Standard Chartered schafft kaum Ertragswachstum

Vorsteuerergebnis dank niedriger Wertberichtigungen mehr als verdoppelt - Neue Retail-Chefin

Standard Chartered schafft kaum Ertragswachstum

hip London – Standard Chartered hat das Vorsteuerergebnis im abgelaufenen Quartal zwar dank niedrigerer Wertberichtigungen mehr als verdoppelt. Wie das britische Institut, das den Großteil seines Geschäfts in Asien hat, mitteilt, stiegen die Erträge aber nur marginal auf 3,59 (3,47) Mrd. Dollar. Damit lagen sie etwas unter den Analystenschätzungen. Nach Schätzung des Jefferies-Analysten Joseph Dickerson muss die Bank im laufenden Quartal nun mindestens 3,71 Mrd. Dollar erreichen, um den Markterwartungen gerecht zu werden. Dividende nicht in AussichtZudem gab es keine Hinweise auf eine baldige Wiederaufnahme der Ausschüttungen an die Aktionäre. Chief Executive Bill Winters, der einst bei J.P. Morgan als möglicher Nachfolger von Jamie Dimon gehandelt wurde, hatte die Dividende nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren erst gekürzt und dann gestrichen. Die Bank war zu einem harten Sparkurs gezwungen, nachdem die Kosten im vergangenen Jahrzehnt angesichts zweistelliger Wachstumsraten vernachlässigt worden waren.”Aus unserer Sicht ist das Hauptanliegen der Anleger, dass sie wieder Ertragswachstum sehen wollen”, sagte der Investec-Bankenexperte Ian Gordon. “Aber es gibt keins.” Das bereinigte Vorsteuerergebnis erreichte 814 (i.V. 458) Mill. Dollar. Analysten hatten im Schnitt 861 Mill. Dollar auf der Rechnung. Das ausgewiesene Vorsteuerergebnis verdoppelte sich auf 774 (317) Mill. Dollar. Die Wertberichtigungen auf Problemkredite schmolzen auf 348 (596) Mill. Dollar ab. Die Kernkapitalquote lag wie zu Jahresbeginn bei 13,6 % und damit über dem selbst gesteckten Ziel von 13 %. Zum Ende des ersten Halbjahres hatte sie aber bereits 13,8 % erreicht. Allerdings sorgten regulatorische Veränderungen für einen Anstieg der risikogewichteten Assets (RWA). Standard Chartered geht davon aus, dass die Anwendung von IFRS 9 ab dem kommenden Jahr zu einer Reduzierung der Kernkapitalquote um 10 bis 20 Basispunkten führen wird. Analyst Nicholas Hyett von Hargreaves Lansdown äußerte vor diesem Hintergrund Verständnis für die vorsichtige Herangehensweise des Boards an das Thema Dividende.Zum Ausblick äußerte sich das Institut verhalten optimistisch: “Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in unseren Märkten verbessern sich langsam, aber der Wettbewerb ist stark, und die geopolitischen Spannungen bleiben hoch.” Der von Winters betriebene Umbau der Führungsebene ist offenbar noch nicht abgeschlossen. Wie separat mitgeteilt wurde, wird die Chefin des Retailgeschäfts, Karen Fawcett, ihr Amt nach nur zwei Jahren niederlegen. Unter ihrer Führung hatte sich die Rentabilität der Sparte erhöht, nicht zuletzt dank niedrigerer Wertberichtigungen in Südkorea. Ihre Aufgaben werden Ende des Monats von Ben Hung übernommen, der das Geschäft der Bank in “Greater China” und Nordasien führt. Judy Hsu, bislang Statthalterin in Singapur, wird die Führung für Südost- und Südasien übertragen. Tracey McDermott, Ex-Chefin der britischen Financial Conduct Authority, wird künftig auch für Marke und Marketing der Bank verantwortlich zeichnen.