IM INTERVIEW: PAOLO GRANDI

"Projekt hat strategische Bedeutung"

Vorstandsmitglied von Intesa Sanpaolo zur beabsichtigten Übernahme von Ubi Banca

"Projekt hat strategische Bedeutung"

Die geplante Übernahme der Ubi Banca gestaltet sich für Intesa Sanpaolo schwieriger als erwartet. Dennoch wolle die italienische Großbank an dem Projekt festhalten und die Prämie nicht erhöhen, erklärt Paolo Grandi, Chief Governance Officer von Intesa, im Interview der Börsen-Zeitung. Signor Grandi, es gibt einige Hindernisse auf dem Weg zu der angestrebten Übernahme von Ubi Banca. Rechnen Sie mit kartellrechtlichen Problemen?Wir wollen nicht auf einzelne Aspekte der Prüfung eingehen, aber wir arbeiten intensiv mit den Kartellbehörden zusammen. Intesa Sanpaolo hat immer ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den Regulierungs- und Aufsichtsbehörden gehabt, das von größtem Respekt gekennzeichnet war. So halten wir es auch diesmal. Wir sind überzeugt davon, ein Vorhaben auf den Weg gebracht zu haben, das strategische Bedeutung für das Land und für das italienische und europäische Bankensystem hat – so sehr, dass wir es auch mit einer Zustimmung von 50 % plus einer Aktie zu Ende führen wollen. Teil Ihres Vorschlages ist, in Regionen, in denen es kartellrechtliche Probleme geben könnte, einige Hundert Filialen an die Bank BPER zu verkaufen. Kann BPER die dafür nötige Kapitalerhöhung durchführen?Ich darf daran erinnern, dass die Bedingungen für den Verkauf von Geschäftsstellen an BPER angesichts der Veränderungen auf den Finanzmärkten in den letzten Monaten modifiziert worden sind. Außerdem hat die BPER-Hauptversammlung die für den Erwerb der Filialen nötige Kapitalerhöhung, die von Mediobanca komplett garantiert wird, abgesegnet. Die Integration der Geschäftsstellen nach dem Erwerb ist übrigens im Hinblick auf die Ausführung nicht sonderlich komplex. Ubi wehrt sich auch gerichtlich gegen die Übernahme und nimmt für sich die “Material Adverse Change” in Anspruch, die eine Übernahme im Fall drastischer Veränderungen der Rahmenbedingungen ungültig macht. Haben sich die Bedingungen seit Ihrem Angebot im Februar nicht deutlich verändert?Das sind Themen, über die wir mit der Börsenaufsicht Consob sprechen. Wir wollen uns dazu öffentlich nicht äußern. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Sinnhaftigkeit der Integration von Ubi im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie noch zugenommen hat, und zwar sowohl für die Aktionäre der Intesa Sanpaolo als auch für die von Ubi. Welche Konsequenzen hätte es, wenn nur eine Mehrheit von knapp über 50 % der Ubi-Aktionäre zustimmen sollte?Intesa Sanpaolo könnte alle Vorteile, die wir von dem Projekt erwarten, realisieren. Es würde aber auch heißen, dass nur die Aktionäre von Intesa Sanpaolo die Möglichkeit hätten, Zugang zu den Dividendenchancen zu haben, die diese Operation bietet. Sollte Intesa Sanpaolo nicht die Übernahmeprämie erhöhen?Nein, das werden wir nicht machen. Wie ist die Lage der Intesa Sanpaolo? Erwarten Sie einen deutlichen Anstieg der faulen Kredite?Dank unserer hohen Effizienz, einer Rentabilität, die im europäischen Spitzenfeld liegt und unserer starken und soliden Kapitalsituation sind wir vorbereitet auf diese Situation. Im Hinblick auf die faulen Kredite haben wir bedeutende Fortschritte gemacht und ihr Volumen innerhalb von fünf Jahren halbiert, wobei die Deckungsquote deutlich erhöht wurde. Wir betrachten uns deshalb als gut gerüstet für die Herausforderungen der Nach-Covid-19-Zeit, auch dank eines Puffers zusätzlicher Reserven von 1,5 Mrd. Euro. Das Interview führte Gerhard Bläske.