Bankenkrise

Regulatoren untersuchen Rolle von Goldman bei SVB-Kollaps

US-Aufsichtsbehörden untersuchen die Rolle von Goldman Sachs vor dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank. Denn das New Yorker Geldhaus beriet den kollabierten Lender zu einer letztlich gescheiterten Kapitalerhöhung – kaufte aber auch dessen Wertpapierportfolio auf.

Regulatoren untersuchen Rolle von Goldman bei SVB-Kollaps

Goldman steht nach SVB-Kollaps im Fokus

Behörden untersuchen Doppelrolle von Geldhaus als Finanzberaterin und Wertpapierkäuferin

xaw New York

Goldman Sachs ist nach dem Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB) in den Fokus der Behörden geraten. Sowohl die Federal Reserve als auch die US-Börsenaufsicht SEC untersuchten die Doppelrolle des New Yorker Geldhauses als Beraterin des Startup-Finanzierers und Käuferin von dessen Wertpapierportfolio, berichtet das “Wall Street Journal” unter Berufung auf Insider. Zudem habe Goldman im Rahmen von Untersuchungen des US-Justizministeriums zur SVB-Krise eine Vorladung erhalten.

Das Geldhaus hatte die Silicon Valley Bank zu einer Anfang März geplanten Kapitalerhöhung beraten. Angeblich empfahl das zuständige Goldman-Team den Kaliforniern, den 21 Mrd. Dollar schweren zum Verkauf verfügbaren Teil seines Wertpapierportfolios zu veräußern, um die Notwendigkeit einer Neuemission von Aktien zu demonstrieren. Diese Darstellung von Insidern deckt sich mit Aussagen des ehemaligen SVB-CEO Greg Becker während einer Senatsanhörung im Mai. Nach Angaben des Ex-Chefs war die SVB zum Ankündigungszeitpunkt der Kapitalerhöhung, also am 8. März, “ausreichend liquide und adäquat kapitalisiert”.

Ursprünglich wollte das kalifornische Kreditinstitut Stamm- und wandelbare Vorzugsaktien im Volumen von 2,25 Mrd. Dollar platzieren, um sich nach einem unerwartet starken Einlagenrückgang und einem 1,8 Mrd. Dollar schweren Verlust aus dem angeblich von Goldman empfohlenen Verkauf von Treasuries und anderen US-Regierungsanleihen mehr Spielraum zu verschaffen. Doch gerade die Ankündigung der Kapitalerhöhung löste eine Investorenpanik und eine noch stärkere Flucht von Einlagenkunden aus. Die Aktienemission scheiterte letztlich, die Silicon Valley Bank geriet am 10. März unter Zwangsverwaltung durch den staatlichen Einlagensicherungsfonds FDIC.

Discount zum Marktwert

Stutzig machte Branchenkenner unterdessen, dass Goldman nicht nur als Beraterin für die SVB-Kapitalerhöhung fungierte, sondern sich eben auch das Wertpapierportfolio des kalifornischen Kreditinstituts zu einem Discount gegenüber Marktwert sicherte. Die Federal Reserve und die SEC prüfen laut “Wall Street Journal” nun, ob es zwischen den zuständigen Investmentbanking- und Trading-Teams von Goldman zu unzulässiger Kommunikation gekommen ist.

Beide Seiten sollen vor dem Deal besorgt gewesen sein, dass die Probleme der SVB, der Regulatoren schwere Mängel im Management von Zinsrisiken bescheinigten, an die Öffentlichkeit dringen und Investoren verschrecken könnten. Deswegen habe Goldman einen Verkauf des SVB-Portfolios an das New Yorker Geldhaus vorgeschlagen, berichten Insider. Das SVB-Management habe darauf beschlossen, das Portfolio keinem größeren potenziellen Käuferkreis anzubieten.

“Goldman Sachs hat die SVB schriftlich darüber informiert, dass wir bei dem Verkauf nicht als Advisor agieren würden, und dass sich SVB in diesem Zusammenhang auf keinerlei Beratung durch die Bank stützen sollte”, teilte das Geldhaus am Freitag auf Anfrage der Börsen-Zeitung mit. Stattdessen habe Goldman dem kalifornischen Lender geraten, eine dritte Partei als Finanzberater hinzuziehen.

In einem aktuellen Statement verweist die Investmentbank auch auf im vergangenen Monat bei der SEC eingereichte Dokumente. Darin hielt Goldman fest, in Verbindung mit Untersuchungen zur Silicon Valley Bank mit “verschiedenen Regierungsorganen” zu kooperieren und diesen Informationen zur Verfügung zu stellen. Darunter fielen auch Angaben zu Geschäftsbeziehungen des Geldhauses zum kollabierten Startup-Finanzierer.

Nach Abschluss der Transaktion begann Goldman wohl im März unmittelbar damit, Teile des Portfolios wieder zu veräußern. Insgesamt rechnet die Investmentbank gemäß Mitteilung von Anfang Mai mit Gewinnen von weniger als 50 Mill. Dollar aus dem Weiterverkauf.