Santander rüstet sich für hohe Verluste
Santander rüstet sich für hohe Verluste
ths Madrid – Die spanische Großbank Santander hat für die Folgen der Coronaviruskrise im ersten Quartal 1,6 Mrd. Euro für die Risikovorsorge beiseitegelegt. “Dieser Betrag basiert auf einer ersten Schätzung der Verluste bei Darlehen durch die Krise”, hieß es im Quartalsbericht, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Ob diese Summe am Ende tatsächlich ausreichen wird oder nachgelegt werden muss, könne man angesichts der unvorhersehbaren Lage derzeit nicht sagen, räumte der CEO von Spaniens größter Bank, José Antonio Alvarez, auf einer Online-Pressekonferenz ein.Obwohl die Europäische Zentralbank die Kapitalanforderungen der Banken für die Kreditvergabe angesichts der Pandemie gelockert hat, gehen die Spanier behutsamer vor als andere Geldinstitute. So hat die Deutsche Bank die Risikovorsorge nur um 500 Mill. Euro aufgestockt. Der Aktienkurs von Santander legte am Dienstag um mehr als 4 % zu.Durch die Sonderaufwendung für die Corona-Pandemie sank der Reingewinn von Santander im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 82 % auf 331 Mill. Euro. Ohne die Risikovorsorge und andere Faktoren wäre der Gewinn um 1 % gestiegen, versicherte die Bank. Die Zahlen für die ersten drei Monate sind wenig von der Pandemie betroffen, da deren Folgen in Europa erst ab Mitte März zu spüren waren und in Amerika noch später erschienen.Das hat sich im Laufe des April geändert. “Wir haben eine sehr starke Nachfrage nach Krediten von Unternehmen”, berichtete Alvarez. Im April habe die Bank im Schnitt pro Tag Darlehen an Großkonzerne und Kleinbetriebe in Höhe von 1,1 Mrd. Euro vergeben, etwa doppelt so viel wie im Februar. In Europa, “angetrieben von Spanien und Portugal”, sei die Kreditvergabe an die Wirtschaft sogar von täglich 209 Mill. Euro im Februar auf 873 Mill. gestiegen. Dabei helfen auch die staatlichen Bürgschaften, die viele Regierungen in Reaktion auf die Krise zugesagt haben.Auf der anderen Seite ist die Nachfrage bei Hypotheken und Verbraucherkrediten seit Ausbruch der Pandemie in Europa eingebrochen. In Spanien haben zudem bislang 8 % der Kunden eine gesetzlich geregelte Stundung der Hypothekenzahlungen beantragt. In Großbritannien sind es sogar 15 %. Die Sparte Santander Consumer Finance (SCF) leidet unter der eingebrochenen Nachfrage nach Autos. In Spanien und Italien ist das Geschäft von SCF deutlich stärker geschrumpft als in Deutschland und den nördlichen Ländern. Santander gehe aus einer “sehr soliden Lage” in die Krise, versicherte Alvarez. So sank der Anteil fauler Kredite bis März auf 3,25 %. Die harte Eigenkapitalquote ging gegenüber Dezember nur leicht auf 11,58 % zurück, auch weil die Spanier als eine der ersten Banken in Europa die Zahlung der Restdividende für 2019 und die Ausschüttung für das laufende Jahr aussetzten.Im operativen Geschäft machte sich einmal mehr die geografische Diversifizierung bemerkbar. Während in Europa, das 41 % zum Konzerngewinn beitrug, die Geschäfte aufgrund der Negativzinsen rückläufig waren, verzeichnete Santander in Nord- und Südamerika deutliche Zuwächse. In Brasilien, dem wichtigsten Markt der Spanier, legte der Gewinn um 10 % auf 694 Mill. Euro zu. Im spanischen Heimatmarkt verdiente Santander dagegen mit 352 Mill. Euro 1 % weniger als vor einem Jahr. Alvarez betonte, dass die Bank Kurzarbeit und Filialschließungen vermeiden wolle.