alternativen jenseits von Anleihen. Infrastruktur zur Erzeugung erneuerbarer Energien gilt als eine solch lohnende Nische. Um das stark gestiegene Interesse der Investoren daran zu befriedigen, ist aber das Angebot unzureichend, so dass die Preise deutlich nach oben schnellen. Insbesondere größere Versicherer kaufen sich in dem Segment groß ein. First Private müsse daher selektiver investieren, so Zellmann. Dies wiederum belaste allerdings die Renditeaussichten für Investments in erneuerbare Energien. Gebühr wird sinkenDem trägt First Private Rechnung, indem das Schweizer Schwesterunternehmen Recap Global Investors beim geplanten dritten Fonds mit erneuerbaren Energien die Verwaltungsgebühr von 1,50 % auf 95 Basispunkte senken wird. Durch diese Kostensenkung blieben die bisher üblichen 6 % Renditeaussichten nach Kosten auf Sicht von 20 Jahren trotz der Schwierigkeiten am Markt für potenzielle Investoren weiter realistisch, so der 47-Jährige, der seit 2005 bei First Private ist und über 22 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche hat. Über die FP Management Holding, in der die Geschäftsanteile der vier Partner liegen, ist First Private mit der Schweizer Schwester verbandelt. Die Spezialistin für erneuerbare Energien steht immerhin für 11,5 % des verwalteten Vermögens von zuletzt 2,9 Mrd. Euro (siehe Grafik).”Der Verwaltungsaufwand im Bereich der Infrastruktur für die Erzeugung erneuerbarer Energien ist extrem hoch, selbst im Vergleich zu den schon aufwendigen Immobilieninvestments hat man ein Vielfaches an Dokumenten und technischem Aufwand”, betont Tobias Klein, geschäftsführender Gesellschafter, Chief Executive Officer und Gründungspartner. Daher verfüge Recap über ein eigenes technisches Team und beschäftigt mittlerweile insgesamt 17 Mitarbeiter. Zentral sei zudem bei Investments in erneuerbaren Energien, dass jedes Jahr die Versicherungspakete für die Anlagen überprüft würden, um die Risiken zu senken.Der dritte Recap-Fonds, der im ersten Quartal 2018 aufgelegt werden soll, wird nach Investments in Europa und in OECD-Staaten suchen. Solar-, Wind- und Offshore-Parks sowie Energiespeicher sollen im Fokus stehen. “Dabei schauen wir uns die Angebote genau an und lassen sie bewusst außer Acht, wenn der Preis uns unangemessen erscheint”, unterstreicht Klein (52), der für Portfoliomanagement, Research und die Strategie zuständig ist und seit 1996 für First Private arbeitet. Kein ZielvolumenZusagen von ersten Investoren über rund 40 Mill. Euro liegen bereits vor. “Wir haben kein Zielvolumen für den Fonds, sondern wollen die eingesammelten Gelder jeweils zeitnah investieren, um mit den bestehenden Projekten neue Kunden werben zu können, die sich leichter durch sichtbare Investments in Anlagen überzeugen lassen”, erläutert Zellmann die geplante Strategie.Dagegen würden andere Anbieter erst die Gelder einsammeln, um dann nach lohnenden Investments für relativ viel Geld auf einmal Ausschau zu halten, monieren die beiden First-Private-Partner, die ein solches Vorgehen für ziemlich “blauäugig” halten. Dabei rechne mitunter manch Mitbewerber den internen Zinssatz schön, um die Rendite besser aussehen zu lassen, behaupten sie. Über die beiden schon existierenden Recap-Fonds hat First Private bereits eine Stromleistung von 550 Megawatt eingekauft, berichtet Klein. Dies entspreche einer Leistung eines kleineren Atomkraftwerks und spare jährlich 400 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung, also 8 Millionen Tonnen über die 20-jährige Mindestlaufzeit.Immerhin rund 60 Mill. Euro brutto konnte First Private bei ihren bestehenden Kunden im zurückliegenden Jahr allein für den Bereich erneuerbare Energien einsammeln. Insgesamt beliefen sich die Bruttomittelzuflüsse auf 600 Mill. Euro, netto waren es 342 Mill. Euro. Dies ist mehr als im Vorjahr, als weniger als 200 Mill. Euro zusammengekommen waren, aber weniger als im Fondsrekordjahr 2015, als First Private mit 1 Mrd. Euro überhäuft wurde. Um 13,5 % stieg das verwaltete Vermögen im Jahresvergleich. “Beständig verlaufen”Der Schwerpunkt bei den Zuflüssen lag im Aktiengeschäft. Dort kamen brutto 340 Mill. Euro hinzu. Die Absolute-Return-Produkte und -Strategien sammelten 200 Mill. Euro ein. “Das Jahr ist nicht spektakulär, aber beständig verlaufen, wir sind sehr zufrieden”, kommentiert Klein den Geschäftsverlauf. Drei Viertel des Geschäfts von First Private mit 29 Mitarbeitern in Frankfurt, darunter 14 Fondsmanager, sind institutionell. Family Offices, Versorgungswerke, Banken, Stiftungen sowie Dachfonds sind die Kunden. Das Privatkundengeschäft kommt von Finanzberatern, Vermögensverwaltern und Banken. 2017 gab es aufgrund der Entscheidung einer einzigen großen Privatbank, die Vermögensverwaltung für die Kunden selbst zu übernehmen und daher die First-Private-Investments zu beenden, Abflüsse im Publikumsfondssegment. Dagegen konnte First Private bei Spezialfonds und Mandaten zulegen.Die Investmentboutique konzentriert sich – neben den erneuerbaren Energien – auf die Wertpapierstrategien Aktien und Absolute Return. Bei den Aktien wird in einem ersten Schritt anhand eines regelgebundenen Ansatzes aus einem Unternehmensuniversum von 30 000 Namen eine Grundauswahl anhand diverser Kennziffern getroffen, die im zweiten Schritt von einem Fondsmanager nach jeweils speziell definierten Kriterien tatsächlich für das Portfolio bestimmt werden. Größter FondsGrößter Fonds ist der mehr als 800 Mill. Euro schwere “First Private Wealth”, ein auch in Währungen und Rohstoffe investierender, breit anlegender Mischfonds mit einem Absolute-Return-Ansatz. Das Produkt sucht nach marktunabhängigen Alpha-Strategien und mildert Ausschläge und Wertverluste durch Derivate ab. Bislang konnte er laut dem Datendienstleister Morningstar ähnlich ausgerichtete Mischfonds – mit Ausnahme von 2016 – immer um einige Prozentpunkte bei der Rendite überbieten und liegt aktuell auf Sicht von fünf Jahren mehr als 4 % per annum im Plus.Ältestes Produkt ist der seit 1997 existierende “First Private Euro Dividenden Staufer”, ein europäischer Aktienfonds mit Dividendenfokus, der mehr als 200 Mill. Euro verwaltet. First Private gibt es seit 1990. Die Boutique wurde als Salomon Brothers gegründet (1997: Citigroup Asset Management) und 2003 vom Management übernommen. Neue ServicegesellschaftMitte kommenden Jahres plant First Private, die Servicegesellschaft zu wechseln. Aktuell ist es BNY Mellon Asset Servicing, künftig wird es Société Générale Securities Services sein. Insofern ist der Assetmanager durch die neuen Regulierungen – Mifid II, Priips und Investmentsteuerreform – weniger stark belastet als eine klassische Fondsgesellschaft, die selbst die Auflage der Produkte verantworten muss. First Private habe lediglich für Mifid II neue Anteilsklassen für Finanzberater ohne Ausgabeaufschlag einführen müssen, damit diese den neuen Vorschriften zufolge ohne Provisionen ihre Arbeit verrichten können, was ihnen den Aufwand des Kehraus der Provisionszahlung an die Anleger erspart. Dies sei kein großer Aufwand gewesen, so Zellmann. Ebenso wenig war es für First Private problematisch, im “Wealth” eine Mindestaktienquote einzuziehen, um die Teilfreistellung für das neue Steuerregime zu erlangen. Denn die Höhe dieser Quote entsprach schon immer dem Aktienanteil im Portfolio. Research auf eigene KappeDen durch Mifid II neu entstehenden Kostenblock für externes Research, der durch eine Aufsplittung der Transaktionskosten mit den Brokern entsteht, übernimmt First Private wie die meisten Assetmanager zumindest 2018 selbst. Auf etwa eine halbe Million Euro wird der Aufwand für die eigene Gewinn-und-Verlust-Rechnung veranschlagt. Jährlich will First Private dann überprüfen, ob es bei der Kostenübernahme bleibt. Insgesamt werde auch bei First Private durch die Nachverhandlungen mit den Brokern der Transaktionskostenblock insgesamt geringer, bestätigen die First-Private-Partner einen Trend, der auch aus anderen Häusern zu hören ist.Gedanken macht sich First Private – wie auch andere kleine Fondsanbieter – über eine andere Entwicklung, die in der Vorbereitung der seit Jahresbeginn geltenden Mifid II und Priips bei Bankvertriebsstellen zu beobachten war. Diese haben im Vorgriff bereits die Anzahl der Fondsgesellschaften, die sie ihren Kunden empfehlen, reduziert. Denn mit Mifid II und Priips steigt in der Beratung und Dokumentation der Aufwand, auch die Haftung für Produktempfehlungen verschärft sich. “Damit wird der Fondsmarkt umkämpfter, andererseits bedeutet das aber auch mehr Volumen für die verbleibenden Namen auf den Anbieterlisten im Vertrieb”, sagt Zellmann.