Im GesprächKrik Gunning, Fourthline

Regtech sorgt für Cybersicherheit

Fourthline hat eine Menge Arbeit in ihren Single-API-Zugang gesteckt, der digitale Banken beim Onboarding von Neukunden unterstützt. Solche Spezialisten sind gefragt in Zeiten, wo die Aufseher immer strenger werden.

Regtech sorgt für Cybersicherheit

IM GESPRÄCH: KRIK GUNNING

„Bei Betrugserkennung ist KI heute schon wirkungsvoll“

Von Björn Godenrath, Frankfurt

Der Finanzvorstand von Fourthline drängt mit seinem Fintech auf den deutschen Bankenmarkt

Von Björn Godenrath, Frankfurt

Für eine moderne Compliance brauchen Finanzinstitute Spezialisten aus dem Regtech-Bereich, die vorbeugend dabei helfen, Betrug und Geldwäsche im Digitalbanking zu verhindern. Die BaFin beschreibt Regtech (Regulatory Technology) als Sammelbegriff für den Einsatz von innovativen Technologien zur effektiveren und effizienteren Erfüllung und Dokumentation regulatorischer Pflichten. So werde Regtech beispielsweise eingesetzt im Compliance Management, im Risikomanagement sowie in der Kundenverifizierung.

Das beschreibt ganz gut die Spielfelder, auf denen sich das niederländische Fintech Fourthline tummelt. Von bestehenden und neuen Investoren hatte Fourthline kürzlich eine Finanzierung über 50 Mill. Euro erhalten. „Mit den frischen Mitteln wollen wir die Fähigkeiten der Tech-Plattform weiter ausbauen sowie das Geschäft insbesondere in Deutschland erweitern. Der Plan ist, mit dem Funding ein nachhaltig profitables Unternehmen zu sein. Es sind Stand heute keine weiteren Finanzierungen geplant“, so Fourthline-CEO Krik Gunning im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Das Regtech gilt dabei als Spezialist für den Geldwäscheschutz und Ident-Lösungen, wofür auch KI eingesetzt wird. Nach einer Station bei ABN Amro im Investment Banking ging Gunning 2013 bei dem Fintech Safened an Bord, das einen B2B-Marktplatz für Depositen betreibt. Bei der Suche nach Onboarding-Systemen gab es nichts, was den Ansprüchen so richtig genügte, um die Probleme der Finanzindustrie zu lösen – also fing man an, etwas Eigenes zu entwickeln. Das zweite Standbein entwickelte sich so gut, dass man 2018 einen Spin-off machte und das eigenständige Plattform-Geschäft von Fourthline startete.

Die große Aufgabe: Eine einheitliche Datenstruktur zu bauen, die alle Module von Texterkennung bis Reporting vereint, die dann über eine API zugänglich ist. Darüber werden dann alle EU-Vorschriften abgebildet plus zusätzliche nationale Anforderungen. Ein Vorteil des Single-API-Zugangs sei, dass damit das Manko der Silo-Datenstruktur der Finanzindustrie überwunden werde. „Bei Fourthline werden sechs Datenpools auf einer API zusammengeführt, das ergibt akkuratere und besser zu automatisierende Ergebnisse. Daten aus den alten Silos liefern zu viele ‚False Positives‘, also falsche Verdachtsmeldungen.“

Für ihre Dienste greift Fourthline dabei vor allem auf die Analyse von ID-Dokumenten zurück in zunächst rein digitalen Prozessen. „Der komplette Prozess kann somit vollständig automatisiert werden. Einige Kunden fragen zusätzlich nach einem ‚Human Loop‘, den wir bei Bedarf ebenfalls integrieren können.“

Transparenz stellt Fourthline auch gegenüber den Regulatoren her. „Sie akzeptieren keine Blackbox, und so haben wir denen gegenüber erklärt, wie die im Hintergrund laufenden Modelle bei uns funktionieren.“ In Deutschland hatte Fourthline schon 2018 den ersten Kunden gewonnen – in der Liste stehen heute Namen wie N26, Qonto, Trade Republic, FlatexDegiro und Scalable Capital. „In den Niederlanden gehören auch Banken und Versicherer zu unseren Kunden – und jetzt wollen wir noch stärker in der deutschen Finanzindustrie expandieren. Wir sind vorbereitet und national compliant – haben unser Angebot also auf die deutschen Regularien optimiert.“

Auf Authentizität gescannt

Künstliche Intelligenz wird in den Fourthline-Systemen auf verschiedenen Ebenen eingesetzt. Zum einen unterstützend in biometrischen Systemen. So wird das Ausweisbild mit einem Selfie verglichen. Außerdem scannt ein AI-System das ID-Dokument selbst auf Authentizität. Und schließlich wird AI in der Datenwissenschaft eingesetzt, um neue Betrugsmuster zu erkennen. Seine Sicht auf AI allgemein: „In den letzten drei Monaten ist ein Hype um künstliche Intelligenz entstanden. Man muss im Einzelfall schauen, was es an zusätzlichem Nutzen bietet. Gerade bei der Betrugserkennung und -verhinderung können wir gut sehen, wie wirkungsvoll unterstützende KI schon heute ist.“

Mit einer soliden Finanzierung im Rücken geht der niederländische Regtech-Spezialist Fourthline jetzt noch stärker auf die Zielgruppe Banken zu. Viele Fintechs setzen heute schon auf die Single-API-Plattform, die Kundenidentitäten stark automatisiert scannt. Alte Datenpools liefern zu viele falsche Verdachtsmeldungen.

Krik Gunning war für ABN Ambro in M&A tätig, bevor mit Ivy Roads das erste Mal gründete. Dann ging er zum Fintech Safened, woraus dann 2018 Fourthline in Amsterdam entstand.