Philippe Oddo: Von Familie zu Familie
Philippe Oddo: Von Familie zu Familie
Von Werner Rüppel, FrankfurtEinen Banker, auch einen französischen, stellt man sich anders vor. Philippe Oddo, der 57-jährige Inhaber des Pariser Bankhauses Oddo & Cie. und zugleich Vorstandsvorsitzender der neu formierten Gruppe Oddo BHF, tritt auf wie ein Privatbankier alter Schule. Bei seiner Rede vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten strahlt der stets braun gebrannte Oddo französischen Charme aus, vor allem spricht und antwortet er auf Deutsch.Er lobt die “tolle Zusammenarbeit” in der neu geschaffenen Gruppe und verteilt Komplimente. “Die Deutschen haben die beste Industrie in der Welt”, sagt er. Und er zeigt sich vom deutschen Mittelstand beeindruckt, insbesondere von den Familienunternehmen, die Weltspitze seien. Grundsätzlich ist er der Ansicht, dass Familienunternehmen besser als andere Firmen seien, weshalb er auch einen Fonds aus dem eigenen Haus, der auf solche Titel setzt, hervorhebt. Und auch seine eigene Bank begreift er als Familienunternehmen. Damit seien gute Voraussetzungen geschaffen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den deutschen Mittelständlern. Von Familie zu Familie sozusagen.Bei Oddo BHF soll vor allem wieder vom Kunden her gedacht werden und dieser im Mittelpunkt stehen. Bei der alten BHF-Bank habe es zum Beispiel eine Einheit wie das neue achtköpfige Führungskomitee, das auf den Kunden ausgerichtet sei, nicht gegeben, sagt er. Bei all seinen Statements wirkt Philippe Oddo glaubwürdig. Ein Bankier, der Vertrauen ausstrahlt. IT-Kosten gedrücktOddo ist ein Macher, der die Eurozone für sich entdeckt hat. Durch den Kauf von drei deutschen Unternehmen – Seydler, Meriten und BHF-Bank – hat er ein Bankhaus geschaffen, das in Deutschland ebenso stark wie in Frankreich ist. Inzwischen zählt seine Gruppe 1 300 Beschäftigte in Deutschland und 1 000 in Frankreich. “Deutschland und Frankreich stellen zusammen 60 % der Marktkapitalisierung der Eurozone”, rechnet Oddo vor.Mit seiner Gruppe möchte er bei vermögenden Privatkunden, im Assetmanagement und im Bereich Corporates und Markets, im kapitalmarktbezogenen Firmenkundengeschäft also, eine führende Rolle einnehmen. Wobei er nicht seine Bilanz einsetzen will, sprich großzügig Kredite vergeben, das können andere machen. Ohnehin pflege der deutsche Mittelstand nicht nur eine Bankverbindung. Für kapitalmarktbezogene Geschäfte sieht sich Oddo hingegen als der Spezialist. Bei der BHF-Bank hat Oddo bereits viele Hausaufgaben erledigt. So gelang es ihm, durch den Einsatz des eigenen 120-köpfigen Entwicklerteams eine neue IT zu implementieren und damit eine Schwachstelle des Instituts zu beseitigen. “Wir haben die IT-Kosten der BHF-Bank von 30 % der Gesamtkosten auf rund 18 bis 20 % gedrückt”, erklärt Oddo. Vor diesem Hintergrund und weil die Märkte “gut” sind, erwartet Oddo, dass die BHF 2017 wieder ein positives Ergebnis erwirtschaften wird. “So sind unsere Planungen”, erläutert er. Um Austausch bemühtÜberhaupt kümmere er sich mit “Vernunft und Leidenschaft” um sein französisch-deutsches Bankhaus. Er arbeitet dienstags bis donnerstags in Deutschland und nimmt auch stets französische Mitarbeiter mit nach Frankfurt. Umgekehrt sollen auch deutsche Mitarbeiter verstärkt die französische Bank kennenlernen. Bei Oddo BHF werden zwei Sprachen gesprochen: Deutsch und Französisch. “Englisch dient nur als Working Language.”Manch eine Aussage mag man Philippe Oddo aber nicht ganz glauben. Zum Beispiel, wenn er sagt: “Zwischen Deutschen und Franzosen gibt es weniger Unterschiede als zwischen meiner Frau und mir.” Hier kommt mithin auch der Wunsch durch, eine echte deutsch-französische Gruppe zu schaffen. Ähnlich wie in Frankreich können sich nun auch die deutschen Mitarbeiter an der Bank beteiligen. Sie tun es bereits zu 25 % mit einem Investitionsvolumen von im Durchschnitt 10 000 Euro. In Frankreich sind inzwischen schon 65 % der Mitarbeiter Aktionäre. Oddo, der mit 28 Jahren Partner in der familieneigenen Bank wurde, ist niemand, der stehen bleibt. Das Institut soll weiter wachsen. So möchte er neue Talente einstellen. Seine Bank sei so gut finanziert, dass auch weitere Übernahmen möglich seien – zum Beispiel in den Zielregionen Schweiz und Norditalien. Es bleibt abzuwarten, was aus dem Projekt Oddo BHF wird. Aber vielleicht tut der altehrwürdigen BHF-Bank ein dynamischer Bankier wie Philippe Oddo richtig gut.