Nippon-Life-Chef Tsutsui krönt seine Karriere mit DWS-Einstieg
Nippon-Life-Chef Tsutsui krönt seine Karriere mit DWS-Einstieg
Von Martin Fritz, TokioDer Jahresbericht der Deutschen Bank für 2008 zeigt Yoshinobu Tsutsui auf der kompletten Seite 8 im edlen Anzug mit versonnenem Lächeln. “Wir sind seit mehr als 20 Jahren Aktionär der Deutschen Bank”, erklärt der heute 63-jährige Japaner in der Bildunterschrift. “Wir glauben, dass die Deutsche Bank aus der Krise gestärkt hervorgehen wird, und sind entschlossen, an diesem langfristigen Erfolg mit anderen Aktionären teilzuhaben”, ergänzt er. Drei Jahre nach dieser Veröffentlichung wird Tsutsui im April 2011 zum Präsidenten von Nippon Life, in Japan Nissay – die Abkürzung von Nihon Seimei Hoken – genannt, berufen. Danach sollte bei Nissay nichts mehr so sein, wie es vorher war. Aggressive StrategieTsutsui warf die konservative Haltung des 1889 gegründeten Versicherers über Bord und entschied sich für eine aggressive Anlage- und Expansionsstrategie. Dabei reagierte der Manager auf zwei Veränderungen des Geschäftsumfeldes: Erstens ermöglichte eine Deregulierung des Finanzsektors neue Vertriebswege. Dieser Wandel war für Nippon Life eine besondere Herausforderung, da sich das Unternehmen bis dahin fast ausschließlich auf zahllose Vertriebsagenten verließ, während die Rivalen bereits mit Banken und Agenturen zusammenarbeiteten. Zweitens erzwang die extrem expansive Geldpolitik von Notenbankchef Haruhiko Kuroda eine Wende in der Anlagepolitik der Versicherer. Bis April 2013 investierten sie ihre Einnahmen vor allem in japanische Staatsanleihen. Plötzlich brauchten die Konzerne Expertise in ausländischen Anleihen und mussten auf japanische Aktien umschwenken. Nippon Life vollzog die Wende: Zum Jahresende steckten nur noch 33,9 % ihrer Gelder in japanischen Staatsanleihen, aber 31 % in ausländischen Aktien und Anleihen sowie 14,9 % in japanischen Aktien. Zum Erfolg von Tsutsui trugen externe Schocks bei: Die Rivalin Dai-ichi Life, die im September 2009 als erster und einziger der vier großen Lebensversicherer den Börsengang wagte, zog 2014 bei den Prämieneinnahmen am Dauermarktführer Nippon Life vorbei. Außerdem ging im November 2015 die japanische Post samt ihrer Versicherungstochter an die Börse. Wegen ihrer vielen Filialen ist die Post ein omnipräsenter Konkurrent. Darauf reagierte Tsutsui mit einem ehrgeizigen Dreijahresplan, der dann verlängert wurde.Das wichtigste Element seiner Strategie sind geplante Zukäufe über zehn Jahre von bis zu 1,5 Bill. Yen (11,5 Mrd. Euro). Etwa die Hälfte davon hat Tsutsui bereits investiert. Sein Fokus liegt auf dem Ausland und der Vermögensverwaltung. Beides zusammen erklärt sein Engagement bei der deutschen DWS. Tsutsui engagierte sich auch in den USA (TWC Group), in Indien (Reliance Life), in Australien (Lebensversicherungssparte der National Australia Bank) und in Japan (Mitsui Life, Mass Mutual Financial Group). Dadurch näherte er sich den Zielen für 2020 – ein Nettoüberschuss von 70 Mrd. Yen, 14 Millionen Kunden, ein jährliches Prämienplus von 8 % und Eigenkapital von 6,5 Bill. Yen. Nun wird Tsutsui zum 1. April den Vorsitz des Verwaltungsrates übernehmen und seinen Platz für den 56-jährigen Hiroshi Shimizu freimachen. Der will den Expansionskurs seines Vorgängers fortsetzen.