Sparkassen treiben Provinzial-Fusion
Sparkassen treiben Provinzial-Fusion
Die Provinzial-Versicherer in Nordrhein-Westfalen und ihre Eigentümer starten einen weiteren Fusionsversuch. Die neue westfälische Sparkassenchefin Liane Buchholz wirbt für die regulatorische Datenfabrik und sieht weiteren Kapitalbedarf von 500 Mill. Euro bei ihren Instituten bis 2022.ak Münster – Die Eigentümer der Provinzial-Versicherer in Nordrhein-Westfalen reden intensiv über eine Fusion. Die westfälische Sparkassenpräsidentin Liane Buchholz bezeichnete die Gespräche am Mittwoch in Münster als weit fortgeschritten. “Ich glaube, dass sich an dieser Stelle in diesem Jahr etwas tun wird.” Sie sehe derzeit keine Hindernisse. “Die Digitalisierung verlangt nach größeren Einheiten”, argumentierte Buchholz, die seit April 2017 den Sparkassenverband Westfalen-Lippe (SVWL) führt. Es ist der fünfte Anlauf für einen Zusammenschluss zwischen der Provinzial Nordwest in Münster als Nummer 2 der öffentlichen Versicherer und der Provinzial Rheinland in Düsseldorf als Nummer 4. Wenn beide zusammenkämen, würde das fusionierte Unternehmen Platz 7 in der deutschen Versicherungslandschaft einnehmen. Nach vier gescheiterten Versuchen ist sich Buchholz der Sensibilität des Themas Fusion jedoch bewusst. “Man sollte das zarte Pflänzchen nicht unter einem Zeitdruck kaputthauen.”Viel Ausdauer wird Buchholz auch bei einem anderen, von ihr stark propagierten Projekt brauchen: Die 53-Jährige spricht sich für eine regulatorische Datenfabrik aus, um die Kosten für Regulatorik zu senken. 20 Mill. Euro, so ihre Rechnung, könnten die westfälischen Sparkassen sparen. Bundesweit wären das für die rote Gruppe rund 160 Mill. Euro. Mit der Datenfabrik würden die Institute an die Aufseher keine fertigen Abfrageergebnisse mehr liefern, sondern ihre einzelgeschäftlichen Daten in die Datenfabrik geben, aus der sich der Regulator auf der anderen Seite das ziehen könnte, was er an Informationen benötigt. Buchholz sieht Einigkeit in der Sparkassengruppe. Die Kollegen in den anderen Regionalverbänden teilten die Ansicht, dass eine Datenfabrik sinnvoll sei. Zeithorizont und Kosten bleiben aber vage: “Vor wenigen Tagen hätte ich noch gesagt, in fünf Jahren könnten wir so weit sein, aber jetzt bin ich vorsichtiger”, sagte Buchholz. Auch die notwendigen Investitionen wollte sie nicht beziffern. Ein Standard für eine regulatorische Datensprache müsse noch gefunden werden, begründete die Sparkassenpräsidentin das gedrosselte Tempo.Die regulatorischen Anforderungen halten die westfälischen Sparkassen weiter auf Trab. “Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2022 mindestens 18 % Eigenkapitalquote vorhalten müssen”, rechnete Buchholz vor. Das bedeute, dass ein Viertel der Institute weiteres Kapital bilden müsse. Dafür seien fast 500 Mill. Euro zusätzlich nötig. Die westfälischen Sparkassen könnten auf ihre Reserven zurückgreifen und sie in Eigenkapital umwandeln, sagte Buchholz auf die Frage, woher die Mittel kommen sollten.Die aktuelle Ergebnislage stellt sich leicht schrumpfend dar. Die westfälischen Sparkassen sind beim Betriebsergebnis vor Bewertung mit 0,99 % der durchschnittlichen Bilanzsumme erstmals unter 1 % gerutscht. Buchholz betonte, dass die Institute in Westfalen-Lippe damit jedoch deutlich besser abschnitten als die gesamte Sparkassengruppe (0,84 %) und sich der Abstand 2017 auch nochmals vergrößert habe. Der sinkende Zinsüberschuss sei durch ein höheres Provisionsergebnis und Kosteneinsparungen nahezu kompensiert worden, hieß es. So haben die westfälischen Sparkassen ihren Vertrieb von Investmentfonds im vergangenen Jahr fast verdoppelt.Die Konsolidierung im öffentlichen Lager ist auch in der westfälischen Provinz vorangeschritten: Vier Zusammenschlüsse gab es im Laufe des vergangenen Jahres, zwei Fusionen fanden zum 1. Januar 2018 statt, so dass derzeit 61 Sparkassen dem SVWL angehören. Weitere Fusionen zeichneten sich derzeit nicht ab, erläuterte Buchholz. Die wirtschaftliche Notwendigkeit sei nicht gegeben. Alle Sparkassen stünden sehr gesund da.