Bankkredite

Neugeschäft von Wohnkrediten fällt und fällt und fällt

Deutsche Banken und Sparkassen reichen so wenige Wohndarlehen an Privatleute aus wie seit 2010 nicht mehr. Einige Marktbeobachter sehen aber bereits Anzeichen einer Erholung.

Neugeschäft von Wohnkrediten fällt und fällt und fällt

Wohnkreditmarkt stürzt weiter

Mit 12 Mrd. Euro im Monat reichen Banken weniger als halb so viel Geld aus wie ein Jahr zuvor

Deutsche Banken und Sparkassen vergeben so wenige Wohndarlehen an Privatleute wie seit 2010 nicht mehr. Bereits seit neun Monaten in Folge fällt der Absatz ab. Gerade Kredite mit langer Zinsbindung sind nicht mehr gefragt. Einige Marktbeobachter sehen aber bereits Anzeichen einer Erholung.

jsc Frankfurt

Der Absturz des Neugeschäfts von Wohnimmobilienkrediten findet kein Ende: Im Februar reichten deutsche Banken und Sparkassen lediglich 12,1 Mrd. Euro an private Haushalte aus und damit so wenig wie seit 2010 nicht mehr, wie die Deutsche Bundesbank berichtet. Damit fällt das Neugeschäft bereits zum neunten Mal in Folge ab. Im Vergleich zum Februar 2022 brach der Absatz sogar um 54% ein. Nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 2003 ist das Neugeschäft derart tief gestürzt.

In Europa zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. In der Eurozone sank das Neugeschäft binnen Jahresfrist um 39% auf 52,1 Mrd. Euro im Februar, wie die EZB aufschlüsselt. Vor allem die Vergabe von Darlehen mit langer Zinsbindung geht in der Eurozone wie auch in Deutschland zurück, nachdem das Segment in den Vorjahren stark gewachsen war. Kredite mit variablem Zinssatz oder einer Bindung von weniger als einem Jahr sind hingegen ähnlich gefragt wie im Jahr zuvor. Mit 2,1 Mrd. Euro im Februar spielen diese Darlehen in Deutschland allerdings nur eine Nebenrolle.

Der Markt für Wohnimmobilien und die zugehörige Finanzierung befinden sich im Umbruch: Nach dem drastischen Zinsanstieg vor einem Jahr fand auch der langjährige Anstieg der Immobilienpreise ein jähes Ende und kehrte ins Gegenteil um. Im zurückliegenden Schlussquartal fielen die Preise für Wohnimmobilien laut Statistik des Pfandbriefbankenverbands VDP im Vergleich zum dritten Jahresviertel um 1,8% – Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht der Verband am 10. Mai.

Das Zinsniveau für Immobiliendarlehen stieg kräftig: Ausreichungen mit einer Zinsbindung von mehr als zehn Jahren verteuerten sich innerhalb eines Jahres bis Februar um 2,3 Prozentpunkte auf effektiv 3,7% pro Jahr, wie die Bundesbank berichtet. Der Absturz im Neugeschäft fällt auch deshalb so stark aus, weil die steigenden Zinsen vor einem Jahr zu einer Torschlusspanik führten: Im März 2022, als das Zinsniveau bereits zulegte, erreichte das Neugeschäft hierzulande ein Rekordhoch von 32,3 Mrd. Euro.

Frühling in Sicht

Unklar ist bisher, wann sich das Geschäft erholt. Das Internetportal Immoscout 24 macht aber bereits Anzeichen einer Erholung aus: Demnach stiegen die angebotenen Preise für Wohnungen im Startquartal im Vergleich zum vierten Jahresviertel 2022 um 2,3% an, während der Preis für Häuser immerhin minimal zulegte. Zuvor waren die Angebotspreise noch gefallen. Auch die Nachfrage ziehe an. "Kaufinteressierte sollten demnach nicht zu lange auf weiter sinkende Preise spekulieren", erklärt Geschäftsführerin Gesa Crockford. Zu welchen Preisen Immobilien am Ende tatsächlich verkauft werden, erfasst das Portal allerdings nicht.

Auch der Kreditplattformbetreiber Hypoport erwartet eine Erholung: Ende dieses Jahres wird das Finanzierungsvolumen wieder höher ausfallen als ein Jahr zuvor, schreibt das Unternehmen im Geschäftsbericht für das zurückliegende Jahr. Ein Treiber seien dabei gesunkene Immobilienpreise. "Für die Zeit nach 2023 erwartet die Hypoport-Gruppe eine Fortsetzung der seit 2014 vorherrschenden positiven Entwicklung des Neugeschäftsvolumens für private Immobilienfinanzierungen im Gesamtmarkt." Auch die Immobilienpreise werden demnach wieder steigen.

Wertberichtigt Seite 2

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