Munich Re will Gewinn versechsfachen
Munich Re will Gewinn versechsfachen
Nach einem Gewinneinbruch aufgrund verheerender Hurrikan-Schäden will die Munich Re im laufenden Jahr auf das Profitabilitätsniveau von 2016 zurückkehren. Der weltgrößte Rückversicherer steuert einen Überschuss von bis zu 2,5 Mrd. Euro an.sck München – Der Rückversicherer Munich Re will nach dem Gewinneinbruch 2017 im laufenden Jahr wieder ein üppiges Ergebnis einfahren. Die von Vorstandschef Joachim Wenning zur Bilanzvorlage kommunizierte Zielbandbreite von 2,1 bis 2,5 Mrd. Euro entspräche am oberen Rand mehr als dem Sechsfachen des Vorjahresgewinns. 2017 schrumpfte der Überschuss des Branchenprimus um 2,2 Mrd. auf 0,4 Mrd. Euro infolge der Großschäden nach einer Hurrikan-Serie im Spätsommer. Der seit April des vergangenen Jahres amtierende Konzernchef unterlegte seine Strategie der digitalen Transformation erstmals mit einer mittelfristigen Prognose. Bis 2020 will er den Konzernüberschuss auf 2,8 Mrd. Euro steigern. Dazu beitragen soll der bereits im Februar beschlossene Abbau von weltweit rund 900 Stellen im Kerngeschäft Rückversicherung. Wenning kündigte an, mit dieser Maßnahme ungefähr 200 Mill. Euro einsparen zu wollen. Betroffen davon ist zur Hälfte die Konzernzentrale in München. Die Munich Re will dies unter anderem mit Abfindungsangeboten bewerkstelligen. Es bestehe kein Handlungsdruck, sagte Wenning. Der Personalabbau solle die Transformation unterstützen. Zuvor begründete er den Einschnitt mit der zuletzt schwachen Profitabilität des Rückversicherungsgeschäfts. Keine Hurrikan-Prognose Das Zinstief und der Preisdruck setzen der Kernsparte seit Jahren zu. 2017 drückten die Hurrikan-Schäden das Bereichsergebnis um 2,4 Mrd. auf 120 Mill. Euro, während die im Umbau befindliche Erstversicherungstochter Ergo ihr Ergebnis auf 273 Mill. Euro fast versiebenfachte. Im laufenden Jahr strebt der Konzern in der Kernsparte einen Nettogewinn von 1,8 bis 2,2 Mrd. Euro an – vorausgesetzt, dass umfangreiche Großschäden aus Naturkatastrophen, die das Schadensbudget übersteigen, ausbleiben. Der für die Rückversicherungssparte zuständige Vorstand Torsten Jeworrek wollte allerdings keine Prognose über den Verlauf der bevorstehenden Hurrikan-Saison (Juli bis November) abgeben.Die Restrukturierung der Ergo-Gruppe soll nach Wennings Plänen dazu beitragen, bis Ende der Dekade das Konzernergebnis schrittweise zu erhöhen. Infolge der Sanierung von Ergo reduzierte sich im vergangenen Jahr die Zahl der Konzern-Mitarbeiter um mehr als 1 000 auf 42 410. Ergo-Chef Markus Rieß, der auch im Vorstand des Münchner Mutterkonzerns sitzt, sprach von einem planmäßigen Umbau des Erstversicherers. “Es läuft so wie von uns geplant – tendenziell sogar besser.” Er kündigte an, sich von weiteren Auslandseinheiten, die die Renditeanforderungen nicht erfüllen, zu trennen. Jeworrek bekräftigte, im Bereich Rückversicherung in ausgewählten Märkten wachsen zu wollen. Dabei nannte er unter anderem den Agrarsektor in China. Im Segment Deckungen gegen Cyberattacken kündigte er an, die Aktivitäten auf Europa und China ausdehnen zu wollen. Der Markt sei noch “sehr US-lastig”. Risiko “dummes Wachstum” Allerdings will er dabei Fehler der Vergangenheit vermeiden. “Dummes Wachstum schadet”, urteilte Jeworrek. So schließt die Munich Re im Bereich Cyberrisiken in ihren Policen Deckungen gegen Attacken aus, die ganze Branchen, Industrien und sogar Länder lahmlegen können. “Wir zeichnen nicht blind in den Markt hinein.” Vor mehr als zehn Jahr belasteten den Konzern hohe Asbest-Folgeschäden aus dem US-Geschäft in den achtziger Jahren.