Munich Re wechselt Abschlussprüfer
Munich Re wechselt Abschlussprüfer
Nach der Deutschen Bank und der Allianz verabschiedet sich die Munich Re von ihrem langjährigen Abschlussprüfer KPMG. Der weltgrößte Rückversicherer schrieb das Mandat neu aus. Die drei großen KPMG-Wettbewerber buhlen um den Zuschlag für einen lukrativen Auftrag unter den deutschen Blue Chips.Von Stefan Kroneck, MünchenNach der Deutschen Bank und der Allianz endet auf absehbare Zeit für KPMG nun auch die Ära als Konzernabschlussprüfer bei der Munich Re. Der größte Rückversicherer der Welt schrieb das Mandat für die Prüfung seiner Jahresabschlüsse neu aus, wie aus einer Meldung des Unternehmens im Bundesanzeiger hervorgeht. Im Detail plant der Dax-Konzern, die Abschlussprüfung mit Beginn des Geschäftsjahres 2020 einem anderen Wirtschaftsprüfer zu übertragen. Das Mandat umfasst in der Praxis eine Laufzeit von zehn Jahren. Den Zuschlag kann nur ein Konkurrent von KPMG erhalten, der von der Kapazität dazu in der Lage wäre. Dabei handelt es sich um Deloitte, Ernst & Young (EY) und PricewaterhouseCoopers (PwC). Offen ist, wem die Munich Re schlussendlich den Zuschlag erteilt. Dazu gehört auch die Prüfung der Abschlüsse von 45 Tochtergesellschaften, darunter des Erstversicherers Ergo in Deutschland sowie zahlreicher Einheiten im europäischen Ausland. Der Mitteilung zufolge konnten Wirtschaftsprüfer ihr Interesse bis zum 28. Februar an das Unternehmen erteilen. Seitdem läuft eine zweite Auswahlphase. Vermutlich haben sich die drei Adressen beworben, handelt es sich doch um einen prestigeträchtigen und lukrativen Auftrag. Für die Prüfung des Geschäftsabschlusses 2016 von Munich Re strich KPMG dem Konzernbericht zufolge an Honoraren 16,3 Mill. Euro ein – das waren 3,2 Mill. Euro mehr als fürs Jahr 2015. Am Donnerstag legt Munich Re ihren Bericht für 2017 vor. Dem neuen Abschlussprüfer winkt ein Mandat, das bei einer Laufzeit von einer Dekade insgesamt einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe einbrächte. Einschnitt für PlatzhirscheWie bei der Deutschen Bank und der Allianz hat auch bei der Munich Re der Austausch rechtliche Gründe. Die EU-Richtlinie zu Abschlussprüfungen aus dem Jahr 2014 schreibt zwingend eine Rotation des Prüfers vor. Deutschland setzte diese Vorgabe aus Brüssel zwei Jahre darauf in nationales Recht (Abschlussprüferreformgesetz) um. Die betroffenen börsennotierten Gesellschaften müssen es bis spätestens nach sechs Jahren umsetzen, also 2021. Munich Re startet ein Jahr früher. Aufgrund der relativ langen Vorlaufzeit dürfte es noch eine Weile dauern, bis sich Vorstand und Aufsichtsrat des Rückversicherers für einen neuen Abschlussprüfer entscheiden. Seit April 2017 führt Joachim Wenning den Branchenprimus.Sowohl für Munich Re als auch für KPMG ist der vorgeschriebene Wechsel ein Einschnitt. Seit über 100 Jahren prüft ununterbrochen KPMG beziehungsweise anfangs ihre Vorläuferin, die Deutsche Treuhand-Gesellschaft, die Abschlüsse der Munich Re, welche 1880 gegründet wurde. KPMG ist in Deutschland ein Platzhirsch. Von den Dax 30-Unternehmen prüft die Gesellschaft die Jahresabschlüsse von 18 Konzernen. Darunter befinden sich Vorzeigeadressen wie Adidas, BASF, BMW, Daimler, Deutsche Börse, Infineon und SAP. An zweiter Stelle steht mit acht Mandaten PwC. Die Pflichtrotation der Abschlussprüfer führt dazu, dass die Karten im Dax unter den Wirtschaftsprüfern neu gemischt werden. KPMG verliert ihre Vorherrschaft. Infolge der EU-Vorschrift haben EY und Deloitte nun die Chance aufzuholen. Vermutet wird, dass auf lange Sicht alle vier Anbieter ähnlich viele Mandate haben könnten. Chancen zur KompensationDennoch ist noch unklar, ob es tatsächlich auf einen empfindlichen Rückschlag für KPMG, die notgedrungen Mandate abgeben muss, hinausläuft. Schließlich ermöglicht der Verlust eines Prüfermandats einem Anbieter, für frühere Großkunden künftig verstärkt Beratungsdienste erbringen zu können, welche die EU-Richtlinie dem Abschlussprüfer erschwert. Im vergangenen Jahr verlor KPMG bereits die Allianz (vgl. BZ vom 11.3.2017). Der größte europäische Erstversicherungskonzern vergab das Mandat nach einem langen Auswahlverfahren an PwC, die erstmals die Allianz-Bücher fürs laufende Geschäftsjahr durchleuchtet und testiert. Bei der Deutschen Bank ist das Auswahlverfahren erst angelaufen. Im Markt wurde bereits damit gerechnet, dass die Munich Re die Abschlussprüfung alsbald ausschreibt (vgl. BZ vom 14. Februar). Im Konzerngeschäftsbericht 2016 teilte der Aufsichtsrat gesondert mit, im Prüfungsausschuss unter anderem wichtige Themen wie die “Umsetzung der Anforderungen des Abschlussprüferreformgesetzes” behandelt zu haben.