DIE ALLIANZ ZIEHT BILANZ

Sachversicherung soll mehr liefern

Prognose zielt auf weitere Gewinnsteigerung

Sachversicherung soll mehr liefern

mic München – Die Allianz setzt die Praxis stetig höherer Gewinnprognosen fort. “Wir haben jetzt vor, in 2020 diesen Weg weiterzugehen”, kündigte Vorstandsvorsitzender Oliver Bäte auf der Jahrespressekonferenz an. Der Versicherer strebt einen operativen Gewinn in der Spannbreite von 11,5 Mrd. Euro bis 12,5 Mrd. Euro an. Der Mittelwert liegt damit 4 % über jenem der Prognose für das Jahr 2019 und 1 % über dem erreichten Wert von 11,9 Mrd. Euro. “Natürlich kann das auch mal passieren, dass wir das nicht schaffen”, sagte Bäte: “Bisher waren wir tüchtig, und wir hatten auch ein bisschen Glück.”An der Börse löste der prognostizierte geringe Gewinnanstieg samt einem unerwartet schwachen Abschneiden der Sachversicherung im vierten Quartal Unsicherheit aus. Der Aktienkurs notierte anfangs 1 % im Minus. Letztlich stieg die Bewertung bis zum Schluss des Xetra-Handels um 1,2 % auf 230,70 Euro. Konservativer AnsatzBäte verteidigte den konservativen Ansatz der Allianz beim Formulieren ihrer Prognose. Es gebe zuweilen den Eindruck, die Allianz staple am Anfang des Jahres etwas tief, sagte er. Aber der Vorstandsvorsitzende verwies auf die Risiken: “Wir haben eine gewisse Entkoppelung zwischen den Börsen und Kapitalmärkten sowie dem politischen und wirtschaftlichen Umfeld.” Das Wirtschaftswachstum schwäche sich durch Handelskonflikte ab, hinzu komme der Einfluss des Coronavirus und des Brexit: “Das alles ist nicht zum Lachen.” Zudem gebe es regulatorische Risiken. Das Fazit von Bäte: “Die Unsicherheit ist relativ groß.”Für den Gewinnanstieg 2020 steht die Schaden- und Unfallversicherung in der Pflicht. Sie soll ihren operativen Gewinn von 5,0 Mrd. Euro auf 5,2 Mrd. Euro bis 6,0 Mrd. Euro steigern. Damit liegt die Oberkante der Bandbreite auf dem Niveau des oberen Endes der Prognose für das Jahr 2019, während die Unterkante im Vorjahr 5,4 Mrd. Euro betragen hatte. Der Mittelwert der aktuellen Prognose entspreche einer kombinierten Schaden- und Kostenquote von 94 (i.V. 95,5) %, sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol.Rückenwind gibt der Sparte der Wegfall von Sonderlasten. Im letzten Jahr musste die Allianz für die Industrieversicherung AGCS Rückstellungen von 600 Mill. Euro bilden, hinzu kamen 75 Mill. Euro für falsch kalkulierte Policen in Spanien. Terzariol forderte aber auch operative Verbesserungen. AGCS und Spanien sollten besser abschneiden. In Frankreich sei er mit einer kombinierten Schaden- und Kostenquote 2019 von 98 % “nicht unbedingt superzufrieden” gewesen. Trotz der 92,4 % sieht er noch Potenzial im Heimatmarkt: “Wir wollen auch in Deutschland ein bisschen besser werden.”In der Lebens- und Krankenversicherung erwartet die Allianz 4,1 bis 4,7 Mrd. Euro nach 4,7 Mrd. Euro im Vorjahr. Terzariol sprach von einer Normalisierung nach Sondereffekten. Wahrscheinlich werde man etwas besser liegen als der Mittelwert von 4,4 Mrd. Euro. In der Vermögensverwaltung, die im Vorjahr bei 2,7 Mrd. Euro landete, strebt die Allianz 2,4 Mrd. Euro bis 3,0 Mrd. Euro an. Bei normalen Verhältnissen an den Kapitalmärkten würde man erwarten, dass die Allianz schon ein bisschen besser liegen werde als 2,7 Mrd. Euro, sagte Terzariol.