Provinzial-Eigner üben Schulterschluss
Provinzial-Eigner üben Schulterschluss
Von Antje Kullrich, DüsseldorfDie Nerven liegen blank: Die Fusionsgespräche zwischen Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland befinden sich auf der Zielgeraden, doch die finale Einigung steht immer noch aus. In dieser heiklen Situation haben die vier Eigentümer der Provinzial Nordwest (PNW) die Arbeitnehmerseite scharf attackiert. In einem gemeinsamen Brief werfen sie dem Betriebsratsvorsitzenden und stellvertretenden Aufsichtsratschef der PNW, Wilhelm Beckmann, Falschinformationen und eine Gefährdung des Fusionsprozesses vor.Hintergrund sind Äußerungen Beckmanns auf einer Betriebsversammlung vor einer Woche, auf der er auf Distanz zu den Fusionsplänen gegangen war. Zentrale Forderungen der Beschäftigten seien nicht erfüllt worden. Er hatte zudem die Sorge geäußert, die Verschmelzung der Schaden- und Unfallversicherer beider Partner auf eine Gesellschaft mit Sitz in Düsseldorf könne in Münster Arbeitsplätze kosten. Garantien für die Standorte sollten in einem Staatsvertrag festgehalten werden. In der vergangenen Woche hatten Beschäftigte in Münster und Kiel vor den Verwaltungen der PNW-Töchter protestiert und ihrer Verunsicherung Ausdruck verliehen.”Angesichts der professionellen Arbeit aller Beteiligter enttäuscht es uns sehr, dass Sie in einer so entscheidenden Phase falsche Informationen verbreiten und ohne Sachgrund Unruhe stiften”, heißt es dazu in einem gemeinsamen Brief an Beckmann, den die Chefs der vier Eigner, Liane Buchholz (Sparkassenverband Westfalen-Lippe), Matthias Löb (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), Reinhard Boll (Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein) und Albrecht Veit (Ostdeutscher Sparkassenverband) unterzeichnet haben und der dieser Zeitung vorliegt.Ein Staatsvertrag sei “schlicht unmöglich”, da der fusionierte Konzern eine Aktiengesellschaft sein soll, für die das Aktienrecht gelte. Der öffentliche Auftrag der Provinzial sowie das Bekenntnis zu Standorten und Arbeitsplätzen würden in der neuen Satzung zum Ausdruck kommen. “Es gibt im gesamten Verlauf der aktuellen Gespräche keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass das Schutzniveau der Beschäftigten in Zukunft geringer ausfallen könnte”, schreiben die Anteilseigner. “Die aktuellen Äußerungen des Betriebsrats der Provinzial Nordwest werten wir darum als populistisch. Sie gefährden einen Prozess, der für die Unternehmen und damit auch für die Beschäftigten zukunftsgerichtet ist.” Lange HängepartieDie Unruhe unter den Beschäftigten dürfte jedoch auch von der Dauer des Prozesses befeuert werden. Der bereits 2018 eingeleitete fünfte Anlauf zu einem Zusammenschluss der beiden nordrhein-westfälischen Provinzials sollte eigentlich schon längst erfolgreich abgeschlossen sein. Die Fusion war einst rückwirkend zum 1. Januar 2019 geplant. Der Prozess hängt an Bewertungsfragen. Der Druck ist groß, dass die Beteiligten in den nächsten Tagen zu einer Einigung kommen.