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Michael Spencer fährt die Ernte ein

Von Björn Godenrath, Frankfurt Börsen-Zeitung, 30.3.2018 Michael Spencer gehört zu den Menschen, die es verstehen zu feiern. Zur Begehung seines 60. Geburtstages lud er 150 Freunde in ein Luxushotel nach Marrakesch ein, die in Marokko gelegene...

Michael Spencer fährt die Ernte ein

Von Björn Godenrath, FrankfurtMichael Spencer gehört zu den Menschen, die es verstehen zu feiern. Zur Begehung seines 60. Geburtstages lud er 150 Freunde in ein Luxushotel nach Marrakesch ein, die in Marokko gelegene Perle des Orients. Eine solche Sause kann sich der 62-Jährige locker leisten, wird ihm von der britischen Presse doch bereits ein Privatvermögen von rund 800 Mill. Pfund zugeschrieben.Das wird weiter anwachsen, hält er doch noch einen Anteil von 17,6 % an dem von ihm selbst vor 30 Jahren gegründeten Broker Nex, für den nun ein Übernahmeangebot der amerikanischen CME zu einer Unternehmensbewertung von 3,8 Mrd. Pfund vorliegt – was den Wert seines Anteils auf 670 Mill. Pfund stellt. Mit CME-Chef Terry Duffy ist Spencer schon handelseinig geworden, die Regulatoren dürften keine grundsätzlichen Bedenken hegen. Mindestens zwei Jahre will Spencer noch an Bord bleiben, um die Integration zu überwachen, dem Board von CME wird er als “special adviser” beitreten.Im Londoner Broker-Geschäft groß geworden, wo er im Mai 1986 Intercapital als Ursprungsgesellschaft gründete, orchestrierte er im Herbst 1998 die als Merger verkleidete Übernahme von Exco, was das Börsenlisting brachte und nach der Einverleibung von Garban dann in die bis vor kurzem gängige Unternehmensbezeichnung Icap mündete. Mit Icap expandierte Spencer global, bis er Ende 2015 ein Teilgeschäft (hybrider Telefonhandel) an Tullett Prebon verkaufte – was ihm rund 200 Mill. Pfund einbrachte – und das verbliebene Geschäft in Nex Group umfirmierte. Richtiger RiecherAls Entrepreneur hatte Spencer jedenfalls den richtigen Riecher, als er auf den elektronischen Handel von Anleihen und Devisen setzte. Nex gilt mit einem Marktanteil von rund 80 % als führend beim elektronischen Handel mit US-Staatsanleihen. Dort werden täglich Kontrakte im Volumen von 500 Mrd. Dollar gehandelt. Allerdings pflastern auch kleine Skandale den Weg des ehemaligen Tory-Schatzmeisters: Für Libor-Manipulationen musste Icap bei der Aufarbeitung der Finanzkrise eine Strafe von 55 Mill. Pfund zahlen. Seine Aufgabe als Treasurer für die Tories musste er 2010 wegen öffentlicher Empörung aufgeben: Spencer hatte Icap-Aktien im Wert von 45 Mill. Pfund nur wenige Wochen vor einer Gewinnwarnung über den Markt verkauft. Dabei war sein Wirken als Kassenwart und Geldeintreiber für die Konservativen ziemlich erfolgreich, wird ihm attestiert – 4 Mill. Pfund steuerte er in der Zeit von 2005 bis 2010 aus seiner Privatschatulle bei. Und dann stiegen ihm seine Aktionäre im Sommer 2017 aufs Dach, weil 25 000 Pfund aus der Firmenkasse zur Unterstützung von Parteimitgliedern gespendet werden sollten, um gegen Anhänger des Remain-Lagers zu bestehen. Die Mittel sollten dazu dienen, das Mandat der Regierung in den Brexit-Verhandlungen zu stärken. Noch ein Verdienst um die CityDas ist natürlich alles halb so schlimm, aber die Libor-Strafe für Icap hatte britischen Medien zufolge im vergangenen Jahr seine geplante Erhebung in den Adelsstand verhindert, auch wenn ihm persönlich nichts angekreidet wurde. Der Weinliebhaber Spencer weiß das Leben auch so zu genießen, und seine Verdienste für die City hat er mit dem CME-Deal um eine weitere Note bereichert: Der US-Konzern will sein europäisches Hauptquartier dem Brexit zum Trotz in London einrichten.