Streit um Dividenden

UBS nimmt ultimative Aufforderung der Aufsicht "zur Kenntnis"

Streit um Dividenden

Die Schweizer Großbank UBS hält an ihrer Absicht fest, für 2019 eine Dividende auszuschütten. Damit steht sie im Widerspruch zur Finanzaufsicht Finma, die die Banken aufforderte, besser ein zusätzliches Kapitalpolster anzulegen. Ob die Finma die Ausschüttung explizit verbieten kann, ist offen. dz Zürich – Noch vor wenigen Wochen rechneten Ökonomen für 2020 mit einem Weltwirtschaftswachstum von um die 3 %. Jetzt erwarten die meisten ein Minus von etwa 1 %. “Die Differenz bedeutet über den Daumen geschätzt, dass die Unternehmensgewinne 2020 im weltweiten Schnitt etwa um 20 % sinken werden”, sagt Anastassios Frangulidis, Investmentchef der Genfer Privatbank Pictet. “Es ist deshalb nur ein Gebot der Vorsicht, wenn Firmen bei der Ausschüttung von Dividenden jetzt vorsichtiger werden.”Rundum streichen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen ihren Aktionären den jährlichen Anteil am Unternehmensgewinn. Die Liste wird täglich länger – auch in der Schweiz. Nur von den Banken kommen keine entsprechenden Signale – ganz im Gegenteil: Am Montag erhielten die UBS-Eigentümer die Einladung zur diesjährigen Generalversammlung. Darin heißt es: “Wie bereits kommuniziert, beantragt der Verwaltungsrat der UBS für das Geschäftsjahr 2019 eine ordentliche Dividende von 0,73 Dollar pro Aktie.”Dabei hatte Mark Branson, Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, die Kreditinstitute noch in der Woche zuvor zur Besonnenheit in Sachen Dividenden aufgerufen. Die Banken sollten sich für die Zeit der Coronakrise besser ein zusätzliches Polster anlegen, statt Gewinne auszuschütten. Branson ermahnte die Banken im gleichen Atemzug, mit dem er ihnen auch beträchtliche Erleichterungen bei der Eigenmittelunterlegung gewährt hatte. Die Erleichterungen zielen darauf ab, den Banken kurzfristig eine Ausweitung der Ausleihungskapazität zu ermöglichen. Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden Plans, mit dem die Regierung die Folgen der Coronakrise abfedern will. Am Freitag erhielt Branson von höchster staatlicher Stelle Unterstützung für seinen Rat zum Dividendenverzicht. UnbeeindrucktDie UBS zeigte sich davon aber offensichtlich unbeeindruckt. Sie will ihren Aktionären in diesem Frühjahr 2,6 Mrd. Dollar ausschütten. Am 31. März legte die Finma nach: “Banken, deren Generalversammlungen nach dem 25. März 2020 eine Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2019 beschlossen haben oder beschließen sollen, werden die, durch die Erleichterung freigesetzten, Eigenmittel im Umfang der vorgenommenen oder geplanten Ausschüttung gekürzt”, stellte sie klar.Bei der UBS nimmt man die Mitteilung “zur Kenntnis”. Einen Gesinnungswandel scheint sie nicht zu bewirken. Die Credit Suisse lässt die Finma-Ankündigung unkommentiert. Ihr würde eine Dividendenkürzung wohl leichter fallen, denn der Hauptteil ihres Ausschüttungsprogramms ist ein Aktienrückkauf, der ohnehin schon auf Eis gelegt ist. Die geplante Dividendenzahlung beträgt knapp 700 Mill. sfr.Gestern wiederholte Branson seine Mahnung in einem Radiointerview: “Wir wollen nicht später im Jahr feststellen müssen, dass wir diese Mittel doch gebraucht hätten.” Natürlich sei es letztlich eine unternehmerische Entscheidung Gelder auszuschütten, solange die Mittel nicht knapp würden, und es sei auch keine einfache Entscheidung, weil auch die Aktionäre Erwartungen und Bedürfnisse hätten, räumte er ein.Offenbar haben die Behörden auch keine rechtliche Handhabe, um den Banken Dividendenzahlungen zu untersagen. Die rechtliche Frage scheint allerdings von einiger Komplexität zu sein. Eine erfahrene Bankenrechtsexpertin und Leiterin eines entsprechenden Universitätsinstituts in der Schweiz sah sich auf Anfrage nicht in der Lage, die Frage schnell und schlüssig zu beantworten.