Stühlerücken bei Chinas Bankriesen
Stühlerücken bei Chinas Bankriesen
Von Norbert Hellmann, SchanghaiIm Kreis der vier großen von Chinas Zentralregierung direkt kontrollierten Geldhäuser deutet sich ein neues Revirement auf Spitzenpositionen an. Wie am Dienstag aus einer Mitteilung der Bank of China (BOC), des viertgrößten Kreditinstituts des Landes, verlautete, wird der bisherige Chairman Tian Guoli (57) von Chen Siqing (57) ersetzt, der im Rang eines President bislang auf Platz 2 in der Hierarchie der BOC steht.Der intern geregelte Wechsel an der Spitze der Bank of China dürfte der Vorbereitung eines anstehenden Wechsels in der Chefposition des zweitgrößten chinesischen Kreditinstituts China Construction Bank (CCB) dienen. Dort steht der Chairman Wang Hongzhang altersbedingt demnächst für einen Rückzug in den Ruhestand an. Der Abtritt von Tian bei der BOC gilt als starkes Indiz dafür, dass er in Kürze den Chairman-Posten bei der vor allem im Realkreditgeschäft stark aufgestellten CCB übernimmt. Politische RochadenDie Besetzungen der Chefposten bei den größten chinesischen Banken wie auch anderen bedeutenden Staatsunternehmen im Reich der Mitte sind in der Regel eine politische Angelegenheit, bei der des Öfteren Spitzenkräfte zwischen Branchenriesen wechseln. Gleichzeitig kommt es aber immer wieder zu Rochaden, wenn Chefs von Bankkonzernen auf einen hohen Posten bei einer der Finanzregulierungsbehörden oder auch bei der Zentralbank wechseln.Tian Guoli war seines Zeichens im Mai 2013 vom Staatskonglomerat Citic Group, zu dem auch die Citic Bank gehört, auf den Chairman-Posten der Bank of China gerückt, als deren langjähriger Chef Xiao Gang zum Chairman der Wertpapieraufsichtsbehörde China Securities Regulatory Commission (CSRC) berufen wurde. Dort machte Xiao allerdings vor allem im Zusammenhang mit Chinas Aktienmarktkrise im Jahr 2015 eine eher unglückliche Figur.Xiao wurde im Februar 2016 abberufen. Sein Nachfolger an der Spitze der CSRC kam dann aber ebenfalls aus dem Quartett der chinesischen Staatsbankenriesen. So wurde der Chef der Agricultural Bank of China (ABC), Liu Shiyu (55), auf den Spitzenposten bei der CSRC beordert. Im Juni 2016 machte dann beim Branchenführer Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) der wohl international bekannteste chinesische Großbanker Jiang Jianqing (64) Platz auf dem Chefsessel für den noch relativ jungen ICBC-Präsidenten Yi Huiman (52).Mit den Neubesetzungen bei der ICBC wie auch der Agricultural Bank im vergangenen Jahr stand zuletzt nur noch eine Regelung für die Nachfolge bei der China Construction Bank aus. Dabei gilt es vom Timing her, die Rochade noch vor dem großen Parteikongress im Oktober, der die Weichen für die politischen Spitzenbesetzungen in den kommenden fünf Jahren stellen wird, über die Bühne zu bringen.Der künftige CCB-Chef Tian gilt als ein profilierter Banker, der vor seiner Zeit bei der Citic Group die Führungsposition beim staatlichen Kreditaufkäufer China Cinda Asset Management (Cinda) innehatte, also einer der sogenannten chinesischen Bad Banks. Ende der 90er Jahre hatte er auch schon in Diensten der CCB gestanden und es dort bis zum Assistant President gebracht.Dabei war Tian ein enger Mitarbeiter des damaligen CCB-Präsidenten Wang Qishan, der als Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros zum obersten Führungskreis des chinesischen Staates gehört und gegenwärtig die auch das Finanzgewerbe breit erfassende chinesische Antikorruptionskampagne anführt.Tians Nachfolger Chen Siqing wiederum ist ein erfahrener BOC-Banker, der seit 27 Jahren in Diensten des Hauses steht und dabei auch als Head of Risk Management fungierte. Damit stehen nun sowohl bei CCB als auch BOC künftig Banker in der Verantwortung, deren Profil gut in Zeiten einer Finanzstabilitätskampagne der Regierung passt.