Mit Rekordreserven in Corona-Krise

Allianz häuft unrealisierte Gewinne an - Versicherer verschenkt Aktien an Beschäftigte - Geschäftsbericht

Mit Rekordreserven in Corona-Krise

Die Allianz geht mit Reserven nahezu in Rekordhöhe in die Turbulenzen an den Kapitalmärkten, die durch das Coronavirus ausgelöst wurden. Sie addieren sich netto auf 88 Mrd. Euro, lässt sich mit Hilfe des am Freitag vorgelegten Geschäftsberichts errechnen. Erstmals verschenkt die Allianz Aktien an alle Beschäftigtenmic München – Die Allianz hat vor den Corona-Turbulenzen hohe stille Reserven aufgebaut. Dies geht aus dem Geschäftsbericht hervor, der am Freitag vorgelegt wurde. In- und außerhalb der Bilanz wurden 87,8 Mrd. Euro aufgehäuft. Damit hat der Versicherer die Reserven innerhalb eines Jahres verdoppelt. Sie liegen auch deutlich über dem Niveau der Vorjahre und damit nahezu auf Rekordhöhe (siehe Grafik). Lediglich unterjährig wurden im ersten Quartal 2015 einige Milliarden Euro mehr erreicht. Der ehemalige Allianz-Finanzvorstand Dieter Wemmer hatte damals erklärt, dies sei “ein extremer historischer Höchststand”.Nun befindet sich die Allianz-Bilanz auf einem ähnlichen Niveau. Der Saldo der nicht realisierten Gewinne und Verluste speist sich vor allem aus festverzinslichen Papieren. Die Reserven betragen 57,3 Mrd. Euro. Angesichts der Senkung der Kapitalmarktzinsen infolge der Corona-Krise dürfte ihr Wert in den vergangenen Tagen gestiegen sein. Unter Druck geraten dagegen die Aktien-Reserven (netto) von 16,1 Mrd. Euro. Ende Dezember hatten die nicht realisierten Verluste mit 0,2 Mrd. Euro einen minimalen Betrag erreicht. Außerhalb der Bilanz kommen noch 14,4 Mrd. Euro stille Reserven (netto) aus dem Immobilienvermögen hinzu. Infolge der jährlichen Abschreibungen dürften die wirtschaftlichen Reserven noch deutlich höher sein.Bei einer Realisierung der stillen Reserven ginge ein Teil an die Kunden und das Finanzamt. Auf die Aktionäre entfallen von den 87,8 Mrd. Euro 22,2 Mrd. Euro (davon 4,5 Mrd. Euro durch Immobilien).Dem Geschäftsbericht ist darüber hinaus zu entnehmen, dass die Allianz an ihre Beschäftigten Aktien für das Erreichen von Produktivitätszielen im vergangenen Jahr verschenkt. “Als Anerkennung für diese Leistung belohnen wir unsere Mitarbeiter im Jahr 2020 mit einer kostenlosen Allianz-Aktie”, schreibt Vorstandsvorsitzender Oliver Bäte an die Aktionäre. Die Allianz hatte in der Sachversicherung die Kostenquote schon auf jenes Niveau von 27,5 % gedrückt, das erst im Jahr 2021 erreicht werden sollte. Voraussichtlich erhalten die Beschäftigten den Anteilschein, der aktuell bei rund 189 Euro notiert, im Jahresverlauf. Dann steigt die Zahl der Aktionäre erheblich: Ende vergangenen Jahres zählte die Allianz 147 268 Beschäftigte, die zu einem unbekannten Anteil beispielsweise über Mitarbeiter-Aktienprogramme bereits Anteilseigner sind. Die Allianz hat rund 579 000 Aktionäre.Der Geschäftsbericht ergänzt die Prognose 2020 um Vorhersagen für den Umsatz. Demnach soll die Sparte Sach- und Unfallversicherung den Umsatz ausgehend von 59,2 Mrd. Euro um 6 % steigern, davon speisen sich 4 Prozentpunkte aus Akquisitionen. Die Sparte Lebensversicherung soll zwischen 71 und 77 Mrd. Euro landen (i. V. 76,4 Mrd. Euro).Dem Vorstand billigte der Aufsichtsrat einen Zielerreichungsgrad für den jährlichen Bonus von 109 % zu. Dies ist der niedrigste Wert in der Amtszeit von Bäte, letztmals wurde 2011 weniger erreicht. Die Vorstände Niran Peiris und Iván de la Sota schnitten in der individuellen Bewertung wegen Fehlschlägen im Firmenkundengeschäft und in Spanien besonders schlecht ab. Das Gehalt von Bäte sank wegen des Wegfalls des Dreijahres-Bonus von 10,3 auf 5,9 Mill. Euro. Bereinigt um diesen Effekt stieg es um 8 %.