Thiam trifft der Unmut der Stimmrechtsberater
Thiam trifft der Unmut der Stimmrechtsberater
Von Bernd Neubacher, FrankfurtTidjane Thiam und Urs Rohner, Chef und Verwaltungsratspräsident von Credit Suisse, steuern die Großbank von einer Strategie- in eine ausgewachsene Vergütungsdebatte. Wenige Wochen nachdem die Bank ihren Verlust im vergangenen Jahr wegen eines 300 Mill. sfr schweren US-Hypothekenvergleichs auf 2,7 Mrd. sfr hatte heraufkorrigieren müssen, hat die Führung der Gesellschaft mit ihren Vergütungsplänen eine Aktionärsrevolte heraufbeschworen, die auch eine Bonusreduktion bis zur Hauptversammlung am Freitag kommender Woche offenbar nicht mehr wird befrieden können.Wie Reuters am Dienstag aus einer Nachricht des Stimmrechtsberaters Institutional Shareholder Services (ISS) zitierte, empfiehlt die Organisation den Anteilseignern der Bank, auch nach einer überraschenden Kürzung der Boni vor wenigen Tagen die variable Vergütung für die Geschäftsleitung und die Entlohnung des Verwaltungsrats auf der Aktionärsversammlung abzulehnen. Auch Glass Lewis reicht die in der Nacht zu Karfreitag angekündigte Kappung der Jahresvergütungen nicht aus, wie es im Schweizer Fernsehen heißt. Der Schritt reiche nicht, wird dort aus einem aktuellen Bericht des Aktionärsvertreters zitiert.Damit dürften sich die von Verwaltungsratspräsident Rohner gehegten Hoffnungen auf eine ruhige Hauptversammlung zerschlagen. Er habe von Aktionären sehr positive Rückmeldungen erhalten, hatte er nach der Boni-Reduktion der “NZZ am Sonntag” gesagt. Ein Drittel des AktienkapitalsNachdem ISS, Glass Lewis sowie Ethos, die zusammen gut ein Drittel des Aktienkapitals vertreten, den Aktionären die Ablehnung sämtlicher Vergütungsanträge empfohlen hatten, hatte Credit Suisse vor Ostern mit der Nachricht überrascht, Thiam und die Geschäftsleitung hätten dem Verwaltungsrat vorgeschlagen, die vom Aufsichtsgremium zugeteilten Boni um 40 % zu kappen. Auch habe der Verwaltungsrat beschlossen, seine eigene Vergütung auf dem Niveau von 2015 und 2016 zu belassen und auf eine vorgesehene Erhöhung für 2017 zu verzichten.Ursprünglich hatte Konzernchef Thiam 11,9 Mill. sfr verdienen sollen nach 18,9 Mill. im Jahr davor, nun sind es immerhin noch 10,2 Mill. sfr. Zumindest die Berater der Anteilseigner hat dies nicht besänftigen können. Die Bank hätte gewarnt sein können: Schon auf der Hauptversammlung 2016 hatten sich rund 18 % der Aktionäre gegen die Vergütungen der Führungsriege ausgesprochen. Ein weiterer VerbündeterFür Werner Klein, Inhaber und Managing Consultant des Vergütungsberatungshauses Compgovernance, zeigt der Fall Credit Suisse, dass Gesetzgeber und Aufsicht in den Stimmrechtsberatern einen weiteren Verbündeten bei ihren Interventionen gegen unangemessene Managervergütung in Banken gefunden haben. Zugleich belege die Entwicklung bei der Bank, “dass es immer noch nicht in der Unternehmenskultur aller großen internationalen Geschäftsbanken verankert ist, dass signifikante Boni auch signifikante Ergebnisse voraussetzen”.Thiam trifft die Vergütungsdebatte in einer Zeit, in der auch die Frage nach dem Erfolg der Strategie des seit 2015 amtierenden CEO noch nicht beantwortet ist. In den beiden vergangenen Jahren hat die Bank im Zuge groß angelegter Umbauten jeweils Milliardenverluste ausgewiesen. Angetreten war Thiam mit dem Plan, das Investment Banking zu reduzieren und Wachstum in Asien sowie im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft zu forcieren, was er mit Hilfe von Kostensenkungen und der Freisetzung von Kapital in auslaufenden Geschäftsbereichen finanzieren wollte. Nicht immer aber lässt Thiam seinen Worten Taten folgen. So ist die avisierte Teilöffnung des Schweizer Geschäfts für Drittinvestoren via Börsengang auch 18 Monate nach deren Ankündigung noch immer offen. In Investorenkreisen wurde zuletzt erwartet, dass die Entscheidung für oder gegen ein IPO bis zur Hauptversammlung fallen werde.