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UBS-Chef Ermotti geht, ING-Chef Hamers folgt

Von Daniel Zulauf, Zürich Börsen-Zeitung, 21.2.2020 Der Niederländer Ralph Hamers, derzeit CEO von ING, löst im November Sergio Ermotti als Chef von UBS ab. Was UBS-Präsident Axel Weber am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Zürich wie einen...

UBS-Chef Ermotti geht, ING-Chef Hamers folgt

Von Daniel Zulauf, ZürichDer Niederländer Ralph Hamers, derzeit CEO von ING, löst im November Sergio Ermotti als Chef von UBS ab. Was UBS-Präsident Axel Weber am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Zürich wie einen von langer Hand geplanten Schritt aussehen lassen wollte, wirkt in seiner konkreten Umsetzung aber deutlich weniger harmonisch.Die lange Vorlaufzeit ist ein Indiz, dass sich Weber und Ermotti auf einen Kompromiss einigen mussten. Ermotti wird nachgesagt, dass er mindestens bis 2021 bleiben wollte, um Weber danach auf dem Präsidentenstuhl zu beerben. Dieser betonte indessen, er sei bereit, sein Mandat bis 2022 auszufüllen. Ob Ermotti dann noch ein Thema für die UBS sein wird, muss sich weisen.Ein Hinweis, dass Ermotti mit einer längeren Verweilzeit bei der Bank gerechnet hatte, sind auch die weitgehenden organisatorischen Veränderungen, die er erst in den vergangenen Monaten sowohl in der Flaggschiffdivision Global Wealth Management als auch in der Investmentbank angestoßen hatte.Ermotti bemühte sich auf der Pressekonferenz sichtlich, seine lockere Seite zur Schau zu stellen. “Alle wunderbaren Träume haben irgendwann ein Ende”, sagte er. Als er in Lugano seine kaufmännische Lehre absolvierte, habe er sich nicht einmal im Traum vorstellen können, einmal Chef der größten Schweizer Bank zu werden.Weit überraschender als Ermottis Abgang ist allerdings die Berufung Hamers zu dessen Nachfolger. Die ING hat im Unterschied zur UBS kein bedeutendes Geschäft mit reichen Vermögensverwaltungskunden, und sie hat auch keine Investmentbank. Angesprochen auf die fehlenden Parallelen sagte Weber: Beide Finanzkonzerne gehörten in die Gruppe der global systemrelevanten Banken. Diese Kategorisierung bringt für jeden CEO besondere Herausforderungen mit sich. Etwas konkreter fügte Weber immerhin noch an, er hoffe, dass Hamers mithelfen könne, UBS auf die nächste Stufe der Digitalisierung zu hieven.Tatsächlich hat ING unter Hamers das elektronische Banking stark vorangetrieben und auf digitalen Vertriebskanälen insbesondere Deutschland und in den Benelux-Staaten zahlreiche neue Kunden angeworben. Der Finanzkonzern, der bis vor einigen Jahren auch eine eigene Versicherungsgesellschaft besaß, vertreibt in einer Partnerschaft mit der französischen Axa auch Assekuranzprodukte. Die forcierte Kundenakquise fußt auf Hamers Überzeugung, dass Technologiefirmen wie Amazon, Google, Alibaba oder Facebook den traditionellen Banken zunehmend das Wasser abzugraben versuchen werden. Auf die Frage, inwieweit dies alles auch für reiche Vermögensverwaltungskunden von Belang sein könne, meinte der 53-jährige Niederländer, im digitalen Banking müsse es primär darum gehen, die Erlebnisse der einzelnen Kundengruppen zu maximieren.Mit einem Jahresgewinn von 4,5 Mrd. Euro (2018) bewegt sich ING in ähnlichen Dimensionen wie die UBS. Doch deren Manager müssen mit einer deutlich geringeren Vergütung vorliebnehmen. Als Hamers Vergütung für das Jahr 2018 von 2 Mill. auf 3 Mill. Euro erhöht werden sollte, entfachte dies in den Niederlanden eine hitzige Diskussion. Die Gehaltserhöhung wurde am Ende abgeblasen. Ermotti hatte 2019 mehr als das Vierfache von Hamers Gehalt bezogen. Diese Erkenntnis dürfte bei der UBS freilich bereits vorhanden sein. Immerhin investiert der Konzern 2,5 Mrd. Dollar pro Jahr in die Technologie, wie Ermotti betonte. Zehnmal weniger als ErmottiFür Hamers Wahl dürfte es auch ganz pragmatische Gründe gegeben haben. Der Manager verdient bei ING derzeit 1,5 Mill. Euro pro Jahr. Das sind rund zehnmal weniger als Ermotti oder fast fünfmal weniger als Weber. Der Mann darf in Zürich zwar mit einer kräftigen Gehaltsaufbesserung rechnen. Aber diese könnte vielleicht zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder im einstelligen Millionenbereich zu liegen kommen, was als Signal für die künftige Vergütungspolitik wirken würde. Ein 2018 bei ING publik gewordener Geldwäscheskandal hatte Hamers Ruf in den Niederlanden beschädigt und seine Wechselbereitschaft möglicherweise erhöht.