Pandemie senkt die Zahl der Unfälle

Autoversicherer HUK-Coburg rechnet mit weniger Schäden - Rückgang des Neugeschäfts im laufenden Jahr

Pandemie senkt die Zahl der Unfälle

Die HUK-Coburg erwartet in der Autoversicherung 2020 einen spürbaren Rückgang des Neugeschäfts. Vorstandschef Klaus-Jürgen Heitmann begründete dies mit der Coronavirus-Pandemie. Zugleich würden die Schäden sinken. Im vergangenen Jahr versicherte die HUK-Coburg so viele Fahrzeuge neu wie nie zuvor. Der Überschuss stieg auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise.mic München – Die HUK-Coburg rechnet im laufenden Jahr mit einem Rückgang des Neugeschäfts infolge der Coronavirus-Pandemie. Der Versicherer prognostiziert aber eine trotzdem stabile Umsatzbasis, weil auch Kündigungen eher ausbleiben. “Wir erwarten, was unsere Versicherungsbestände angeht, eher geringe Auswirkungen”, sagte Vorstandssprecher Klaus-Jürgen Heitmann auf der telefonisch abgehaltenen Bilanzpressekonferenz. Die HUK-Coburg sei insofern im Vergleich zur produzierenden Industrie in einer besseren Situation. Dies gelte auch im Vergleich zu Versicherern, die viel gewerbliches Geschäft gezeichnet hätten. Eine Prognose 2020 nannte Heitmann mit Verweis auf die Pandemie nicht. Die Kundendienste sämtlicher Außenstellen seien geschlossen, mehr als 90 % der Beschäftigten arbeiteten im Home-Office (siehe Bericht auf dieser Seite). Die 1 600 Werkstätten, die mit der HUK-Coburg eine Partnerschaft eingegangen sind, erhielten bis Mitte des Jahres für jeden Versicherungsfall-Kostenvoranschlag einen zinslosen Vorschuss als Liquiditätsunterstützung. Autogeschäft auf RekordhöheIm Neugeschäft quer durch den Konzern rechnet Heitmann mit einem leichten Rückgang. In der Kernsparte Kfz-Versicherung werde er spürbar ausfallen, auch weil die Autohäuser weitgehend geschlossen seien. Im vergangenen Jahr hatte die HUK-Coburg 1,4 Millionen Autos neu versichert. Dieser Rekordwert hievte die Zahl der versicherten Fahrzeuge von 12,0 Millionen auf 12,4 Millionen Stück per Ende Dezember (siehe Grafik). Darunter sind aktuell 215 000 Telematikkunden. Hinzu kommen 60 000 im Jahresendwechselgeschäft 2019/2020. Die Allianz als Zweitplatzierter hatte 210 000 Autos gewonnen und versichert 8,7 Millionen per Anfang Januar (sie rechnet das Endgeschäft 2019/2020 im Gegensatz zur HUK-Coburg ein).Entlastungen erwartet die HUK-Coburg durch weniger Schadenmeldungen. Im vergangenen Jahr zahlte der Versicherer 3,6 Mrd. Euro an seine Kfz-Kunden. Der verantwortliche Vorstand Jörg Rheinländer sagte, öffentlich zugänglichen Quellen zufolge sei der Autoverkehr nun um rund 30 % zurückgegangen. Er wagte jedoch keine Prognose, wie stark die Schadenquote sinken werde. Operatives Ergebnis sinktOnnen Siems, Geschäftsführer des aktuariellen Beratungsunternehmens MSK, rechnet jedoch mit spürbaren Effekten: “Jede Woche wird sich aktuell mit diesem historisch niedrigen Mobilitätsniveau die Schadenquote um 0,5 bis 1 Prozent verbessern.” Die HUK-Coburg meldete 2019 eine Schadenquote von 89,9 %. Die Schaden-Kosten-Quote lag mit 97,2 % um 0,8 Punkte besser als der Markt – die HUK-Coburg strebt einen Abstand von gut zwei Punkten an. Rheinländer begründete die geringere Differenz unter anderem mit den wettbewerbsorientierten Preisen.Heitmann erwartet allerdings nicht, dass der starke Preiswettbewerb sich nur wegen der Pandemie-Auswirkungen intensivieren wird. Im vergangenen Jahr hatte die HUK-Coburg die Konkurrenz mit Preissenkungen angegriffen, wie die Jahreszahlen zeigen. Obwohl der Bestand der versicherten Fahrzeuge um 3,9 % zulegte, wuchsen die Beitragseinnahmen nur um 2,5 %. Im Jahr zuvor dagegen waren die Einnahmen mit 4,7 % schneller als der Bestand gestiegen, der um 2,7 % zulegte. Letztmals hatten die Beiträge im Jahr 2016 langsamer als der Bestand zugelegt, damals allerdings war der Unterschied nur marginal (4,8 % im Vergleich zu 5,0 %).Heitmann zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem vergangenen Jahr. 2019 sei erfreulich gewesen, der HUK-Coburg-Chef sprach von guten Zahlen. Der Versicherer erhöhte die Beitragseinnahmen um 2,4 % auf 7,8 Mrd. Euro (siehe Tabelle). Das Plus wurde getrieben von der Schaden- und Unfallversicherung und auch unterstützt von der Krankenversicherung, während die Lebensversicherung – unter anderem wegen des Wegfalls eines Kollektivs – einen Umsatzrückgang meldete.Der Gewinn nach Steuern schnellte um 33 % auf 453 Mill. Euro empor. Dies ist der höchste Wert seit der Finanzkrise. Dieser Sprung gelang, obwohl das versicherungstechnische Ergebnis um 10 % auf 364 Mill. Euro sank. Für Rückenwind sorgte einerseits ein um 25 % auf 852 Mill. Euro gestiegenes Kapitalanlageergebnis, das vom Ausbleiben von Wertkorrekturen profitierte. Andererseits sank der Steueraufwand um 17 %, weil investmentsteuerliche Sondereffekte im Vorjahr entfielen.Die Solvabilitätsquote sank um 76 Punkte auf 341 %. Finanzvorständin Sarah Rössler begründete dies mit der Neueinstufung eines Anlagevehikels und der höheren Aktienquote. – Wertberichtigt Seite 6