Nachhaltigkeit leben - und davon leben

Der Kampf gegen den Klimawandel wird nur gelingen, wenn Unternehmen Nachhaltigkeit in ihren Geschäftsmodellen implementieren

Nachhaltigkeit leben - und davon leben

Millionen von vor allem jungen Menschen haben 2019 dafür gesorgt, dass der Klimaschutz wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist. Es gibt seither kaum ein Unternehmen, das nicht seine Klimaziele in einer Nachhaltigkeitsstrategie formuliert und gegenüber der Öffentlichkeit kommuniziert hat. Auch die BayWa hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 konzernweit klimaneutral zu sein. Die erste Etappe wird schon in diesem Jahr erreicht werden: eine hundertprozentige Abdeckung des eigenen Strombedarfs durch erneuerbare Energien.Aber allein durch die Definition von Klimazielen und eine Wegbeschreibung, diese zu erreichen, ist der Kampf gegen den Klimawandel nicht zu gewinnen. Er wird nur gelingen, wenn Unternehmen das Thema “Nachhaltigkeit” in ihren Geschäftsmodellen implementieren und neue Konzepte entwickeln, die zur CO2- Reduktion beitragen und dabei auch profitabel sind. Die folgenden Beispiele aus dem Energie-, Mobilitäts-, Bau- und Agrarbereich verdeutlichen, was es heißt, Nachhaltigkeit nicht nur zu leben, sondern als Unternehmen auch davon leben zu können. Nachhaltigkeit treibt RenditeAm BayWa-Geschäftsfeld Regenerative Energien lässt sich am eindrucksvollsten nachvollziehen, welch starker Business- und damit Renditetreiber Nachhaltigkeit für ein Unternehmen sein kann. Bei Investorenkonferenzen genießt das Geschäftsmodell in diesem Bereich große Aufmerksamkeit. Der erste BayWa-Green-Bond, der Mitte 2019 ausgegeben wurde, um am Kapitalmarkt das Profil des Konzerns als bedeutender Spieler bei erneuerbaren Energien zu schärfen, war deutlich überzeichnet. Das erwartete Volumen von 500 Mill. Euro – der ersten Green-Bond-Transaktion in Benchmark-Größe eines Unternehmens ohne Rating in Europa – wurde sehr schnell erreicht.Die Konzerntochter BayWa r.e., in der die BayWa als früherer reiner Heizöl-, Kraft- und Schmierstoffhändler 2009 das noch junge Geschäft mit den Erneuerbaren gebündelt hat, bringt mittlerweile den größten Anteil am Konzern-Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern). Damit hat die BayWa r.e. unmittelbar zur Wertsteigerung des Konzerns beigetragen und ist heute ein international erfolgreicher Mitgestalter der Energiewende. Über 3,0 Gigawatt an Kapazitäten aus regenerativen Quellen wurden in den vergangenen zehn Jahren weltweit ans Netz gebracht.Auch in Deutschland ist die gesellschaftliche Zustimmung zum Ausbau der Erneuerbaren seit Jahren hoch, das zeigen immer wieder diverse Umfragen. Gleichzeitig wird das hiesige Finanzierungssystem – über 70 % des Strompreises für deutsche Haushalte bestehen aus Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelten – kritisiert. Nachhaltigkeit zeichnet sich deshalb ebenso dadurch aus, dass die ersten Großanlagen heute schon kostengünstigen Strom ohne Förderung liefern. Dazu gehören auch das Solarkraftwerk Don Rodrigo in Spanien – das erste Projekt dieser Art in Europa – und Barth V, der erste förderfreie Solarpark in Deutschland, der im Herbst 2019 in Betrieb gegangen ist. CO2-optimierte MobilitätDer Einstieg der BayWa in das Geschäft mit erneuerbaren Energien hat 2009 eine Transformation des Konzerns in Gang gesetzt, die sich aufgrund der disruptiven Veränderungen in unserer Gesellschaft auch in anderen Geschäftsbereichen fortsetzt. Beispiel Mobilität: Das klassische Tankstellengeschäft der BayWa war stets ein zuverlässiger Ebit-Bringer. Trotzdem hat sich der Konzern im vergangenen Jahr von seiner Tochter Tessol, die über ein Netz von über 150 Tankstellen verfügt, getrennt, da es kein Zukunftsgeschäft mehr sein wird. Der Fokus der Geschäftseinheit liegt künftig auf CO2-optimierter Mobilität.Im Vordergrund stehen die Elektromobilität, der Aufbau von Ladeinfrastruktur sowie der bundesweite Betrieb von LNG-Tankstellen für den Schwerverkehr. LNG ist verflüssigtes Erdgas, das weniger CO2- und Stickoxid-Emissionen erzeugt als Diesel, bei gleichzeitig geringeren Kraftstoffkosten. Eine der ersten LNG-Tankstellen hierzulande wurde 2019 in Kooperation mit der Volkswagen AG in Wolfsburg gebaut. Der Einsatz von LNG-Lastern ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der VW-Konzernlogistik. Allein in Norddeutschland sollen schon bald mehr als 100 LNG-Lastwagen für Volkswagen fahren.Neben dem Verkehr spielt auch der Gebäudebereich eine wichtige Rolle, um die Klimaziele der Bundesregierung bis 2030 und 2050 zu erreichen. Häuser und Wohnungen sind für rund 30 % der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland verantwortlich, die man durch energetische Sanierung einsparen könnte. In Süddeutschland, dem Kerngebiet von BayWa Baustoffe, sind nur 5 % der vor 1995 errichteten Gebäude vollsaniert. Mit dem Klimapaket der Bundesregierung, das jetzt deutlich bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in Energieeffizienz als bisher aufweist, wird zukünftig der Anteil an energetischen Sanierungen deutlich steigen. Nicht auf alte Standards setzenDabei gilt: Wer in Klimaschutz investiert, sollte nicht auf “alte” Standards setzen, sondern sein Haus gleich zum wohngesunden Energielieferanten machen. Baustoffhändler wie die BayWa, die ihr Profil vom reinen Lieferanten weiterentwickelt und mit bauangrenzenden Bereichen wie Haustechnik, regenerative Energien oder E-Mobilität zu Kundenlösungen verknüpft haben, sind hier im Vorteil: Wer vom schadstoffarmen Baustoff, der nicht nur umweltfreundlich, sondern auch gut fürs Raumklima ist, bis zum “grünen” Energiekonzept alle Aspekte des modernen Bauens und Wohnens abdeckt, hat auch in Zukunft Absatz- und Marktanteile sicher.Die Prozesse im Bauwesen laufen dabei zunehmend komplett digital ab – von der Planung über die Umsetzung auf der Baustelle und, wenn gewollt, bis hin zum Betrieb oder gar Rückbau eines Gebäudes. In Borna südlich von Leipzig entsteht derzeit Deutschlands erste Eigenheimsiedlung, die nach dieser digitalen Methode gebaut wird. Am Hoftor nicht zu EndeAuch in der Landwirtschaft, über deren Rolle beim Klimaschutz seit einiger Zeit wieder verstärkt diskutiert wird, führt an der Digitalisierung kein Weg mehr vorbei. Digital Farming ist die einzige nachhaltige und ressourcenschonende Lösung, um die Welternährung sicherzustellen. Als eine der führenden Branchen bei der Nutzung digitaler Technologien befasst sich die Landwirtschaft seit rund 30 Jahren mit diesem Thema, GPS-gesteuerte Traktoren, die zum Teil autonom zentimetergenau über den Acker fahren, sind längst die Normalität.Nachhaltiges Wirtschaften hört dabei am Hoftor nicht auf, sondern muss sich durch die gesamte Wertschöpfungskette ziehen. Ist zum Beispiel im internationalen Sojahandel sichergestellt, dass Umwelt- und Sozialstandards wie Nulltoleranz gegenüber Regenwald-Abholzung, Landrechte und faire Arbeitsbedingungen eingehalten werden, wie es bei der BayWa Tochter Cefetra der Fall ist? Sind die im Obsthandel verwendeten Verpackungsmaterialien wie beim neuseeländischen Marktführer T&G Global ökologisch nachhaltig? Können auch andernorts bei der Produktion verbrauchte Ressourcen und Pflanzenreste in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden, wie es demnächst in Neusee-land der Fall sein wird?In einer Biogasanlage – der ersten dieser Art des Landes – wird bald Abfall in biogene Energie verwandelt: Pflanzenreste, die in den Gewächshäusern der BayWa-Tochter T&G anfallen, werden zusammen mit Lebensmittelabfällen aus der Region als Rohstoff genutzt, um daraus Energie zu gewinnen. 327 000 Tonnen Lebensmittelabfälle landen jedes Jahr auf den Deponien des Landes – zu wertvoll, um sie nicht für die emissionsarme Strom- oder Wärmeerzeugung zu nutzen. Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG