Robo-Advisor Cashboard streicht die Segel

Berliner Start-up hat Insolvenz angemeldet und verhandelt mit Investoren - Böses Omen für junge Branche

Robo-Advisor Cashboard streicht die Segel

Kaum ein anderes Fintech-Segment hat so viele Gründungen angezogen wie das der automatisierten Online-Vermögensberatung. Der Markt für Robo-Advisory im deutschsprachigen Raum ist jetzt schon überbesetzt – und mit der Pleite von Cashboard hat die Auslese begonnen. Dabei haben sich die Berliner wohl verzettelt, weil sie zu viel zu schnell erreichen wollten – und auf fixe Gebühren verzichteten.Von Björn Godenrath, FrankfurtRund 20 automatisierte Anlageberater (Robo-Advisor) gibt es in Deutschland, mit der Berliner Cashboard hat nun das erste Start-up aus diesem Segment der Fintech-Branche die Segel streichen müssen. Das Management um CEO Robert Henker hat kürzlich beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag eingereicht und ist eigenem Bekunden zufolge darum bemüht, Investoren für eine weitere Unterstützung zu gewinnen. Der Geschäftsplan sah vor, nicht vor 2019 profitabel zu werden. Zuletzt wurde über die Wandlung einer Wandelanleihe Ende 2016 Eigenkapital von 3 Mill. Euro hereingeholt, Mitte 2015 waren 2 Mill. Euro an Eigenmitteln zugeflossen.Cashboard hatte 2010 eigentlich als Online-Trading-Plattform angefangen, dann aber vor drei Jahren einen sogenannten Pivot vollzogen und sich auf das Geschäft als Anlageplattform fokussiert. Der Start geriet verheißungsvoll, wurde Cashboard doch mit einem renommierten Start-up-Preis (Noah Conference) ausgezeichnet und dann über TV-Werbung des Anteilseigners ProSiebenSat.1 einem breiten Publikum bekannt – bei der letzten Finanzierungsrunde zog der Medienkonzern aber schon nicht mehr mit.Über die Gründe des zumindest vorläufigen Scheiterns wird in der Branche fleißig spekuliert. Cashboard verzichtete anfangs auf Gebühren für die Vermittlung einer Geldanlage und wollte nur beim Anlageerfolg des Kunden Provision kassieren – die fiel mit 10 % dann aber auch gleich recht happig aus. Die Kundenzahl wurde zuletzt auf “deutlich über 10 000” beziffert. Diesen wurde ein äußerst breites Bouquet von über 6 5000 Anlageprodukten offeriert. Einige Zeit wurden Kunden mit einer Mindestverzinsung von 2 % pro Jahr für Anlagegelder bis 10 000 Euro gelockt. Cashboard griff bei der Portfoliozusammenstellung nicht nur auf ETF zurück und wollte Einnahmen aus Provisionen von Partnerunternehmen generieren, in deren Produkte Kundengelder investiert werden. Ende 2016 war geplant, die Zahl der Mitarbeiter von 30 innerhalb von zwölf Monaten zu verdoppeln sowie ins Ausland zu expandieren, Firmenchef Robert Henker wähnte das Unternehmen auf dem Weg zum Global Player – was ein Schlaglicht wirft auf die ambitionierten PR-Aussagen von Fintech-Gründern.Denn das Investitionsklima für die Fintech-Branche hat sich zuletzt global weiter eingetrübt, auch wenn in Deutschland mit dem Beitrag von Corporate Venture Capital noch ganz ansehnlich Gelder fließen – deutsche Banken und Versicherer haben Nachholbedarf und wollen sich nicht nachsagen lassen, zu zaghaft in die Digitalisierung ihres Geschäfts zu investieren. Allerdings gehen Gelder dann eher in B2B-Modelle. Und Cashboard ist zwar auch Vertriebsplattform für Finanzdienstleister, in erster Linie aber bestrebt, die eigene Marke als B2C-Modell mit eigener Plattform zu etablieren.Der Rechtsanwalt Torsten Martini wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Cashboard bestellt. Die Portfolien wurden unter dem Haftungsdach der HPM Hanseatische Portfoliomanagement angeboten. Partnerbank ist die Comdirect-Tochter Ebase, dort sind die Kundengelder im Rahmen der Einlagensicherung sowie Fondsanteile als Sondervermögen gesetzlich geschützt. Zu den Investoren zählen Digital Space Ventures, Earlybird, Heilemann Ventures und Redalpine Venture Partners. In den gängigen Performance-Vergleichen wie von “brokervergleich.de” hatte Cashboard nicht schlecht abgeschnitten, beim Renditevergleich des “Extra-Magazins” im März wollte Cashboard nicht teilnehmen (siehe Grafik).Beim Buhlen um Kundengelder befinden sich die jungen Robo-Advisor in schwieriger Ausgangslage, drängen doch nun verstärkt auch Direktbanken und Großbanken in dieses Segment vor – und selbst wenn es für Cashboard weitergehen sollte, würde es mit dem Makel des Insolvenzantrags doch schwerfallen, um Vertrauen für das Management von Anlagegeldern zu werben.