KOMMENTAR

Tod der Investmentbanken

Börsen-Zeitung, 21.2.2020 Als die Finanzkrise auf ihrem Höhepunkt war, Lehman kollabierte und Merrill Lynch in die Arme der Bank of America flüchtete, schienen auch die Tage der großen Wall-Street-Häuser Goldman Sachs und Morgan Stanley gezählt zu...

Tod der Investmentbanken

Als die Finanzkrise auf ihrem Höhepunkt war, Lehman kollabierte und Merrill Lynch in die Arme der Bank of America flüchtete, schienen auch die Tage der großen Wall-Street-Häuser Goldman Sachs und Morgan Stanley gezählt zu sein. Mehr als zehn Jahre später existieren die beiden Rivalen zwar immer noch als unabhängige Häuser. Aber das Geschäftsmodell ist im Wandel. Nach der Nahtod-Erfahrung der Krise und den regulatorischen Beschränkungen für den einst lukrativen Wertpapierhandel entdecken die Banken die Privatkunden. Goldman Sachs, eigentlich bekannt als Berater von Großkonzernen und superreichen Privatkunden, baut eine Online-Bank für Joe Six-Pack, den amerikanischen Otto Normalverbraucher. Bei Morgan Stanley ist es ähnlich. Unter Vorstandschef James Gorman hatte die Bank zunächst das Wertpapiergeschäft für vermögende Privatleute ausgebaut. Mit E-Trade kommt nun ein Discounter dazu, der mit zockenden Tageshändlern und skurrilen Werbespots groß geworden ist – in einer umkämpften Branche. Die alte Zeit der Wall Street ist derweil vorbei. nok