Total-Return-Management in Zeiten der Zinswende

Strategien für eine breit diversifizierte und robuste Asset-Allokation mit einem permanenten Risikomanagement

Total-Return-Management in Zeiten der Zinswende

Das Marktumfeld für institutionelle Investoren bleibt herausfordernd. Es ist geprägt von politischen Unsicherheiten, einer hohen Volatilität der Märkte sowie einem steigenden Regulierungsdruck. Ein sich abzeichnendes Ende des Ultra-Niedrigzinsumfeldes und die Erwartung einer zukünftigen, möglicherweise über mehrere Jahre hinweg ansteigenden Zinsentwicklung erfordern eine dringend notwendige Modifizierung bislang erfolgreicher Investmentstrategien und Denkmuster. Insbesondere konservativ ausgerichtete Investoren im Fixed-Income-Bereich laufen Gefahr, in dem skizzierten Umfeld schmerzhafte Kursverluste zu erleiden. Risikoreichere Assets nötigWer aktuell konkrete Renditevorgaben erreichen möchte beziehungsweise muss, kommt an Investments in risikoreichere Assets nicht vorbei. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Investmentstrategie. Anlagekonzepte mit risikobehafteten Assetklassen erfordern eine robuste Asset-Allokation und ein umfangreiches Risikomanagement. Ziel dabei ist, in allen Marktphasen durch aktives Management und konsequente Risikosteuerung einen positiven Ertrag zu erzielen.Wie lassen sich solche Portfolien in einer Total-Return-Strategie um-setzen? Letztlich basiert hier die langfristige strategische Asset-Allokation auf zwei Dimensionen: erstens auf einer breiten und global ausgerichteten Diversifikation der Assetklassen sowie zweitens auf einem systematischen und permanenten Risikomanagement. Hinzu kommen kundenindividuelle Restriktionen beziehungsweise Vorgaben, die im Optimierungsverfahren von Anfang an zu berücksichtigen sind. Hierzu zählen zum Beispiel aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen, die Risikotragfähigkeit sowie vorgegebene Ziele, die sich beispielsweise an Auszahlungsverpflichtungen einer Organisation oder Institution orientieren.Ausgangspunkt des Investmentprozesses ist demnach eine langfristige Vermögensaufteilung, die bestimmte Rendite- und Risikoanforderungen, regulatorische Rahmenbedingungen sowie kundenindividuelle Anlagerestriktionen erfüllt. Daraus lässt sich ein Risikobudget ableiten, das Verluste begrenzen und gewährleisten soll, dass das individuelle Risikoprofil des institutionellen Investors bei allen Entscheidungen im Fonds stets beachtet wird. Ausgehend vom ermittelten Risikobudget wird ein Value-at-Risk als Zielgröße ermittelt, der das maximal zulässige Risikopotenzial im Portfolio definiert. Der Value-at-Risk sowie die vereinbarte Zielrendite setzen die Rahmenbedingungen für die strategische Asset-Allokation.Zur Ermittlung beziehungsweise Optimierung einer konkreten Multi-Asset-Allokation in einem Total-Return-Ansatz gibt es zahlreiche Methoden, die sich in der Finanzmarkttheorie wiederfinden. Hierzu zählt beispielsweise die klassische Optimierung nach einem von Harry M. Markowitz entwickelten Verfahren, das aber in der Regel zu einer wenig ausgewogenen Portfolioallokation führt.Einen anderen Weg beschreibt ein Optimierungsverfahren auf der Basis von Korrelationsnetzwerken, das in der BayernInvest favorisiert wird und das auf maximale Portfolio-Diversität zielt. Ausgehend von einem umfassenden Ausblick auf globale makroökonomische Kennzahlen, Ereignisse und Zusammenhänge wird jede Assetklasse in einem Scoring-Verfahren bewertet. Die Scores werden verwendet, um für alle erfassten und betrachteten Assetklassen mittelfristige Renditeerwartungen abzuleiten. Sie fließen dann in eine quantitative Portfolio-Optimierung ein, bei der als Risikomaß die Portfolio-Diversität sowie der potenzielle Drawdown, also der maximale Verlust des Portfolios, verwendet wird. Diese Methode ersetzt klassische Korrelationsmatrizen durch Korrela-tionsgrafen, die auf die Identifikation von Korrelationsclustern zielen.Der Vorteil ist, dass die Robustheit des Portfolios in Marktstressphasen – beispielsweise bei stark fallenden Aktienmärkten oder einem signifikanten Zinsanstieg – deutlich gestärkt ist. Das neue Verfahren generiert robuste Portfolien, die mögliche Drawdowns in der Wertentwicklung reduzieren. Die Vermögensaufteilung wird dabei ständig überprüft und bei Bedarf den Marktgegebenheiten angepasst. Alternative InvestmentsDas Konzept kann in seinem Anlageuniversum neben globalen Renten und globalen Aktien beispielsweise auch alternative Investments zur weiteren Diversifizierung und Optimierung der Rendite- und Risikostruktur des Portfolios berücksichtigen. Hierzu zählen Infrastrukturinvestments, Private Equity, Real Estate oder Rohstoffe. Die BayernInvest kooperiert im Bereich illiquider Assetklassen mit Ardian, einer weltweit führenden Private-Equity-Beteiligungsgesellschaft. Auch passive Produkte können dem Portfolio beigemischt werden. Dies kann dann sinnvoll sein, wenn beispielsweise innerhalb eines Kernportfolios effiziente Umschichtungen zwischen verschiedenen Assetklassen umgesetzt werden sollen.Elementarer Bestandteil des Anlagekonzepts ist eine fortschrittliche Portfoliokonstruktion und ein aktives Risikomanagement, das das Portfolio vor Verlusten schützt. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass bereits das Portfolio derart optimiert wird, dass seine daraus resultierende Robustheit potenzielle Sicherungskosten deutlich verringert. Sollte es in Zeiten extremer Marktphasen dennoch zu einem weiteren Sicherungsbedarf für das Portfolio kommen, so greift ein aktives Risikomanagement korrigierend ein. Diese Maßnahmen können bei Bedarf auch dann zum Einsatz kommen, wenn dies kundenindividuelle Vorgaben beziehungsweise Restriktionen erfordert, wie beispielsweise die Einhaltung bestimmter Risikobudgets.In der Praxis wird das Portfolio täglich in Echtzeit abgebildet und berechnet. Der verantwortliche Fondsmanager vergleicht bei seiner täglichen Risikokontrolle und -steuerung den Ist-Wert für den Value-at-Risk mit seiner Zielgröße. Liegt der aktuelle Value-at-Risk des Portfolios unterhalb der Zielgröße, kann das aktuell nicht genutzte Risikobudget zur Anlage in risikotragende Assetklassen oder zu taktischen Anlageentscheidungen genutzt werden. Überschreitet der aktuelle Value-at-Risk des Portfolios die Zielgröße, ergreift der Fondsmanager geeignete Maßnahmen zur Reduktion des Risikos. Mut neue Wege zu gehenZusammenfassend lässt sich festhalten: Total-Return-Strategien sind eine adäquate, notwendige und vor allem sinnvolle Antwort, um im aktuellen Marktumfeld erfolgreich agieren zu können. Für bislang vorwiegend konservativ ausgerichtete institutionelle Investoren erfordert diese Entwicklung den Mut und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.Hierzu zählt erstens, das Portfolio breit und weltweit zu diversifizieren. Mit einem disziplinierten und systematischen Investmentansatz sollte das Anlageuniversum durch Beimischung bislang nicht eingesetzter Assetklassen, Märkte und Anlagestile erweitert werden. An die Stelle einer “Markt-Benchmark” tritt ein Total-Return-Ansatz mit einem absoluten Ertrag in möglichst allen Marktphasen.Als zweites Anlageprinzip gilt, im Rahmen einer langfristigen strategischen Asset-Allokation chancenorientierten Investments mehr Bedeutung einzuräumen. Dabei sind Diversifikations- und Korrelationseffekte optimal zu nutzen, das heißt, die dynamische Allokation steht im Mittelpunkt. Und drittens liegt das Augenmerk auf einem systematischen Risikomanagement zur effizienten Steuerung der Risikobudgets—Arnd Sieben, CIO der BayernInvest Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH