Marktunruhe beschert Euronext starken Auftakt

Börsenbetreiber fasst weitere Übernahmen in Auge

Marktunruhe beschert Euronext starken Auftakt

wü Paris – Investoren haben begeistert auf die Ergebnisse von Euronext reagiert. Der paneuropäische Börsenbetreiber hat im Auftaktquartal von der durch die Coronavirus-Pandemie ausgelösten Volatilität, dem kräftigen Anstieg der Handelsvolumina und jüngsten Akquisitionen profitiert, so dass seine Ergebnisse gut zulegen konnten. Beflügelt davon erreichte die Aktie von Euronext Donnerstagvormittag an der Börse von Paris einen historischen Höchststand mit 88,90 Euro. Das Papier schloss mit einem Plus von 2,2 % bei 84,00 Euro, der CAC 40 mit einem Minus von 1,65 %.Der Börsenbetreiber konnte seine Einnahmen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 55 % auf 237 Mill. Euro steigern. Sie wurden von dem Anstieg der Handelsvolumen um 53 %, der Unruhe an den Märkten und den Beiträgen der letzten Zukäufe beflügelt. Auf vergleichbarer Basis hätten die Einnahmen 30 % zugelegt. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich um 68 % auf 150 Mill. Euro, während die Ebitda-Marge von 59 % auf 63,4 % stieg. Unter dem Strich verdiente Euronext mit einem Nettoergebnis von 96 Mill. Euro 71 % mehr als ein Jahr zuvor.Das solide Abschneiden spreche für die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells des Börsenbetreibers und die in den vergangenen vier Jahren getätigten Investitionen, erklärte Euronext-Chef Stéphane Boujnah. In den nächsten Monaten seien gute wie schlechte Nachrichten zu erwarten, warnte er. “Zu einem gegebenen Zeitpunkt wird die Rezession sich auf die Ergebnisse der Unternehmen auswirken, was nicht gut für die Volumina ist.” Euronext will deshalb seine Diversifikationsstrategie fortsetzen und dabei einen Schwerpunkt auf Aktivitäten legen, die weniger abhängig von Handelsvolumen sind.”Wir haben uns entschieden, nicht abzuwarten”, sagte Boujnah. “Wir schauen uns Akquisitionsmöglichkeiten an und sprechen mit anderen Akteuren.” Das bedeute jedoch nicht unbedingt, dass etwas daraus werde. Die Krise zeige, dass einige Verkäufer flexibler würden, aber bisher gebe es noch niemanden, der verzweifelt zu verkaufen versuche. “Ja, das Umfeld ändert sich und ja, es gibt dort Chancen für Euronext”, so Boujnah. Nach Angaben von Finanzchef Giorgio Modica verfügt Euronext über mehr als 500 Mill. Euro für gezielte Akquisitionen so wie die im April angekündigte Übernahme von 70 % des dänischen Zentralverwahrers VP Securities, der dadurch mit rund 150 Mill. Euro bewertet wird. Die Transaktion dürfte im Juli abgeschlossen werden, erklärte Boujnah.